Die Abrechnung :)

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Eigentlich voll interessant – aber wer mag schon Buchhaltung? Butter bei die Fische: was hat der Spaß gekostet? Ich habe akribisch Buch geführt, weil ich a) es wissen wollte und b) mir ja auch ein finanzielles Limit gesetzt hatte.

Also, hier sind sie dann, die trocknen, staubigen Zahlen: Ich war 54 Tage unterwegs (war ursprünglich viel länger gedacht, aber es kommt ja bekanntlich immer anders als man denkt), Reisestrecke 11.687 Kilometer. Böse Zungen fragen: Wie kann man über 11.000 km nach Portugal und zurück verfahren? Ja, das geht. Immer schön zick-zack fahren, kleine Straßen. Die Reiseroute ganz grob gesagt: vom Fläming über den Harz ins Saarland, dann quer durch Frankreich Richtung Les Landes, von dort übers Baskenland nach Madrid, dann ins Alentejo von Portugal, zur Südwestspitze, zick-zack in Portugal von Süd nach Nord, an den Nordwestpunkt der iberischen Halbinsel, von dort einmal quer rüber zu den Westpyrenäen, dann Grenzhopping Richtung Osten bis das Radlagerproblem kam. Mittig der Pyrenäen einmal quer durch Frankreich über Colmar in den Breisgau, an der Donau entlang und weiter bis nach Böhmen. Zum Schluss durch das Erzgebirgen und die Sächsische Schweiz und von dort nach Hause.

Spaß kostet, und zwar so viel:

1624 € für Sprit und Maut (Maut war 12,25 € – Stadtautobahn San Sebastián)

400 € für Essen

152 € für Campingplätze

118 € für SIM-Karten und Datenpakete. Dazu kommen Kosten fürs Roaming mit meiner deutschen Karte, die vom Bankkonto eingezogen wurden.

67 € für Haushaltsgerödel, was ich vergessen hatte oder zu brauchen meinte.

18 € für Eintritt (Oh, ich Kulturbanause…stimmt, ich habe Touri-Dinger immer umschifft).

Oder, weil es sich besser vergleichen lässt, auf Monatsbasis umgerechnet:

Fahren 917,71 €
Eintritt 10,45 €
Essen & Trinken 225,18 €
Haushalt 37,82 €
Telekom 66,86 €
Camping 86,22 €
SUMME 1.344,24 €

Der größte Posten: der Sprit

Bei der Tour habe ich mal wieder festgestellt: Ich bin ein Fahrer, kein Steher. Egal, wie schön der Platz ist, nach zwei Tagen habe ich Hummeln im Arsch. Und ich fahre gern. Nicht mit Gewalt, und auch nicht in der Nacht. Aber schon mehr als 50 Kilometer pro Tag. Wobei: hier könnte ich wirklich langsamer treten. Vielleicht war ich noch zu sehr getrieben von der Zeitnot, die man normalerweise hat. Die ich bei dieser Tour aber definitiv nicht hatte. Ich nehme mir vor, es ruhiger anzgehen, das nächste Mal. Ein großer Nachteil des Alleinfahrens ist, dass man unterwegs wenig Zeit zum Navigieren und insbesondere zum spontan (Um-)Planen hat. Was gibt es Interessantes entlang der Strecke? Ich beneide Teams, bei denen der Copilot jederzeit stöbern kann: Was findet sich links und rechts der Strecke.

Das SIM-Drama

Das SIM-Karten-Thema hat mich verhältnismäßig viel gekostet, da ich mich vorab zu wenig mit diesem nicht ganz einfachen Thema befasst hatte, aber lokale Karten für den Datenverkehr nutzen wollte. Die Probleme gingen schon in Deutschland los: Ich bekam die Vodafone-SIM im Router nicht aktiviert, der Vodafone-Shop in Bad Hersfeld konnte gar nicht helfen, letztendlich hat eine liebe Bekannte, die in der Firma arbeitet, das irgendwie gerichtet. In Frankreich hatte ich übersehen, dass es die für mich beste Karte nur in wenigen, auserwählten Shops gab und nicht, wie ich es verstanden hatte, „in jedem Hypermarché oder Tabac“. Zudem bot die Karte kein Roaming. Auch in Portugal habe ich lange gebraucht, bis ich diese Superkarte bekommen habe, die leider wiederum in Spanien nicht nutzbar war. Hier kann ich nur empfehlen: akribisch vorbereiten, die eigene Hardware -wenn vorhanden- schon zu Hause kennenlernen, ausprobieren und verstehen. Noch so ein kleiner Stolperstein: Online-Banking, zu Hause ganz normal, funktioniert unterwegs womöglich nicht oder nur nach einer speziellen Freischaltung. Schlecht, wenn man da gerade eine dringende Überweisung tätigen muss.

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Reparaturen

Wer mit einem fast 50 Jahre alten Auto fährt, muss mit Reparaturen rechnen – das ist normal. Vorab hatte ich nur eine normale Inspektion gemacht: alles einstellen, Ölwechsel. mehr nicht. Schon bald meinte ich, unübliche Geräusche zu hören. Ja, ich habe mich im Laufe der Fahrt zum Meister des Geräuschewahrnehmens und daraus die schlimmsten Probleme Ausmalens entwickelt – natürlich alles völlig überzogen.

So war das Summen in Kurven, welches mir bereits im Saarland Sorgen bereitete, schlicht auf die zwar noch relativ neuen aber offenbar schon ausgehärteten Allwetterreifen zurückzuführen. Die Radlager jedenfalls waren top in Schuss, wie Sven (von SLR) feststellte. Erst 6.000 Kilometer später wurde das Mahlen so laut, dass ich doch mal nachsehen musste. Profihaft hatte ich einen Getriebeschaden oder dergleichen projiziert, de facto war es dann doch eher das hintere Radlager. Da das Ersatzteil aus Deutschland ja einfach nicht ankommen wollte, bin ich mit dem „defekten“ Lager noch 4.000 Kilometer gefahren, jeden zweiten Tag nachfetten hat gereicht, und selbst beim Ausbau zu Hause war es nicht etwa so, dass mir die Einzelteile entgegenfielen.

Einige Kosten sind nicht richtig abgebildet, so wurde das Nachladen der Congstar-Karte per Einzugsermächtigung direkt vom Konto abgebucht. Zudem musste ich mich, da ich zwischen zwei Jobs war, selbst krankenversichern. das hat € 150 pro Monat gekostet, „nicht genutzte“ Tage wurden nicht berechnet.

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Eis in der Nacht und Eis am Stiel

Frisch war sie gewesen, die Nacht. Auf den Campingtischen und auf den Bullidächern -zumindest bei denen, die ohne Standheizung schliefen- hatte sich Eis gebildet. Aber das kommt beim Goldenen Oktober ja öfter vor, ich sage nur GO 2011. Deshalb ging es heute zum Aufwärmen in den sonnigen Süden, nach la bella Italia. Das Team Dakota in seiner aufmüpfigen Art hatte sich entschlossen, die Tour andersrum zu fahren. Hintergrund war, das so der angedachte, relativ lange Ausflug am Ende der Tour liegen würde. Bei übermäßigen Erschöpfungserscheinungen könne man sich dann noch gegen den Ausflug entscheiden.

Also war unser erstes Ziel der Julierpass, und der Regen der vergangenen Nacht war hier tatsächlich als Schnee niedergegangen. Der gesamte Pass war leicht angezuckert. Über Silvaplana stiegen wir zum Segl-See ab. Das Wetter blieb uns hold, aber der Wind war knackig und recht frisch.

Über den Paso del Maloja ging es in spannenden Kehren weiter und weiter hinunter, bis uns schließlich in Chiavenna italienisches Flair und Mittelmeer-Temperaturen begrüßten. Dort haben wir ein paar Einkäufe getätigt, ein Eis gegessen und ein paar Euros aus der Wand gezogen. Dann wurden die Bullis wieder gen Norden ausgerichtet: der Splügenpass stand an. Das Wetter wurde schlechter, Erinnerungen wiederum an den GO 2011 wurden wach, als uns dort massiver Schneefall überraschte. Diesmal blieb’s bei bedrohlicher Bewölkung.

So entschieden wir uns doch für den Ausflug ins Averser Tal. Den Endpunkt der 25 km langen Strecke bildet das Dorf Juf auf 2126 m, die höchstgelegene ständig bewohnte Ansiedlung in den Alpen.

Schließlich ging es durch die Via Mala wieder zurück zur Home Base.

Am Sonnabend hieß es dann schon wieder, langsam Kurs in Richtung Heimat zu setzen.

Noch ein Mal über den Albulapass, heute leicht angezuckert…,

und über flinke Straßen zum Einstieg in das Samnaun-Tal. Dieses schweizer Hochtal war bis 1905 ausschließlich über österreichischen Boden erreichbar. Daher ist das Tal Zollausschlussgebiet – und damit Einkaufsparadies, wenn auch nicht ganz so günstig wie Livignio.

Über den bizarren Pass des Hahntennjochs (1909m)…

gelangen wir in das Lechtal, und von dort über den Gaichtpass nach Tannheim. Im dortigen Hofbräuhaus verbringen wir den letzten gemeinsamen Abend bei Hax’n & Co und den einen oder anderen Schnaps. Praktischerweise dürfen wir direkt hinter dem Gasthof auf deren Wiese parken und nächtigen – besser geht’s nicht.

Am Sonntag stand die Heimreise an, das Wetter war analog zur Stimmung bescheiden. Ich habe mich für einen großen Bogen südlich um München entschieden, in der Nähe von Cham, am Silbersee,…

habe ich mein Nachtlager aufgeschlagen. Am Folgetag ging es durch Tschechien (tanken!) zu einer Stippvisite nach Werdau und von dort nach Hause.

VANLIFE, MINIMALISMUS UND ICH

Gleich vorab: Ich bin kein Weltreisender, Globetrotter, Traveller oder wie auch immer. Aber ich habe im Sommer dran geschnuppert. Und eins der großen Themen von denen, die ihr Steinhaus aufgeben zugunsten von reisenden Reifen ist: Was nehme ich mit?

Und ich muss zugeben: nach der Rückkehr von meinem Roadtrip in meinen 173 m² Vierseitenhof frage ich mich jedes Mal, wenn ich einen Schrank aufmache: Was davon würdest du mitnehmen im VW-Bus?

vanlife

Zugegeben – und böse Zungen behaupten es schon lange: ich habe Messy-Neigungen. 20 Jahre alte T-Shirts haben noch jeden Umzug überlebt, in der Werkstatt wächst das Sammelsurium an Werkzeug, Teilen und Mittelchen Jahr um Jahr. In der Küche stapelt sich sämtliches Geschirr, was Mutter je ausgemustert hat. Ganze Kompanien könnte ich mit Frühstückstellern, Besteck und Schüsselchen ausstatten.

Auf meinem Roadtrip hatte ich natürlich extrem wenig dabei. Das lag einerseits am fehlenden Platz, aber auch an der wenig ausgefeilten Packlist. Der fehlte noch die Traveller-Erfahrung. Seit jeher bewundere ich die Bullifahrer, die in jahrelanger Erfahrung ihre Ausstattung in einem faszinierenden Maße perfektioniert haben und damit genau den idealen Punkt zwischen nicht zu viel und nicht zu wenig gefunden haben. Sicher ist: Man kann mit unheimlich wenig unheimlich weit kommen.

Die andere Frage ist: könnte ich dauerhaft auf Reisen sein? Rein technisch gesehen: ja. Würde ich Haus und Hof verkaufen, könnte ich davon sehr lange leben. Ich brauche nicht viel Geld (demnächst folgt eine Abrechnung des Roadtrips). Zudem würde man, wenn man dauerhaft unterwegs ist, nicht jeden Tag fahren wie ich es tat. Und die Fahrtkosten machen den Löwenanteil der Kosten aus. Doch ich denke, ich würde auf Dauer meine Tiere vermissen (Katzen, Enten und Hühner). Und ja, ich finde es auch schön, meine Apfel- und Kirschbäume zu pflegen und zu ernten. Andererseits habe ich die Zeit unterwegs enorm genossen. Leider schließen sich beide Sachen gegenseitig aus. Auch halbe-halbe geht nicht – wer soll sich währenddessen monatelang um Tiere und Garten kümmern?

Problem unsolved 😦

GANZ NEUE (VERKEHRS-)WEGE…

Klar, das Schiffshebewerk in Niederfinow ist mir als Ex-Pankower wohlbekannt. Wasserstraßenkreuze à la Mittellandkanal/Weser sind auch kein Novum, doch Grotten, durch die eine Straße verläuft und Schifffahrtskanäle, die durch Tunnel verlaufen, waren für mich neu.

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L’Aveyron

Doch durch die Grotte du Mas-d’Azil fließt nicht nur der Fluss, auch die Landstraße führt hindurch. Eine weitere Neuigkeit war für mich der Canal Entre Champagne et Bourgogne, der in der Nähe von Vingeanne, wo ich nächtigte, in einem Tunnel verschwindet.

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Die Park4anight-App hatte einen Stellplatz am Fluss Lot empfohlen, „Für einen Van, nicht geeignet für CamperVans“. Und genau so war es: genau ein Stellplatz direkt am Ufer des Lot. Schön, still, romantisch.

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Tags darauf ging es am Massif Central entlang, an dem Cascade de Salins vorbei nach Gelles, wo das Volcs’en Cox- Treffen stattfand. Eine bunte Mischung aus Original und Tuning, Rat-Look und edel fand sich dort vereint, es war das 10. Treffen des Clubs und entsprechend gut besucht: der Campingplatz war bis auf den letzten Platz gefüllt-bis auf den vorletzten! Den ein Platz fand sich noch für mich, sodass ich dort von Sonntag zu Montag nächtigen (und duschen!) konnte.

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Als letztes Highlight Frankreichs hatte ich Colmar auserkoren, wobei die Strecke durch die Vogesen und über den Col de la Schlucht durchaus auch charmant war.

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Das Venedig des Elsass ist auf jeden Fall einen Besuch wert, mit seine Sträßchen, Kanälen und Puppenhäusern erinnert es mich etwas an Amsterdam. Schwüle Hitze mit über 30 Grad machten die Stadttour allerdings nicht besonders erholsam.

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So bin ich am selben Nachmittag noch bis in den Breisgau gefahren und habe dort hinter einem Maisfeld einen ruhigen Platz gefunden.

WEITER GEHT’S

Es war eine Weile still – im Blog wie auch fahrtechnisch.

Das Radlager war ja nun bestellt, doch es tat sich nichts. Tag um Tag verstrich, GLS war mit dem Updaten der trackinginfo so sparsam wie Oma mit dem Heizen im Winter. Nach fünf Tagen Campingplatz war ich der Meinung, das Teil müsse langsam mal kommen und habe ausgecheckt. Leider kam weder an diesem noch am Folgetag das Teil. Auch trackingupdates gab es nicht. Am Tag 6 des Vorganges -es war Donnerstag, ein weiteres Wochenende stand drohend vor der Tür- habe ich den Mechaniker gefragt (genauer gesagt: ich habe bei google translate eingegeben und seine Frau hat übermittelt 😀 ), ob wir nicht doch die Variante des Ausmessens und aus dem Standard-Lagerkatalog-Bestellens probieren wollen. Der Mechaniker hatte das ursprünglich auch schon vorgeschlagen, aber man will ja immer alles besser machen und die definitiv richtigen Lager inklusive Simmerringe und weitere Kleinteile bestellen.

Das bedeutete, dass der Mechaniker noch am selben Abend die Lager demontieren musste, um sie rechtzeitig zu bestellen, sodass sie vor dem Wochenende da sind. So saß er dann bis nach 21 Uhr abends da um festzustellen, dass es eben keine 08/15-Lager sind. Andererseits wiesen die Lager keine sichtbaren Beschädigungen oder Schwergängigkeiten auf, und so war er der Meinung, mit neuem Fett würden die noch bis zu Hause reichen. Sein Wort in Gottes Ohr!

GLS hatte am nächsten Freitagmorgen die vielsagende Info zu bieten, dass die Sendung in „Spanien“ eingetroffen sei – na super. Zwei Tage zuvor hieß es, die Sendung sei in Barcelona!

Also bin ich in aller Frühe Richtung Heimat losgedüst. „Gezwungenermaßen“ musste ich noch einige Pässe mitnehmen, und die haben wieder Laune gemacht: den Foradada (1020 m), den Fadas (1470 m), den Espina (1407 m), den Creu de Perves (1350 m) und als Highlight den Port de la Bonaigua (2072 m), im Winter offenbar ein beliebtes Skigebiet.

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bonaigua4Die ganze Region scheint fürs Rafting bekannt zu sein, beeindruckend waren die Schluchten Congosto de Ventamillo und Congost de Collegats. Mindestens ebenso beeindruckend war, dass mir auf den schmalen Schlängelstrecken mehrfach Sattelschlepper und Hängerzüge entgegenkamen, gern auch mal in der Kurve….Es handelt sich hier um eine Querverbindung in den spanischen Pyrenäen, für die es keine vernünftig ausgebaute Alternative gibt…

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Für den Grenzübertritt hatte ich den Coll. del Portillón gewählt, eine schöne und ruhige Hinterlandstrecke, die in dem hübschen Städtchen Bagnères-de-Luchon endet. Dummerweise hatte ich nur den ersten Teil des Ortsnamens verinnerlicht, ausgeschildert war aber „Luchon“. Und ich wunderte mich, welches verflixte Kaff das sein soll…

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In „La Douce France“ wurde dann erst schön teuer getankt, und dann habe ich mal wieder die Abfahrt zum sorgsam ausgewählten Nachtplatz verpasst. So stehe ich wiederum in der Pampa, auf einer stillgelegten Außenkurve, aber leider ohne Toilette und fließend Wasser. Dafür sehr ruhig und landschaftlich schön.

Such den Bulli:

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WO BIN ICH EIGENTLICH?

ainsa5Aínsa ist ein kleines Städtchen mit gut 2000 Einwohnern in der Provinz Huesca im Aragón. Die Altstadt liegt auf einer Felsnase, die zwischen den Flüssen Cinca und Ara ins Tal hineinragt. Rückwärtig ist die Stadt durch eine Festung mit Graben gegen das Hinterland gesichert.

Die Altstadt ist von schmalen, steilen Gassen durchzogen, die Häuser sind regionaltypisch aus dunklen Quadern unterschiedlicher Größe gemauert. Die Kirche tritt überraschend beim Aufstieg durch die Stege ins Bild.

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Den Kirchturm kann man gegen eine kleine Spende besteigen. Das ist allerdings nichts für Menschen mit Platzangst 😉

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Um zwei weitere Ecken gebogen steht man auf dem Plaza Mayor, der überraschend weitläufig und beidseitig von Arkade gerahmt ist. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant, und da die Spanier gern ihr eigenes Land bereisen, ist hier ordentlich Trubel.

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Wenn man die Mauern der Festung besteigt, hat man einen fantastischen Ausblick sowohl auf das Städtchen als auf das Umland, nach Süden hin bis  zum Mediano-Stausee, der mit seinem türkisfarbenem Wasser in der Ferne glänzt.

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Blick nach Norden

Am Flussufer und vor allem am gegenüberliegenden Ufer befindet sich das moderne Aínsa.

 

SOL Y SONORAS

Die Sache mit den Geräuschen…ist das alles Einbildung? Hausgemachte Panikmache? Motorschaden: hatte ich schon: 1988 in der Türkei. Mehr schlecht als recht repariert in (damals) Jugoslawien. Motorbrand? Ende der 90er in Berlin. Ist ja nicht so, dass das nur Hirngespinste sind.

Nachdem die lose Mutter auf der Hinfahrt die „angenehmere Variante“ war, hat es mich jetzt doch erwischt. Das dumpf brummende Geräusch stellt sich als defektes Radlager der Hinterachse heraus. Und da man ein solch exklusives Auto wie einen T2 fährt, ist das Teil über den Teilehandel nicht mehr verfügbar. (Ja, OK, weil das Lager ab 8/70 geändert wurde, die „neue“ Variante gibt es noch überall). Aber da mal überall liebe Freunde hat, in diesem Fall das „Team Dakota“, ist ein Ersatz schnell beim Spezialisten in Deutschland aufgetrieben und für den Versand nach Spanien bestellt.

Davor hatte mich Frankreich so empfangen, wie es mich verabschiedet hatte: mit sintflutartigen Regenschauern. Die erste Pyrenäenquerung war ein Vorgeschmack auf die der folgenden Tage: in Spanien eitel Sonnenschein und in Frankreich Nebel, Regen und Gewitter.

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Gartenbaukunst am Rastplatz

Die Berge haben eben auch ihren Stolz. Sie zeigen nicht beim ersten Besuch all ihre Schönheiten. Man soll ja wieder kommen. Die erste Querung -da lag der Pass (Collado de Urkiaga, 890 m) noch auf der spanischen Seite, war wettertechnisch OK. In St-Jean-Pied-de-Port waren Gott und die Welt unterwegs…Pilgerfestival oder einfach Hochsaison? Zurück über den Puerto de Inbañeta (1057 m) ging auch noch. Das nächste Tal, Valle de Roncal, war insofern beeindruckend, das man ewig auf einem flachen Talboden „in die Berge“ hineingefahren ist, bis man quasi vor einer Wand stand, dann bog die Straße auf einmal ab und kletterte am Berghang hoch. Die absolut beeindruckende Welt des Col de la Pierre St Martin (1760 m), Col de Soudet (1540 m) und der „Route des Cols“

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nach Lées-Athas blieb leider vollkommen im Nebel verborgen. Auch, wieder nach Süden gewandt, der Col du Somport (1650 m), natürlich über die Passstraße, nicht durch den Tunnel, blieb in 50 shades of grey gehüllt. Da jedes Mal das Wetter in Spanien besser wurde und die Vorhersage Richtung Osten auch besser wurde, habe ich noch einen Versuch gewagt. Und tatsächlich: Am Col de Pourtalet (1794 m) blieb die Sonne zumindest bis dort oben erhalten. Kaum überraschend, dass die Passstrecke in Frankreich zwischen dem Col d‘ Aubisque (1709 m)

aubisqueund dem Col de Soulor (1474 m) wieder voll im Nebel verschwand. Dabei ist besonders diese Strecke ein absolutes landschaftliches Highlight – soweit ich sehen konnte. Unbedingt wiederholen!

Leider musste ich noch weiter in Frankreich verbleiben, denn die nächste Verbindung gen Süden war noch nicht erreicht. So waren erst noch der Col du Tourmalet (2115 m) und der Col d’Aspin (1489 m) zu bewältigen. Statt des letztgenannten habe ich mich jedoch für die Hourquette d’Ancizan (1538 m) entschieden, eine faszinierende Route durch eine abgeschiedenen Hochgebirgswelt, in der Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde und Esel frei herumlaufen. Leider auch hier viel Nebel.

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Erwartungsgemäß hat mich der Túnel de Bielsa dann wieder ins (spanische) Schönwetter gebracht. Am Nachtplatz „Salinas de Sin“ habe ich am Abend ein beeindruckendes Ensemble von Felsblöcken vor einer Brücke abgelichtet. Kurz dahinter hatten sich Jugendliche zu einem Badenachmittag am Flüsschen niedergelassen. In der darauffolgenden Nacht ging ein kräftiges Gewitter nieder. Die Geräuschkulisse morgens im Bus ließ vermuten, dass das lieblich plätschernde Bächlein inzwischen dramatisch andere Ausmaße angenommen hat. Und so war es auch: über die Felsbrocken stürzten sich braune Wassermassen tosend hinab, die Badestelle des Vortages war überflutet.

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Um noch etwas im sonnige Süden zu bleiben bin ich nochmal gen Westen gefahren, die N 260 nach Sabiñánigo, um dann von Lanave aus im Paralleltal wieder zurück zu fahren. Diese Strecke war genial: einsam und wild, unten immer dicht am Fluss (eingefleischte Overlander wussten das und haben dort ihren Nachtplatz gesucht 😉 ). Allerdings machte das unerwünschte Geräusch immer nachdrücklicher auf sich aufmerksam, so beschloss ich, in Aínsa einen asphaltierten Platz zu suchen, wo ich dem Problem nachgehen konnte, ohne mich im Dreck zu wälzen.

Da es nun dummerweise Wochenende war, musste ich etwas mehr Zeit auf dem Campingplatz von Aínsa verbringen. Dabei merke ich „mal wieder“, dass Stillstehen auf Reisen gar nicht mein Ding ist. Ich werde dann irgendwie hibbelig und nervös. Im Moment gibt es allerdings gerade keine andere Wahl.