10 Jahre Goldener Oktober – Tag 4: Kampf mit den (Wetter-) Gewalten

Das Dach der Welt – zumindest der Alpenwelt – stand heute auf dem Programm: der Colle Sommeiller, ein altes Skigebied, das nach dem Abschmelzen des Gletschers und einer Lawine, die das Hotel zerstörte, aufgegeben wurde. Auch wurde nie die französische Zufahrt zum Paß gebaut, und so ist die Strecke heutzutage ziemlich einsam – und der höchste legal mit zweispurigen Fahrzeugen anfahrbare Punkt der Alpen!

Fahrerisch ist die Auffahrt anspruchsvoll, Kategorie 4 nach Denzel: Enge Kehren mit starken Auswaschungen, alles Naturbelag, bei feuchter Witterung glitschig, im oberen Bereich sehr steinig.

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Morgenstund hatte für uns nur Nebel im Mund, mit dem letzten Funken Hoffnung wollten wir wenigstens bis zum Rifugio am Beginn der Steilstrecke fahren, und tatsächlich war dort gute Sicht. Doch in kürzester Zeit war der Nebel hochgezogen und sämtliche Sicht dahin. Da außerdem seit Tagen die Witterung feucht war, sahen wir von der Befahrung ab – das Risiko war zu groß. Ich selbst war bei der vorigen Befahrung in einer Kehre hängengeblieben. Mußte eigentlich zurücksetzen, doch ein Hinterrad hing in der Luft, und so bin ich einen Fingerbreit vor dem Abgrund um die Kurve gerollt.

Aber es stand ja noch ein weiteres Highlight auf dem Tagesprogramm: die Assietta-Kammstraße. Bei der vorigen Befahrung waren wir von Osten eingestiegen, diesmal verließen wir in Sestriere den Asphalt. Das Wetter war weiterhin eklig: leicht neblig, Nieselregen und eine gute Portion Wind. In der Anfahrt zum Colle Basset –den eigentlichen Beginnpunkt der Kammstraße- ging der Niesel in Schnee über und blieb schließlich auch links und rechts der Piste liegen. Das wurde mehr, und irgendwann war dann selbst die Piste weiß. Nun hatten wir alle Winter- oder Allwetterreifen, und auch die von Torsten stets geforderten Schneeketten fingen an, Sinn zu machen. Am Colle-Basset-Abzweig scharf rechts blickten wir in ein Grau-in-Grau aus Schnee und Nebel. Keinerlei Struktur, der Verlauf der Piste war kaum auszumachen. Zudem schneite es inzwischen kräftig, und der Wind bließ ordentlich. Das war definitiv der Moment, die Vernunft über die Abenteuerlust siegen zu lassen.

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20151001_121845So schurbelten wir uns wieder gen Tal um dann in großem Westbogen Richtung Susa zu fahren und von dort den Col du Mont Cenis zu erklimmen. Links der Straße fanden sich immer wieder Überreste der Mont Cenis Eisenbahn: 1868 in Betrieb genommen und 1871 bereits wieder stillgelegt. Tja, Geld mit vollen Händen aus’m Fenster schmeißen konnten manche Leute damals schon. Unser Nachtplatz war kurz hinter den Resten eines Bahnhofs dieser Bahn, dort haben wir noch etwas rumgestreunert. Später gab es eine Geräuschkulisse, die ich anfangs nicht einordnen konnte. Es waren gefühlt Hunderte von Kuhglocken, die meisten so groß wie Wassereimer. Almabtrieb!

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