HÖHENRAUSCH UND FEUER!

Portugal ist berühmt, wenn nicht gar berüchtigt für seine Waldbrände. Erst kurz vor meiner Abfahrt -da war Portugal höchstens eine vage Idee- hatte ein verheerendes Feuer im Osten des Landes gewütet, bei dem auch mehrere Autofahrer vom Feuer eingeschlossen wurden und verbrannt sind.

Waldbrand

Diese Bilder kommen unweigerlich hoch, wenn man durch eine solche, gerade vom Feuer in ein apokalyptisches Szenarium gewandelte Landschaft fährt. Als Feuerwehrmann schnuppert man dann doch etwas genauer, der Sommer hat schließlich gerade erst angefangen, und es ist saisontypisch heiß und trocken…doch die Luft ist rein.

In Unhais da Serra fand ich jedoch ein sicheres Plätzchen: in der Ortsmitte wurde neben der lokalen Flußbadestelle, wie es sie in vielen Dörfern gibt, gerade letztes Jahr ein Stellplatz für Wohnmobile eröffnet, mit Toilette, Freiluftdusche und: Löschschlauch!

Unhais

Spät am Abend hing doch Brandgeruch in der Luft. Nun stand ich direkt am Wasser, alle Pflanzen hier waren sattgrün und sowieso ist man in den Dörfern immer noch am sichersten. Allerdings: um halb zwölf nachts hielt ein Feuerwehrauto an dem Badestau und füllte offensichtlich Wasser nach…dann muss doch was im Busch sein.

Zunächst hieß es am nächsten Morgen ganz entspannt aufstehen (wenn man doch so alle Annehmlichkeiten am Ort hat-sogar das Bier hatte ich über Nacht im Gebirgsbach kühlen können), Ölstand kontrolliert und dann nicht zu spät los, denn es galt, die Morgenkühle zu nutzen für den Aufstieg auf Portugals Höchstes der Bergweltgefühle. 1993 Meter misst der Torre, für den alpenerprobten Bulli ein Klacks. Schon im ersten Aufstieg traf ich die Feuerwehr wieder, und es war auch deutlich zu sehen und zu riechen: Hier hatte es vor kurzen gebrannt. Wieso, weshalb, warum? Man weiß es nicht. Eine willkürliche Fläche in the middle of nowhere. Danke Bombeiros!

Bombeiros

Es gibt so Momente, wo man sich fragt: Bin ich hier richtig? Oder noch besser: Geht es hier überhaupt weiter? Wenn etwa die relativ großzügig gebaute Asphaltstraße…

Asphalt

an einem Wasserkraftwerk in eine staubige Knüppelpiste übergeht…,

Ende_Ausbau

man zudem offensichtlich in einen Talkessel hineinfährt, in dem zwar oben noch ein paar Hütten sind, doch geht es danach noch weiter?? Google hin oder her, es wäre nicht der erster Fehler. Diesmal geht es aber wie versprochen per Abkürzung zur offiziellen Auffahrt zu dem Torre.

In Portugal sind Gebirge irgendwie anders. Entweder ist die Landschaft leicht wellig oder eben bergig, dann aber auch richtig: mit steilen Hängen, tiefen Tälern und so. Aber es sind immer kleine Gebirgsketten. Bis auf den Torre. Das ist -nomen est omen- ein (Gebirgs-)Turm, der einsam in der Landschaft herumsteht. Weit höher, krasser und schöner als alles drumherum. Man schurbelt sich nach oben und schaut dann zu allen Seiten in weit tiefer liegendes Land.

Torre4

Torre1

Diese Auffahrt…eine Bergwelt von unfassbarer Schönheit präsentiert sich nach jeder Kurve nochmal in neuem Gewand. Diese Landschaft kann locker mit den Highlights der Alpen mithalten, sie macht einfach sprachlos. Die Bergspitze an sich ist dann wieder ernüchternd; natürlich hat man einen Turm erbaut, der dient hauptsächlich den Sendeantennen, ansonsten enden hier die Skilifte und es ist etwas Touri-Schnick-Schnack. Also schnell wieder weiter, und auch die Nordabfahrt bietet wieder atemberaubende Szenarien…ein Mega-Tipp für jeden, der auch nur halbwegs in der Nähe ist. Ganz großes Kino!

Torre2

Torre3

Zum Torre werde ich eine Sonder-Bilderseite machen, sobald irgendwo freies WLAN zur Verfügung steht.

Am Vortag hatte ich eine Wasch- und Aufladeübernachtung auf dem Campingplatz Pomainho, der von einem Holländer betrieben wird, eingeplant. Dort war ich mit Frank aus Den Bosch ins Gespräch gekommen, denn vor seinem Zelt stand ein Mercedes 280 SE 3.5, für Kenner ein W 108 mit V8-Motor in wundervollem Zustand. Natürlich habe ich ihn sofort über den Wagen und vor allem seinen nicht ganz alltägliche Urlaubsfahrt (nur zwischen Paris und Biarritz hatten sie den Autoreisezug genommen) ausgefragt. Genau wie ich hat er auch bis zum letzten Tag vor der Abreise noch am Fahrzeug geschraubt…irgendwie muss das wohl so.

w108

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