SOL Y SONORAS

Die Sache mit den Geräuschen…ist das alles Einbildung? Hausgemachte Panikmache? Motorschaden: hatte ich schon: 1988 in der Türkei. Mehr schlecht als recht repariert in (damals) Jugoslawien. Motorbrand? Ende der 90er in Berlin. Ist ja nicht so, dass das nur Hirngespinste sind.

Nachdem die lose Mutter auf der Hinfahrt die „angenehmere Variante“ war, hat es mich jetzt doch erwischt. Das dumpf brummende Geräusch stellt sich als defektes Radlager der Hinterachse heraus. Und da man ein solch exklusives Auto wie einen T2 fährt, ist das Teil über den Teilehandel nicht mehr verfügbar. (Ja, OK, weil das Lager ab 8/70 geändert wurde, die „neue“ Variante gibt es noch überall). Aber da mal überall liebe Freunde hat, in diesem Fall das „Team Dakota“, ist ein Ersatz schnell beim Spezialisten in Deutschland aufgetrieben und für den Versand nach Spanien bestellt.

Davor hatte mich Frankreich so empfangen, wie es mich verabschiedet hatte: mit sintflutartigen Regenschauern. Die erste Pyrenäenquerung war ein Vorgeschmack auf die der folgenden Tage: in Spanien eitel Sonnenschein und in Frankreich Nebel, Regen und Gewitter.

gartenbaukunst

Gartenbaukunst am Rastplatz

Die Berge haben eben auch ihren Stolz. Sie zeigen nicht beim ersten Besuch all ihre Schönheiten. Man soll ja wieder kommen. Die erste Querung -da lag der Pass (Collado de Urkiaga, 890 m) noch auf der spanischen Seite, war wettertechnisch OK. In St-Jean-Pied-de-Port waren Gott und die Welt unterwegs…Pilgerfestival oder einfach Hochsaison? Zurück über den Puerto de Inbañeta (1057 m) ging auch noch. Das nächste Tal, Valle de Roncal, war insofern beeindruckend, das man ewig auf einem flachen Talboden „in die Berge“ hineingefahren ist, bis man quasi vor einer Wand stand, dann bog die Straße auf einmal ab und kletterte am Berghang hoch. Die absolut beeindruckende Welt des Col de la Pierre St Martin (1760 m), Col de Soudet (1540 m) und der „Route des Cols“

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nach Lées-Athas blieb leider vollkommen im Nebel verborgen. Auch, wieder nach Süden gewandt, der Col du Somport (1650 m), natürlich über die Passstraße, nicht durch den Tunnel, blieb in 50 shades of grey gehüllt. Da jedes Mal das Wetter in Spanien besser wurde und die Vorhersage Richtung Osten auch besser wurde, habe ich noch einen Versuch gewagt. Und tatsächlich: Am Col de Pourtalet (1794 m) blieb die Sonne zumindest bis dort oben erhalten. Kaum überraschend, dass die Passstrecke in Frankreich zwischen dem Col d‘ Aubisque (1709 m)

aubisqueund dem Col de Soulor (1474 m) wieder voll im Nebel verschwand. Dabei ist besonders diese Strecke ein absolutes landschaftliches Highlight – soweit ich sehen konnte. Unbedingt wiederholen!

Leider musste ich noch weiter in Frankreich verbleiben, denn die nächste Verbindung gen Süden war noch nicht erreicht. So waren erst noch der Col du Tourmalet (2115 m) und der Col d’Aspin (1489 m) zu bewältigen. Statt des letztgenannten habe ich mich jedoch für die Hourquette d’Ancizan (1538 m) entschieden, eine faszinierende Route durch eine abgeschiedenen Hochgebirgswelt, in der Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde und Esel frei herumlaufen. Leider auch hier viel Nebel.

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Erwartungsgemäß hat mich der Túnel de Bielsa dann wieder ins (spanische) Schönwetter gebracht. Am Nachtplatz „Salinas de Sin“ habe ich am Abend ein beeindruckendes Ensemble von Felsblöcken vor einer Brücke abgelichtet. Kurz dahinter hatten sich Jugendliche zu einem Badenachmittag am Flüsschen niedergelassen. In der darauffolgenden Nacht ging ein kräftiges Gewitter nieder. Die Geräuschkulisse morgens im Bus ließ vermuten, dass das lieblich plätschernde Bächlein inzwischen dramatisch andere Ausmaße angenommen hat. Und so war es auch: über die Felsbrocken stürzten sich braune Wassermassen tosend hinab, die Badestelle des Vortages war überflutet.

bachfluss

Um noch etwas im sonnige Süden zu bleiben bin ich nochmal gen Westen gefahren, die N 260 nach Sabiñánigo, um dann von Lanave aus im Paralleltal wieder zurück zu fahren. Diese Strecke war genial: einsam und wild, unten immer dicht am Fluss (eingefleischte Overlander wussten das und haben dort ihren Nachtplatz gesucht 😉 ). Allerdings machte das unerwünschte Geräusch immer nachdrücklicher auf sich aufmerksam, so beschloss ich, in Aínsa einen asphaltierten Platz zu suchen, wo ich dem Problem nachgehen konnte, ohne mich im Dreck zu wälzen.

Da es nun dummerweise Wochenende war, musste ich etwas mehr Zeit auf dem Campingplatz von Aínsa verbringen. Dabei merke ich „mal wieder“, dass Stillstehen auf Reisen gar nicht mein Ding ist. Ich werde dann irgendwie hibbelig und nervös. Im Moment gibt es allerdings gerade keine andere Wahl.

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2 Gedanken zu “SOL Y SONORAS

  1. Hallo Kai,

    die Bilder sind – trotz Regen und Nebel – toll. Sicher wären sie mit Sonne viel schöner geworden – das hätte ich Dir auch sehr gegönnt! Da ist man nun schon mal da und dann Mistwetter *grmpf*

    Ja – Frankreich zeigt sich leider sehr unfreundlich – sehr, sehr schade für Dich!

    Die beiden Bilder vom lieblichen Flüsschen, welcher tosend und reissend als Verwandlung erfährt, ist ja schon klasse!

    Für Dein defektes Radlager wünsche ich Dir eine schnelle und unkomplizierte Reparatur.

    Liebe Grüsse belle

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Belle,

    danke für deine aufmunternden Worte 🙂 Tja, im Wetter steckt man nicht drin, das merkt ihr selbst ja gerade. Aber zu Hause ist es noch schlimmer, wie man liest 😉
    Das Schönes ist: man hat einen guten Grund, wiederzukommen :

    LG

    Kai

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