36 GRAD UND ES WIRD NOCH HEISSER

Am Morgen des Tag 2 habe ich mir zuerst die Elbbrücke von Barby angesehen. Auch von der Westseite war es nicht ganz einfach, dort heran zu kommen. Die Brücke wird bereits seit vielen Jahren nicht mehr genutzt und soll abgerissen werden, doch jetzt kümmert sich ein Verein um den Erhalt als technisches Kulturgut.

 

Inzwischen verhinderten technische Probleme, dass ich auf diesem Blog Berichte hochladen konnte. Auch der extra angefahrene Vodafone-Shop in Bad Harzburg konnte nicht weiterhelfen. An der Kundenhotline hatte ich teilweise nach 15 Minuten Warteschleife immer noch keinen Gesprächspartner.

Meinen Geburtstag feierte ich dann relativ ruhig im Westerwald, hab fast den ganzen Abend mit Freunden und Familie telefoniert.

Tags danach ging es zur Mosel. Bei Cochem stieg ich in das beeindruckende Flusstal ab. Hier lebt der Wein. Nicht nur auf den Hängen, sämtliches Leben dreht sich um den Traubensaft. Allerdings ist die Gegend recht touristisch, so wurden für einen Wohnmobilstellplatz 6 Euro verlangt, nur weil dort Strom (gegen Zuzahlung natürlich) verfügbar war. Außerdem durfte man die öffentliche Toilette benutzen. Ich habe das Tal dann wieder verlassen und weiter oben einen schönen, ruhigen Wandererparkplatz gefunden. Vom nahegelegenen Bauernhof krähte der Hahn herüber, Kühe muhten-alles wie zu Hause.

Am nächsten Tag wurde das Wetter noch heißer, und ohne Klimaanlage im Bus (ausstellbare Dreiecksfenster) machte die Fahrerei wenig Spaß. So hatte ich mir ein schnell erreichbares Etappenziel aus gesucht: einen See mit Badestelle und Campingplatz. Eigentlich wollte ich nur einen Tag dort verbringen, da aber der Folgetag noch heißer wurde und am Wochenende auf diesem Platz Bullitreffen war, bin ich kurzerhand etwas länger geblieben.

Es war ein Kampf…

…mit Vodafone, mit der Hardware und nicht zuletzt mit dem Newbie – mit mir. Vom PC mit LAN über die Telefonleitung zum Laptop mit mobilem Router und Datenpaketen sind es eben doch ein paar Schritte mehr. Das dauert im Zweifel ein paar Tage länger. Denn unterwegs bin ich bereits seit Sonntag, dem 18.6.. Aber jetzt scheint tatsächlich alles zu funktionieren, daher ab jetzt Updates nicht nur über facebook, sondern auch hier!

Hol doch mal den Wagen – eine nicht ganz optimal gelaufene Rückführung aus Südspanien

Es gibt Sätze, die man am liebsten nie in seinem Leben hören möchte. Wie zum Beispiel im Personalgespräch: „Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass…“. Oder, wenn man gerade mit einem One-Way-Ticket nach Südspanien geflogen ist um ein Auto nach Deutschland zu holen, dort am Mietparkplatz: „There is a problem with your car“.

Das Problemkind gehört meiner Tante. Die hatte bis vor zwei Jahren ein wunderschönes Haus mit unverbaubarem Meerblick, zwei Orte weit von Benidorm. Leider ist mein Onkel viel zu früh verstorben, und für sie alleine war das Haus mehr ein Klotz am Bein als eine Oase der Erholung. Also Haus verkauft und – ja und dann stand da noch der Polo, den sie extra für dort angeschafft hatten. Weil man ja mit dem Flieger kommt – in drei Stunden ist man da – und dann auch vor Ort mobil sein möchte.

Das Haus war also weg und der kleine Polo stand da am Flughafen von Alicante auf dem bewachten Parkplatz „Victoria“. Zwei Jahre schon hatte sich keiner um den Wagen gekümmert, zwei Jahre waren Steuern und Versicherung bezahlt – für ein „Stehzeug“. Daher kam mein Auftrag: „Hol dir den Wagen.“

Wetter in Berlin
Wetter in Berlin
Wetter in Alicante
Wetter in Alicante

Kurz durchgerechnet, günstigen Flug gebucht, kann doch nicht so schwer sein. Dachte ich. Da ich nicht wußte, wie weit ich pro Tag komme, konnte ich die Übernachtungen nicht planen. Aber da ich größtenteils durch eine touristisch voll erschlossene Region fahren würde, habe ich keine Probleme erwartet. Außerdem gibt es google maps, here und trip advisor, also für den modernen Mensch kein Problem.

Bis der besagte Satz kam. Den mitgebrachten Werkzeugkoffer -„haben ist besser als brauchen“- hab ich gerade so durch die Handgepäckkontrolle bekommen – und nun brauchte ich ihn leider doch. 

so stand er da die letzten 2 Jahre
so stand er da, die letzten 2 Jahre

Beim Polo war die Benzinpumpe kaputt. Startversuche ohne und mit Starterspray hatten das ergeben. Alptraum! Der Flieger war um 12:10h gelandet, um 13:00h war ich auf dem Parking, ich wollte an diesem Tag noch mindestens bis Nordspanien, idealerweise sogar über die französische Grenze kommen.

Stattdessen baue ich mit dem Mechaniker die Spritpumpe aus, sauge das alte Benzin ab, 

Sprit absaugen
Sprit absaugen

das auch noch die Gummidichtung aufgelöst hat, lausche ihm, wie er rumtelefoniert, um eine neue –oder noch besser gebrauchte- Pumpe zu finden. Allerdings –und daran gibts nichts zu rütteln- ist in Spanien bis 16 Uhr Siesta. Da geht gar nichts. Also fahren wir erst mal in seinen Heimatort direkt neben dem Flughafen, er dropt mich in einem Restaurant und fährt selbst zu seiner Familie zum Mittagessen. Inzwischen bekomme ich ein 3-Gänge-Menü, was wohl der örtliche Mittagstisch ist, bestehend aus Salat, gebratenen Mini-Tintenfischen und einer Mini-Paella. Wunderbar!

Mittagstisch im Restaurante Avenida 1
Mittagstisch im Avenida1

Um 16 Uhr sind wir wieder in seiner Werkstatt, und es gibt gute Neuigkeiten: sein Kumpel hat tatsächlich die richtige Kraftstofffördereinheit, also das ganze Gerödel mit Pumpe und Tankgeber, gebraucht da. Mit Dichtung. Also rangeholt und eingebaut. Nur nebenbei sei angemerkt, dass die Batterie natürlich auch komplett tot war, 

Batterie tot
Batterie tot

also musste hier auch noch Ersatz beschafft werden. Aber dann: der kleine rote Torero sprang an! Also alles zusammengefrickelt, sämtliche Rechnungen beglichen und fürs Trinkgeld bekam ich noch ne Fahrt durch die Waschanlage spendiert. Nur war es inzwischen 18 Uhr, und um diese Uhrzeit ist es selbst dort langsam dunkel. Und ich wollte eigentlich schon in Grenznähe sein.

fast startklar
fast startklar

Egal, jetzt zählt jeder Kilometer, denn ich hatte nur zweieinhalb Tage Zeit für die Rückfahrt, und den ersten halben Tag hatten wir gerade in der Werkstatt verbracht. Über die spanische Mautautobahn fährt sich das ganz entspannt, vor allem abends. Doch dann kam das Thema „Hotel suchen – ganz spontan“. Während man hier allüberall an den Ausfallstraßen die Neonreklame von Motel1, Ibis und wie sie alle heißen sieht, war dort – nichts! Gar nichts. Also erst mal runter von der Mautautobahn und rein in der erstbesten Urlaubsort, der einem bekannt in den Ohren klang, in diesem Fall Cambrils. Auch an der Ausfallstraße – nichts. Und auf einen Schlag war man im Stadtzentrum (gefühlt zumindest). Und es gab Hotels! Nur keine Parkplätze. Alles voll – ohne Pardon. Von Häuserblock zu Häuserblock, nicht ein Platz. Und wo dann endlich Platz war, waren die Hotels in weiter Ferne. Also weiter, irgendwie auf der Landstraße. Dann ein Hotelschild…auf die Schnellstraße…und da stand es dann: „Golf Hotel Mas Galau“, romantisch gelegen direkt an der Autovia del Mediterrani, aber – vier Sterne! Ich begehrte Einlass und beim Nachtwächter, der vorgab, kein Englisch zu sprechen, sicherheitshalber erst mal nach dem Preis gefragt: 75 EUR. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit –es war nach Mitternacht- und meiner durch Erfolglosigkeit gekrönten Hotelsuche im Touristenparadies akzeptierte ich das Zimmer. Meine Bleibe für diese Nacht verdiente durchaus die Bezeichnung Suite!  Riesig groß, Terrasse, immenser Spiegelschrank, zwei große Betten und das Bad: ein Salon für sich. Die Waschtischanlage größer als meine Küchenanrichte, ein Sitz-Dusch-Bad von mindestens 4 m², Bidet (is klar ;) ). Einfach irre. Dazu Garten, Pool, aber das brauchte ich ja alles nicht. Wenn man bedenkt, dass manche dieser Autobahnhotels 89 EUR für ein Zimmer nehmen…Nur das Frühstücksbüffet, das passte nicht so richtig zu den Sternen: eher kompakt, mit schrumpeligen Tomaten und auch sonst wenig Besonderes. Und der Nachtwächterkauz, der saß am Morgen immer noch da.

Golf Hotel Mas Galau
Golf Hotel Mas Galau
Golf Hotel Mas Galau
Golf Hotel Mas Galau

Tag 2, heute hieß es klotzen, nicht kleckern. Zum Wachwerden bin ich in den Berufsverkehr von Barcelona reingerasselt. Die Mautautobahnen sind in den Agglomerationen gebührenfrei – und damit auch zugestaut. Aber gut, irgendwann war man da auch durch. Und dann hieß es: Vive la France! Nur wie würden die Franzosen auf einen Deutschen mit einem spanischen Auto auf abweichenden Halter reagieren? Die Lage war nach den Anschlägen etwas angespannt…schon weit vor der Grenze warnten Leuchttafeln auf der Autobahn. „An der Grenze wird kontrolliert“ – na super! Und so war es dann auch: von drei Spuren auf eine, LKW separat und auf der PKW-Durchfahrt stand massiv Militär, das MG geschultert. Aber durchgewunken haben sie mich trotzdem. Puh!

Perpignan, Montpellier, Nîmes, Nebel am Mittelmeer. Trotzdem: wie gern hätte ich hier –und auch schon in Spanien- mal angehalten, wäre mal an den Strand gefahren. Aber leider war dafür keine Zeit. Wiederum galt es, Kilometer zu fressen. Als Tagesziel kristallisierte sich Mulhouse heraus, und nachdem Sochaux (Usines Peugeot!) passiert war, hieß es wieder: nach Hotels Ausschau halten. Während unterwegs die Rastplätze durchaus auch Übernachten angeboten hatten – hier natürlich nicht. In letzter Not die Abfahrt Mulhouse-Centre genommen, doch entlang des Zubringers alles finster, dann ein Mal abbiegen – und voll im Zentrum: Cinemax, Pizzeria, aber natürlich wieder kein Hotel. Weiter Richtung Zentrum zu fahren machte ob der Parksituation keinen Sinn, also gewendet und schwuppdiwupp war ich auch schon wieder raus- und fuhr durch die umliegenden Landgemeinden. Leider war auch hier nirgends ein Hotel zu finden, also fuhr ich wieder auf die Autobahn und rüber nach Deutschland. Auch hier wieder übelste Kontrollen seitens der Franzosen, Richtung Deutschland jedoch: Nichts.

In Deutschland wollte ich dann die erste Abfahrt nehmen und entlang der Bundesstraße suchen – und tatsächlich: Schon im ersten Ort, das war Neuenburg am Rhein, links UND rechts am Ortseingang die Leuchtreklame „Hotel“. Die Qual der Wahl! Ich entscheide mich für das Hotel Touristik, klein, fein und sauber. Dazu WLAN und morgens ein wunderbares Frühstücksbüffet. Was will man mehr?

Am nächsten Morgen war zeitiges Aufstehen angesagt, denn jetzt standen noch 800 km quer durch Deutschland an, und während die spanischen und französischen Autobahnen bis auf die Rush-Hour in Barcelona und Lyon freie Fahrt gewährleistet hatten, drohte in Deutschland allüberall Stau. Doch toitoitoi bis auf etwas Geschiebe um Nürnberg und eine Baustelle vor Leipzig lief es flüssig. Und so rollte ich um 16 Uhr bei mir auf’n Hof.

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10 Jahre Goldener Oktober – Tag 5 & 6: homeward bound

Am Vortag war es grau und etwas nieselig gewesen, doch als ich am Morgen durch die Gardinen blickte, traute ich meinen Augen nicht: alles war weiß! Nicht nur etwas Schneegriesel auf den Scheibenwischern, wie beide Male am Sommeiller. Nein, richtig weiß: die Bäume, der Boden, die Bullis. Auch die *mit* Heizung ;). Das hatte es noch nie gegeben beim Goldenen Oktober!

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Nun, dann wieder das Stövchen angemacht, Kaffee gekocht und langsam aufgetaut. Auch die anderen Oktoberer –die alten Hasen wie auch die Neulinge- waren ganz aus dem Häuschen. Da die Temperatur um den Gefrierpunkt lag, gab es hinsichtlich Glätte kein Problem, wenngleich auf dem noch zu erklimmenden Col du Mont Cenis doch etwas Schnee auf der Fahrbahn lag. Leider war es dort ziemlich neblig, denn der Paß mit dem gleichnamigen See muß sehr schön sein. Auch vorgemerkt für eine zukünftige Tour.

Über den bereits bekannten Col de l’Iseran ging es am ebenfalls bekannten Lac de Roselend vorbei und auf schnellen Straßen bis kurz vor die Schweizer Grenze.20151002_103423Auf einem alten Teilstück der unbegradigten Paßstraße des Col des Montets schlagen wir unser Nachtlager auf.

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Am Folgetag steht die Querung der Schweiz auf dem Plan. Während Torsten eine bestimmt spannende und unterhaltsame Route geplant hat, beschließe ich, die wegen der Anreise notwendig gewordene Mautplakette noch etwas zu nutzen und schnellen Reifens gen Nachtplatz im deutschen Herten (bei Lörrach) zu düsen. Schließlich erwartet mich am letzten Tag ein Gewaltritt vom äußersten Südwesten der Republik bis (fast) nach Berlin, da am Montag wieder gearbeitet werden muß.

Schönster Sonnenschein begleitet mich auf den Schweizer Autobahnen, und schon am frühen Nachmittag treffe ich am Rockfood Restaurant am Flugplatz Herten ein, lange vor allen anderen. Ich denke, schlau zu sein und will die Zeit nutzen, um meine Vorräte aufzufüllen sowie günstigen deutschen Sprit zu tanken. Doch alle Supermärkte in den Dörfern sind geschlossen – und das an einem Samstag???

Wenigstens finde ich irgendwann eine Tankstelle, und in dem Moment fällt mir ein, dass wir Samstag, den 3. Oktober haben!

In der besagten Gaststätte lassen wir mit allen Oktoberern die Tour gemütlich ausklingen, und am nächsten Morgen mache ich mich sehr zeitig auf den langen Heimweg Richtung Berlin.

Es war mir eine Ehre.

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 4: Kampf mit den (Wetter-) Gewalten

Das Dach der Welt – zumindest der Alpenwelt – stand heute auf dem Programm: der Colle Sommeiller, ein altes Skigebied, das nach dem Abschmelzen des Gletschers und einer Lawine, die das Hotel zerstörte, aufgegeben wurde. Auch wurde nie die französische Zufahrt zum Paß gebaut, und so ist die Strecke heutzutage ziemlich einsam – und der höchste legal mit zweispurigen Fahrzeugen anfahrbare Punkt der Alpen!

Fahrerisch ist die Auffahrt anspruchsvoll, Kategorie 4 nach Denzel: Enge Kehren mit starken Auswaschungen, alles Naturbelag, bei feuchter Witterung glitschig, im oberen Bereich sehr steinig.

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Morgenstund hatte für uns nur Nebel im Mund, mit dem letzten Funken Hoffnung wollten wir wenigstens bis zum Rifugio am Beginn der Steilstrecke fahren, und tatsächlich war dort gute Sicht. Doch in kürzester Zeit war der Nebel hochgezogen und sämtliche Sicht dahin. Da außerdem seit Tagen die Witterung feucht war, sahen wir von der Befahrung ab – das Risiko war zu groß. Ich selbst war bei der vorigen Befahrung in einer Kehre hängengeblieben. Mußte eigentlich zurücksetzen, doch ein Hinterrad hing in der Luft, und so bin ich einen Fingerbreit vor dem Abgrund um die Kurve gerollt.

Aber es stand ja noch ein weiteres Highlight auf dem Tagesprogramm: die Assietta-Kammstraße. Bei der vorigen Befahrung waren wir von Osten eingestiegen, diesmal verließen wir in Sestriere den Asphalt. Das Wetter war weiterhin eklig: leicht neblig, Nieselregen und eine gute Portion Wind. In der Anfahrt zum Colle Basset –den eigentlichen Beginnpunkt der Kammstraße- ging der Niesel in Schnee über und blieb schließlich auch links und rechts der Piste liegen. Das wurde mehr, und irgendwann war dann selbst die Piste weiß. Nun hatten wir alle Winter- oder Allwetterreifen, und auch die von Torsten stets geforderten Schneeketten fingen an, Sinn zu machen. Am Colle-Basset-Abzweig scharf rechts blickten wir in ein Grau-in-Grau aus Schnee und Nebel. Keinerlei Struktur, der Verlauf der Piste war kaum auszumachen. Zudem schneite es inzwischen kräftig, und der Wind bließ ordentlich. Das war definitiv der Moment, die Vernunft über die Abenteuerlust siegen zu lassen.

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20151001_121845So schurbelten wir uns wieder gen Tal um dann in großem Westbogen Richtung Susa zu fahren und von dort den Col du Mont Cenis zu erklimmen. Links der Straße fanden sich immer wieder Überreste der Mont Cenis Eisenbahn: 1868 in Betrieb genommen und 1871 bereits wieder stillgelegt. Tja, Geld mit vollen Händen aus’m Fenster schmeißen konnten manche Leute damals schon. Unser Nachtplatz war kurz hinter den Resten eines Bahnhofs dieser Bahn, dort haben wir noch etwas rumgestreunert. Später gab es eine Geräuschkulisse, die ich anfangs nicht einordnen konnte. Es waren gefühlt Hunderte von Kuhglocken, die meisten so groß wie Wassereimer. Almabtrieb!

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10 Jahre Goldener Oktober – Tag 3: irre Tunnelstrecke und Grenzhopping

…und die Nacht war frrrrrostig. Da der Stellplatz am Campo Base inklusive Strom war, konnte ich meinen Elektro-Heizlüfter zum Einsatz bringen. Eine campingfreundliche 500-W-Version (die Elektroanschlüsse auf den Plätzen sind oft auf 1000 Watt begrenzt) hatte ich mir an Land gezogen, so wurde meine Nacht zumindest nicht allzu eisig. Sodann gab es am Morgen strahlenden Sonnenschein – und eingezuckerte Berghänge…au weia. Auch auf dem Platz hatte sich Raureif breit gemacht. Na, das kann ja was werden.

Zunächst fuhren wir ein kleines Stück zurück, dann folgte der vermeintlich gesperrte Abzweig ins Tal nach Elva. Nachdem wir die Abbiegung fast verpasst hätten, können wir keinerlei Verbotsschilder entdecken und steuern ins Tal hinein. Diese Straße ist wirklich der Hammer! Tunnel an Tunnel schmiegen, ja bohren sich in die steile Bergwand, wirklich atemberaubend. Wer dort ist: unbedingt hochfahren!IMG_2371Auch der weitere Anstieg zum Colle di Sampeyre geht über schmalste Straßen mit phantastischen Ausblicken und ja: Es gibt Schnee am Wegesrand.IMG_2385Doch das ist nur der Vorgeschmack auf das, was uns später erwartet. Erst kämpfen wir ab dem Colle mit ganz anderen Widrigkeiten: unser Ausflug zum Colle Bicocca über die Varaita-Maira-Kammstraße gerät zu einem dermaßen schlammig-glitschigen Event, dass wir nach wenigen Kilometern entnervt abbrechen und (mühevoll) umkehren.20150930_110637Später hören wir, dass selbst die Hardcore- und Syncro-Fraktion um Matze und Werner, denen wir auf dem „Rückzug“ begegnet sind, abgebrochen hat.20150930_112631

IMG_2393Von hier geht es kurzzeitig bergab, bevor wir uns immer weiter in den Schnee und auf den sonnenbeschienenen aber frostigen Colle dell‘Agnello schrauben.20150930_131555Hier ist mal wieder Staatsgrenze, auf französischer Seiten rollen wir über Château Queyras und den bereits bekannten Col d’Izoard wiederum gen Briançon. Über den Col de l’Echelle geht es wieder nach Bella Italia, denn in Bardonècchia beginnt die Anfahrt zum Colle Sommellier. Dieser Punkt ist ein „must have“ aller Alpenfahrer: Der höchste, mit zweispurigen Fahrzeugen legal anfahrbare Punkt in den gesamten Alpen! 2011 waren wir dort emporgeklommen, bei Kaiserwetter, heute haben wir erstmal unsere „Zelte“ oberhalb des Lago di Rochemolles aufgeschlagen – an der selben Stelle wie 2011.20150930_183252

 

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 2: Weltrekordstunnel und chillen

Am nächsten Morgen war die Nebelsuppe noch genauso dicht, aber immerhin war’s hell 😉 Der Plan war, zur Mautstelle zurückzufahren, da dies ein unmißverständlicher Fixpunkt war, um bei Torsten Instruktionen von dort aus anzufordern. Doch an der zweiten Liftstation treffen wir bereits auf ein ganzes Rudel Oktoberer: die Flachlandtiroler hatten sich mit Nik und Walter, dem Büchel und einem T3 mit besten Nebelscheinwerfern zusammengetan, sich durch die Strecke gekämpft und auf der Fläche der zweiten Liftstation übernachtet. Büchels Navi zeigt uns dann, dass wir trotz allem richtig sind, einfach nur weiter talwärts fahren müssen, und tatsächlich erreichen wir kurz danach das Fort Central, wo der Schneesturm noch stärker tobt.20150929_091117Unser Nachtplatz war dann doch nicht so schlecht gewesen. Nach kurzem Hallo mit den anderen fahren wir weiter hinab, denn im Fort ist es extrem ungemütlich. Wir schurbeln uns gen Tal, teilweise ist die Fahrbahn noch reichlich ausgewaschen und zwingt uns, umsichtig die Stufen hinabzufahren.

Wir kommen direkt am Nordende des Tendatunnels raus, aufgrund des Tunnelneubaus herrscht Ampelregelung. Der alte Tunnel stammt aus dem Jahr 1882 und war damals mit 3182 Metern der längste Tunnel der Welt. Das wollen wir natürlich genauer sehen, also stellen wir uns an der Ampel an. Und dann geht es ewig durch eine enge Röhre, die tatsächlich Fahrbahnmarkierungen für Gegenverkehr enthält. Wir stellen uns vor wie es wäre, hier einem LKW zu begegnen. Oder gar, wenn sich zwei LKW begegnen. Das geht doch gar nicht?? Irgendwie spannend und beklemmend zugleich.20150929_100356Am Ende des Tunnels gewendet und nochmals an der Baustellenampel angestellt, denn schließlich müssen wir gen Norden. Letztendlich kommen wir wieder in die zivilisierte Welt – denn Einkaufen ist angesagt!

Nun waren wir schon einer der letzten, die am Fort Central abgefahren sind. Dann haben wir uns noch hin und zurück durch die Tunnelbaustelle am Tenda gewurstelt, so waren wir also reichlich im Zeit-Defizit, und da das Wetter weiterhin schlecht war, haben wir etwas gemogelt und sind statt über den Colle Valcavera bequem über die P 422 ins Mairatal gefahren. Zwar haben wir einige Pässe verpasst, dafür konnten wir beizeiten im „Camp Base“ chillen, mit warmen Duschen und WLAN. Und mit prächtigem Panorama. In der Bar gab es dann lecker Essen und ganz feines Bier aus der Region…so wurde es dann noch sehr gemütlich.IMG_2357