Herzlichen Glückwunsch, altes Haus!

Alles Gute zum Geburtstag, mein Lieber. Heute bist du seit 50 Jahren zugelassen!

Irgendwann im Herbst 1969 liefst du in Hannover vom Band, im klassischen Perlweiß, und wandertest nach Wiedenbrück, um von Westfalia deine SO 67B – Ausstattung zu erhalten. Später wurde dir ein Hochschrank vom T2b implantiert, sodass der geneigte Urlauber jetzt auch „in-House“ kochen konnte. Mehr Stauraum – nicht nur für die jetzt notwendige Gasflasche – gab’s gratis dazu.

Dein weiteres Leben dieser Tage im Amsterdamer Land liegt bis heut im Verborgenen, einzig ist bekannt, dass du vor unserem Kennenlernen als echter Holländer in „oranje“ lackiert wurdest, später in einer Farbe, die dem Dakotabeige ähnelt und im Dienste eines Photostudios warst…wo du bestimmt viel gesehen hast *zwinker*.

Mein Schrauberkumpel  Daniel Querido, mit dem ich mir damals eine Garage in Amsterdam-Nord teilte, hat dich dort ganz in der Nähe in einer Werkstatt entdeckt. Du solltest für den Verkauft schick hergerichtet werden (das war wohlgemerkt lange vor dem Bulli-Hype), warst aber auch „to go“ zu haben, und so sind wir am 17. August 1995 zusammengekommen. 2500 Gulden musste ich damals für dich hinblättern, ich hatte gerade meinen ersten bezahlten Job, und du warst mein bis dato teuerstes Auto (aber das habe ich nie bereut, mein Lieber  😉 )

Aber du warst auch zweites Kind im Hause – und hattest also erst mal deine Ruhe. Der Schiphol-Bulli, der schon seit 1988 bei mir war, musste als Alltagsfahrzeug herhalten. Du durftest dich derweil in einer Halle ausruhen. Das änderte sich 1998, als ich nach Berlin umgezogen bin. Erst wurdest du als Umzugshelfer herangezogen, und als dann beim Schiphol der Motor hochging, auch noch als Alltagsfahrzeug.

Erst 2003 wurdest du vom Golf II GTi 16v abgelöst, und 2005 startete die immer noch andauernde Serie der Goldenen – Oktober – Touren, für dich und für mich bis heute jedes Jahr ein Highlight, das du jedes Jahr mit Bravour gemeistert hast. Alleine dafür jetzt schon mal ein: Hurra!

Im Jahr 2010 –das kann ich nicht unter den Tisch kehren- hast du unsere Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Extreme Inkontinenz trotz mehrfachen Wechsels des Kurbelwellensimmerrings! Der „Godfather der T2“ Torsten Knieriem hat herausgefunden, womit du mich an der Nase herumgeführt hast: ein Haarriss am Motorgehäuse! Nicht schön, aber lästig. War damit aber geklärt, du hast einen anderen Motor bekommen und wir haben uns wieder vertragen. 14 Alpentouren und einen zweimonatigen 11.000 – Kilometer – Roadtrip nach Portugal hast du mich herumgefahren und ich habe mit dir noch ganz viele tolle Sachen vor (wird noch nicht verraten 😀 ).

Zum Geburtstag verspreche ich dir, dass ich mich endlich um deine Haut kümmere, du bekommst auch noch ein kleines Leckerli, obwohl eigentlich: wahre Freundschaft bedarf keiner Geschenke, nicht wahr? In diesem Sinne: auf die nächsten 50!

Jetzt geht’s noch mal richtig steil!

Die Nacht am Monte Paularo war sternenklar und damit recht schattig. Kein Wunder: wir befanden uns auf 1949 Meter. Minus zwei Grad hat Rainer gemessen, ich hatte außen UND innen Eis am Bulli.

Eis

Aber der klare Himmel hatte auch was Gutes: einen traumhaften Sonnenaufgang. Ein paar Hardcore-Frühaufsteher-Fotografen sind rechtzeitig auf den Monte gestiegen, um das Naturschauspiel aus erhabener Position zu erleben – ich habe mich mit Fotos vom Platz aus begnügt.

Sonnenaufgang

Sodann schurbelten wir uns die gemütliche Schotterstraße und das steile Asphaltstück wieder hinunter.


Tja und dann stand schon der Grenzübertritt nach Österreich auf dem Plan. Dafür hatte Torsten ein ganz besonderes Schmankerl vorbereitet: den frisch eröffneten Passo Polentin. Doch vorher haben uns erst ein paar Forstarbeiter ausgebremst. In stoischer Ruhe haben sie das kleine Sträßchen mit ihren Maschinen blockiert, und erst, als der Baumstamm hochgezogen, in passende Stücke gesägt und auf den Polter gestapelt war, ging es weiter. Dann aber richtig! Es folgten extreme Steigungen, die steilsten Stücke waren mit verfugten Felssteinen gepflastert. Eigentlich müsste man hier mit ordentlich Schwung hoch, jedoch waren die Abschnitte von tiefen Entwässerungsrinnen durchzogen, die sehr umsichtig durchfahren werden wollten. An Anhalten war natürlich gar nicht zu denken, wer weiß, ob man danach noch wieder los kommt (vor allem, wenn die Kupplung nicht mehr ganz topfit ist, wie bei mir 😉 ). Dann waren die Kehren so steil, dass eigentlich bei jedem das Antriebsrad durchdrehte. Hier hieß es: Abstand halten – nicht, dass noch ein Stein vom Vordermann durch die Frontscheibe fliegt.

Österreich

Irgendwann war aber auch dieses Stück gemeistert, und danach ging es in entspannter Fahrt zum Nachtplatz am Hintersee. Aufgrund des schlechten Wetters (Nebel & Regen) haben wir auf die 36 € teure Großglocknerstraße verzichtet (die meisten aus dem Team Dakota waren sie eh schon mehrfach gefahren) und haben uns für den parallel verlaufenden Felbertauerntunnel (11 €) entschieden. Auch der Abend war leider verregnet, und so ging es früh in die Koje.

Schnee überm Felbertauerntunnel

Am eigentlich schon letzten Tag fuhren wir über die alte Gerlosstraße

Käfer im Berg

und an einem Almabtrieb vorbei ins Zillertal und dann zum Kaiserhaus an der Kaiserklamm, wo wir eine deftige Mittagsmahlzeit zu uns nahmen.

Zum Abschluss begeisterte die bereits bekannte Steinbergpassage, ein Streckenabschnitt, der nur in einem bestimmten Zeitfenster befahren werden darf, da Ausweichen hier schier unmöglich ist. Trotzdem kam uns auf halber Strecke ein Vollhorst entgegen. Aber wir waren mehr 😉

Steinbergpassage

Zum traditionellen Abschiedsessen trafen wir uns im Batznhäusl in Kreuth zu einem feucht-fröhlichen Abend.

Batznhäusl

Katastrophentouristen

Die Nacht war unruhig gewesen, Regen hatte eingesetzt und es gab sogar Gewitter. Wie schon am GO-Anreisetag hörte der Regen pünktlich zur Morgendämmerung auf. Toll – jetzt war auch nicht mehr an Schlafen zu denken.

Das Roadbook führte uns schon bald auf eine Waldpiste, die es in sich hatte: schmal, oft nur geschottert, ausgewaschen, ging es hinauf zum Refugio Talamini, wo wir tatsächlich einen echten Espresso bekommen haben, und bei Bedarf auch einen Apfelstrudel.

Morgenkaffee im Refugio Talamini

Von dort ging es ebenso weiter, in teils abenteuerlichen Gefällstrecken und an abgerutschten Straßenabschnitten vorbei.

Jetzt zurück in die Zivilisation und ins Schwimmbad von Longarone. Ab und zu duschen hat auch was. In Longarone haben wir noch kurz an der Stelle angehalten, wo 1963 durch einen Bergsturz über 2000 Menschen ums Leben gekommen waren – weil beim Staudammbau gepfuscht worden war.

Nasser Vormittag am Bergsturz von Langarone

Ein Abstecher brachte uns durch das wildromantische Tal des Tione Cimoliana zum Refugio Pordenone. Es ging durch mehrere Furten sowie quer durch das Geröllfeld des Schwemmtals. Wahnsinn! Und endlich hat uns auch wieder die Sonne gefunden.

Flußbettdurchfahrt

Nach diesem Ausflug ging es weiter über schmalste Sträßchen und Pässe zu unserem Nachtplatz am Rande einer Stichstraße, mit gigantischer Aussicht.

Nachtplatz bei Selva

Am nächsten Tag stachen zwei Passquerungen heraus: zunächst ging es in steilsten Auffahrten auf den Monte Zoncolan. Kaum zu glauben, dass hier auch mal die Fahrer der Tour de France hochgeackert sind…

Tunnel, ausnahmsweise mit Licht

Sella Monte Zoncolan

Danach folgte das (vorläufige!) Sahnehäubchen. Militärstraßen aus dem ersten Weltkrieg stehen oft garant für abenteuerliche Strecken. So auch die Auffahrt zum Monte Paularo. Erst war der einspurige Fahrweg noch asphaltiert, dann bekam der Belag mehr und mehr Löcher, bis nur noch Schotter die Straße bildete.

Militärstraße zum Monte Paularo

Als nächstes haben wir die Baumgrenze überschritten, so gab jede Biegung neue Fernsichten preis. Schließlich gelangten wir zu dem Plateau, auf dem seinerzeit schweres Militärgerät aufgestellt wurde, nur kurz unter dem Gipfel, der damaligen Grenzlinie. Hier war der Weg zu Ende und damit unser Nachtplatz. Die Nacht war sternenklar und entsprechend frisch, immerhin befanden wir uns auf knapp 2000 Meter, und der Bulli hatte am Morgen innen wie außen Eis angesetzt. Dafür spendierte uns der Platz einen traumhaften Sonnenaufgang über der Bergwelt der Dolomiten. Schon wieder: Wahnsinn!Hier ist SchlussMonte Paularo

Tausend-Pässe-Tag

…oder fast. Heute ging es nur rauf und runter. Und das war äußerst kurzweilig, denn wir befinden uns in den Dolomiten. Morgens verwöhnte uns die Sonne schon bald mit ihrer wohligen Wärme,

Pfersachtal

und dann entblätterte sich eine Tour zum Fingerlecken. Ich tippe mal, dass dies der Tag mit den meisten Passquerungen aller Zeiten war (Tante Edit sagt, Torsten hat das sofort dementiert): es ging immer nur rauf, und danach wieder runter, und die Landschaft übertrumpfte sich selbst. Dazu ein Wetter, wie man es sich nicht besser wünschen konnte.

Dolomiten

OK, der Tag hatte weniger spektakulär begonnen: mit einem Platten bei meinem Bulli. Zum Glück war nur die Unterseite platt 😀

Schon im nächsten Ort (Sterzing) konnten wir das Angenehme mit dem Nützlichen kombinieren: Während der Rest der Truppe einkaufen ging, wurde ich bei einer Werkstatt vorstellig. Die konnten sofort helfen. Ein neuer Schlauch musste montiert werden, und in Nullkommanichts war das erledigt – und für kleines Geld. Großes Lob an die Werkstatt!

schnelle Hilfe

Derweil hatte der Rest der Truppe seine Vorräte ergänzt.

Dolomiten2

Kaiserwetter

Nach den ganzen Pässen kamen wir ziemlich fertig und relativ spät am Nachtplatz an. Doch insgesamt waren erst neun von 21 Bullis da. Wo blieb der Rest? Der Chef und die Berliner trudelten alsbald ein, aber die letzten drei hatten tatsächlich den anderen Waldweg genommen und schurbelten sich an der falschen Bachseite empor. Wir wedelten mit Taschenlampen, und sie hatten uns bald entdeckt, doch wenden war dort oben kaum möglich. Dazu kam: Locals mit Geländewagen wollten unbedingt vorbei. Stress pur 😀

Irgendwann kamen dann auch die „verlorenen Jungs“ auf dem Sportplatz/Nachtplatz an, und es kehrte Ruhe ein in der Reisegesellschaft.

Der Ort war eigentlich prädestiniert für einen spektakulären Sonnenaufgang, doch Wolken haben das effektiv verhindert.

Gavaz

Stattdessen beehrte uns die lokale Policia und teilte uns mit, dass Campen hier nicht erlaubt sei. Wir warfen ein, dass wir spätestens in einer Stunde weg sind, keinen Müll hinterlassen haben und nicht zuletzt seit Jahren das OK vom lokalen Bürgermeister haben, hier zu nächtigen (das stimmt tatsächlich!).

Dann ging es wiederum über kleine und kleinste Passsträßchen durch die Dolomiti. Herausragend war die wilde Schlucht des Valle del Mis

und natürlich der Ubaldopass

mit seinen fünf Kehrtunneln und der terrassenartig angelegten Fahrstrecke. Der Wahnsinn!

Auch im weiteren Verlauf befahren wir einspurige Passstraßen, danach quälen wir uns durch den „Grossstadtjungle“ von Belluno bis zum heutigen Nachtplatz.

Es geht los!

Habt ihr schon mal mit nem Bulli nachts im Wald gestanden? So richtig einsam? Oder mit einem Zelt? Habt ihr dann auch gehört, wie jemand um euch herum geschlichen ist? Und was war es? Ein Mensch? Ein Tier? Ein Mensch hätte eine Taschenlampe dabei. Ein Tier? Wäre ja nicht so schlimm, was soll ein Tier schon machen? Aber eigentlich waren es nur die Regentropfen, die etwas komische Geräusche machten. Aber das kann einen gedanklich ganz schön beschäftigen….

Kurzum: die letzte Nacht hat es fast ununterbrochen geregnet und ich habe fast nicht geschlafen. Als der Regen endlich aufgehört hat, war es sieben Uhr – da hatte sich das mit dem Schlafen erledigt. Der liebliche Riedbach, an dessen Brücke ich stand, hatte sich in ein reißendes Flüßchen verwandelt, und den Grasstreifen neben dem Sträßchen, wo mein Bulli stand, in ein undefinierbares Feuchtgebiet. Mit subtilem Manövrieren bin ich trotzdem ohne fremde Hilfe rausgekommen und habe mich danach Richtung Goldener – Oktober – Treffpunkt auf den Weg gemacht. Zur Standardvorbereitung gehört natürlich: günstig Tanken in Österreich (ist ja nur 2 Kilometer vom Treffpunkt) und pfandfreies Büchsenbier besorgen. Check. Dann zum Treffpunkt, frühstücken, Zähne putzen und auf die anderen warten.

GO trefpunkt

So langsam trudelten sie auch ein, und als der Chef eingetroffen war und die Roadbooks ausgehändigt hatte, konnte es auch bald losgehen.

Zur Einstimmung haben wir uns im deutsch-österreichischen Grenzgebiet herumgetrieben…

Wirtatobel

…und warten aktuell an den Burg-Schenke in Grän, die uns doppelt gebucht hatten, darauf, endlich Essen zu bekommen.

Burgschenke

Irgendwann hatte dann auch die ganze Bullitruppe gespeist, wir durften dafür auch über Nacht auf dem hauseigenen Parkplatz verbleiben. Ab neun Uhr morgens durften wir zudem die hauseigene Toilette nutzen, bei gleichzeitiger Bestellung eines Kaffees gratis, ansonsten gegen zwei Euro Gebühr…ohne Wertung! Nach einem phantastischen Abendrot

Burgschenke

und einer sternenklaren Nacht (mit den dazugehörigen Temperaturen) begrüßt uns am Morgen ein stahlblauer Himmel, und irgendwann ist die Sonne auch über die Berggipfel geklettert und trocknete unsere feuchten Bullis.

In flotter Fahrt geht es dann am schönen Haldensee vorbei, über ordentliche Steigungen zum Hahntennjoch,

Hahntemnjochpass

an einer Erntefestprozession vorbei ins Ötztal, dort über den Kühtaisattel,

Kaiserschmarrn auf dem Kühtaisattel

sodann Innsbruck südwestlich vermeidend immer parallel zur Brennerautobahn über den gleichnamigen Pass hinüber nach Südtirol. Dort schlagen wir uns gleich in das erste Tal, das sich anbietet, das Pferschtal. Am Ende der Straße, hinter dem Hotel, gibt es einen Schotterplatz. Dort richten wir uns gemütlich ein. Bei der Hauptkammüberquerung hat sich auch das Wetter geändert.

am Ziel für heute

Bedrohliche Wolken hingen in den Bergen. Wir hoffen, dass es nicht allzu dramatisch wird…

Im Rentnerparadies

Die Nacht war unruhig. Das kam vor allem durch den Regen. Merke: stell deinen Camper, wenn es regnet, nie unter einen Baum. Die großen Tropfen, die von den Blättern fallen, klopfen unregelmäßig und sehr laut aufs Dach. Das gleichmäßige Knistern des Regens ist dahingegen schon fast einschläfernd.

Und wie die Nacht war, setzte sich der Tag fort: Dauerregen und alles grau-in-grau. Meine Idee einer Außenrunde durch den Südschwarzwald habe ich schnell begraben. Selbst die kürzeste Strecke zum Nachtplatz schlug mit 250 Kilometern zu Buche – das reicht.

Nun hatten wir ursprünglich zum Vorabtreffen einen schönen, günstigen Campingplatz auserkoren, von dem sich aber herausstellte, dass der bereits am 10. September geschlossen hat. Alternativ hatten wir uns auf einen Platz „beim Bauern“ entschieden. Aus Neugier wollte ich trotzdem den ursprünglichen Platz besichtigen, vielleicht hat er ja doch noch auf…

Und der Platz war wirklich schön: auf Terrassen gelegen, unten ein See, umfangreiche sanitäre Anlagen. Nur: kein Mensch da. Und nirgendwo eine Rezeption zu erkennen. Sehr strange….Da absolut niemand auffindbar war, den man befragen könnte, fahre ich wieder los. Obwohl ganz offensichtlich Gäste auf dem Platz anwesend waren. Schade.

Der nächste Platz ist nicht weit, schön und sauber – aber: er hat keine Dusche, nur ein WC. Das hatte ich irgendwie übersehen. Denn eine Dusche war überfällig, insbesondere bevor ich mich unter die Mit-Oktoberer begebe. Meine Umdisponierung weckt Missmut bei den anderen Vorab-Treffern: die ersten stehen schon „beim Bauern“. Aber was soll’s – ist eben so. Unweit dieses Platzes hatte ich einen ebenso günstigen Stellplatz MIT Dusche gefunden, da musste ich hin. Und immerhin hat inzwischen der Regen aufgehört.

So Zähneputzen am Waschbecken und Rasieren mit großem Spiegel vor sich hat schon was. Einmal Rundumpflege auf dem schönen Stellplatz auf den Büchelwiesen. Nein, keine Verwandtschaft mit dem Herrn Generalintendent.

Dann hatte ich also den nicht benötigten Puffertag zur freien Verfügung. Zunächst hab ich mir das Schloss Waldburg angesehen, wohl wissend, dass dort nur Sonntags geöffnet ist. Aber allein der Fernblick bis zu den Alpen lohnte sich. Zudem waren am Zugangsweg kleine Informationstafeln angebracht, die das Leben der Ritter und Bauern im Mittelalter schilderten. Und natürlich die Geschichte der Burg. Wer sie von innen sehen will: Besichtigung immer Sonntags.

Waldburg

Danach ging’s runter zum Bodensee und ein Stück am Ufer entlang. Aber überall bezahltes Parken und überhaupt. Na wie man es eben von beliebten Badeorten so kennt. Wenig einladend. Dann habe ich noch eine Pflichtrunde über die Insel Lindau gedreht. Was ich da gesehen habe, hat mich nicht darin bestärkt, dort noch mal zu Fuß hin zu marschieren. Knuffige Altstadt, aber nix besonderes. Nur dieser irre Sackbahnhof für so ein kleines Kaff…

Zur Option standen ein paar öffentliche Parkplätze hinter den Gleisanlagen (wieder am „Festland“), wo parken ab 20 Uhr gratis sein sollte. Sah aber nicht soooo einladend aus, und so bin ich noch etwas rumgeeiert, und -zack!- war ich in Österreich. Noch mal kurz orientiert, dann über eine kleine Passstraße wieder zurück nach Deutschland und unmittelbar dort ein kleines Sträßchen rein und vor einer Bachbrücke das schöne Wetter Dank Föhn genossen – nach all dem Regen der vergangenen Tage. Und noch ein Stück gewandert:Hasenreuter WasserfallRiedbach

Riedbach und Hasenreuter Wasserfälle

Willkommen im Neuland

Ich hatte ja nächtlichen Besuch befürchtet, da ringsum alles von Wildschweinen zerwühlt war, aber die Nacht am verlassenen Anglerteich war wiederum mega-ruhig.

Les Arsures

Traurig, aber wahr: Teil eins meiner Tour ging dem Ende zu, die Verbindungsetappe zum Goldenen Oktober begann. Vom letzten Schlafplatz bis zum GO-Treffpunkt waren es so 800 Kilometer, oder 17 Stunden Fahrzeit. Ich wäre dann gegen 23 Uhr dort in Lindau.

Neeeee, ich habe mir dafür drei Tage reserviert, plus einen Tag Puffer, alles ganz geschmeidig! Trotzdem ging es heute flott voran: Nach etwas Einpegeln lag viel Route Nationale auf der Strecke, immer wieder -und das ist das Schöne bei maps-“Autobahnen vermeiden“- unterbrochen von völlig verrückten Querdurch-Sträßchen. Auf den RN schafft man schon was, und so stehen heute 395 km auf der Habenseite. Und: der Bulli ist ab heute Ü-50. Nämlich über 50.000 Kilometer. Leider ist die sechste, die vorderste Stelle nicht bekannt. Im November übrigens wird der Bulli auch vom Alter her Ü-50, aber bis dahin ist ja noch ein bisschen….

Weiter geht’s gen Osten. Ich habe Zeit, muss mich also nicht auf der Hauptverkehrsroute zwischen Besançon und Mühlhausen rumplagen, sondern suche mir hübsche Routen im Streifen zur Schweizer Grenze.

Und so sichte ich unterwegs einen schönen T2b Westfalia (leider keine Möglichkeit für ein Fotostopp) und kurve nochmals durch romantische Flusstäler.

Schlucht1

Schlucht2

Vor dem Grenzübertritt nach Deutschland galt es noch, pfandfreies Büchsenbier einzukaufen (aber im lokalen Intermarché war das Kronenbourg unverschämt teuer, und die günstige Marke mit dem verheißungsvollen Namen Koenigsbier kannte ich nicht…) und den Einkaufsauftrag eines Freundes zu erfüllen. Als Sahnehäubchen dann -kaum überraschend- die lächerliche Netzabdeckung in Deutschland. Selbst IM ORT Weil am Rhein hatte die clever-tanken-App nicht genügend Netz um die „günstigste“ Tankstelle zu ermitteln, was dazu führte, dass ich ungewollt die EU verlassen habe und in die Schweiz eingereist bin. Da ich den Wechselkurs nicht kannte, bin ich wieder zurück nach Lörrach (die App hatte inzwischen Netz) und habe teurer als in Frankreich getankt 😦 Ja, das Internetz ist in Deutschland immer noch Neuland GRRRRR.

Immerhin: auf park4night ist Verlass: abseits der Bundesstraßen zeigt sie mir einen Platz, an dem zwar leider der Brunnen abgeschaltet ist. Das ist schade, denn seit Frankreich suche ich eine Möglichkeit, meinen zur Neige gegangenen Wasserkanister zu befüllen. Ich habe nicht einmal Wasser zum Rasieren (obwohl das inzwischen dringend nötig wäre…). Ja selbst die Optionen fürs Abendmahl sind übelst eingeschränkt, da bei den meisten Wasser zugefügt werden muss.

Aber wie das Schicksal so spielt: nach einer Weile gesellt sich ein irischer T5 dazu, auch er hat den Platz über park4night gefunden, fährt gerade mit seiner Frau eine Tour durch Westeuropa und spendiert mir eine Flasche Wasser, denn wie das so ist: wenn das eigene Wasser alle ist, sind alle Brunnen am Wegesrand und auf den Dorfplätzen wie vom Erdboden verschluckt.