WO BIN ICH EIGENTLICH?

ainsa5Aínsa ist ein kleines Städtchen mit gut 2000 Einwohnern in der Provinz Huesca im Aragón. Die Altstadt liegt auf einer Felsnase, die zwischen den Flüssen Cinca und Ara ins Tal hineinragt. Rückwärtig ist die Stadt durch eine Festung mit Graben gegen das Hinterland gesichert.

Die Altstadt ist von schmalen, steilen Gassen durchzogen, die Häuser sind regionaltypisch aus dunklen Quadern unterschiedlicher Größe gemauert. Die Kirche tritt überraschend beim Aufstieg durch die Stege ins Bild.

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Den Kirchturm kann man gegen eine kleine Spende besteigen. Das ist allerdings nichts für Menschen mit Platzangst 😉

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Um zwei weitere Ecken gebogen steht man auf dem Plaza Mayor, der überraschend weitläufig und beidseitig von Arkade gerahmt ist. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant, und da die Spanier gern ihr eigenes Land bereisen, ist hier ordentlich Trubel.

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Wenn man die Mauern der Festung besteigt, hat man einen fantastischen Ausblick sowohl auf das Städtchen als auf das Umland, nach Süden hin bis  zum Mediano-Stausee, der mit seinem türkisfarbenem Wasser in der Ferne glänzt.

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Blick nach Norden

Am Flussufer und vor allem am gegenüberliegenden Ufer befindet sich das moderne Aínsa.

 

SOL Y SONORAS

Die Sache mit den Geräuschen…ist das alles Einbildung? Hausgemachte Panikmache? Motorschaden: hatte ich schon: 1988 in der Türkei. Mehr schlecht als recht repariert in (damals) Jugoslawien. Motorbrand? Ende der 90er in Berlin. Ist ja nicht so, dass das nur Hirngespinste sind.

Nachdem die lose Mutter auf der Hinfahrt die „angenehmere Variante“ war, hat es mich jetzt doch erwischt. Das dumpf brummende Geräusch stellt sich als defektes Radlager der Hinterachse heraus. Und da man ein solch exklusives Auto wie einen T2 fährt, ist das Teil über den Teilehandel nicht mehr verfügbar. (Ja, OK, weil das Lager ab 8/70 geändert wurde, die „neue“ Variante gibt es noch überall). Aber da mal überall liebe Freunde hat, in diesem Fall das „Team Dakota“, ist ein Ersatz schnell beim Spezialisten in Deutschland aufgetrieben und für den Versand nach Spanien bestellt.

Davor hatte mich Frankreich so empfangen, wie es mich verabschiedet hatte: mit sintflutartigen Regenschauern. Die erste Pyrenäenquerung war ein Vorgeschmack auf die der folgenden Tage: in Spanien eitel Sonnenschein und in Frankreich Nebel, Regen und Gewitter.

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Gartenbaukunst am Rastplatz

Die Berge haben eben auch ihren Stolz. Sie zeigen nicht beim ersten Besuch all ihre Schönheiten. Man soll ja wieder kommen. Die erste Querung -da lag der Pass (Collado de Urkiaga, 890 m) noch auf der spanischen Seite, war wettertechnisch OK. In St-Jean-Pied-de-Port waren Gott und die Welt unterwegs…Pilgerfestival oder einfach Hochsaison? Zurück über den Puerto de Inbañeta (1057 m) ging auch noch. Das nächste Tal, Valle de Roncal, war insofern beeindruckend, das man ewig auf einem flachen Talboden „in die Berge“ hineingefahren ist, bis man quasi vor einer Wand stand, dann bog die Straße auf einmal ab und kletterte am Berghang hoch. Die absolut beeindruckende Welt des Col de la Pierre St Martin (1760 m), Col de Soudet (1540 m) und der „Route des Cols“

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nach Lées-Athas blieb leider vollkommen im Nebel verborgen. Auch, wieder nach Süden gewandt, der Col du Somport (1650 m), natürlich über die Passstraße, nicht durch den Tunnel, blieb in 50 shades of grey gehüllt. Da jedes Mal das Wetter in Spanien besser wurde und die Vorhersage Richtung Osten auch besser wurde, habe ich noch einen Versuch gewagt. Und tatsächlich: Am Col de Pourtalet (1794 m) blieb die Sonne zumindest bis dort oben erhalten. Kaum überraschend, dass die Passstrecke in Frankreich zwischen dem Col d‘ Aubisque (1709 m)

aubisqueund dem Col de Soulor (1474 m) wieder voll im Nebel verschwand. Dabei ist besonders diese Strecke ein absolutes landschaftliches Highlight – soweit ich sehen konnte. Unbedingt wiederholen!

Leider musste ich noch weiter in Frankreich verbleiben, denn die nächste Verbindung gen Süden war noch nicht erreicht. So waren erst noch der Col du Tourmalet (2115 m) und der Col d’Aspin (1489 m) zu bewältigen. Statt des letztgenannten habe ich mich jedoch für die Hourquette d’Ancizan (1538 m) entschieden, eine faszinierende Route durch eine abgeschiedenen Hochgebirgswelt, in der Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde und Esel frei herumlaufen. Leider auch hier viel Nebel.

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Erwartungsgemäß hat mich der Túnel de Bielsa dann wieder ins (spanische) Schönwetter gebracht. Am Nachtplatz „Salinas de Sin“ habe ich am Abend ein beeindruckendes Ensemble von Felsblöcken vor einer Brücke abgelichtet. Kurz dahinter hatten sich Jugendliche zu einem Badenachmittag am Flüsschen niedergelassen. In der darauffolgenden Nacht ging ein kräftiges Gewitter nieder. Die Geräuschkulisse morgens im Bus ließ vermuten, dass das lieblich plätschernde Bächlein inzwischen dramatisch andere Ausmaße angenommen hat. Und so war es auch: über die Felsbrocken stürzten sich braune Wassermassen tosend hinab, die Badestelle des Vortages war überflutet.

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Um noch etwas im sonnige Süden zu bleiben bin ich nochmal gen Westen gefahren, die N 260 nach Sabiñánigo, um dann von Lanave aus im Paralleltal wieder zurück zu fahren. Diese Strecke war genial: einsam und wild, unten immer dicht am Fluss (eingefleischte Overlander wussten das und haben dort ihren Nachtplatz gesucht 😉 ). Allerdings machte das unerwünschte Geräusch immer nachdrücklicher auf sich aufmerksam, so beschloss ich, in Aínsa einen asphaltierten Platz zu suchen, wo ich dem Problem nachgehen konnte, ohne mich im Dreck zu wälzen.

Da es nun dummerweise Wochenende war, musste ich etwas mehr Zeit auf dem Campingplatz von Aínsa verbringen. Dabei merke ich „mal wieder“, dass Stillstehen auf Reisen gar nicht mein Ding ist. Ich werde dann irgendwie hibbelig und nervös. Im Moment gibt es allerdings gerade keine andere Wahl.

NOBEL GEHT DIE WELT ZUGRUNDE

Die feinen Herren (und Damen) mit den Häusern auf Rädern haben natürlich allesamt eine (mehr oder weniger) schicke Nasszelle im Camper, doch im VW-Bus ist für so etwas kein Platz. Also heißt es: Katzenwäsche am Bergbach, baden im Meer und wenn es gar nicht anders geht: auf einen Campingplatz. Außer dieses Mal. Dieser Tag toppt jeden noch so geilen Strand, jeden top-gepflegten Campingplatz: Es ging in eine original römische Therme! Heiße Quellen mit knapp 50 Grad Wassertemperatur hatten die alte Römer angebohrt (oder einfach entdeckt?) und schöne Badebecken drumherum gebaut. Nach einer kühlen Nacht betrug die Wassertemperatur im Becken perfekte 38 Grad…unglaublich herrlicher Badespaß!

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Diesen traumhaften Platz hat mir Isabelle verraten. Wir hatten uns in Messanges (Frankreich) kennengelernt und sind beide von dort geflüchtet – ob des schlechten Wetters. Isabelle, ihre Reisebegleitung Baffo und Hündin Nicol allerdings etwas langsamer als ich: Während ich schon wieder auf dem Rückweg von der Algarve war und auch Isabelles Tipp Afife schon besucht hatte, waren sie erst auf dem Weg dorthin.

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Ich hatte gehofft, es würde gegen Abend ruhiger werden an der Therme, doch im Gegenteil: Als ich schon im Bett lag (das ist meistens relativ früh), kamen immer mehr Autos mit jungen Leuten, die ausstiegen und dann irgendwo hin gingen, aber wo und wozu, erschloss sich nicht. Es war keine Musik zu hören, nicht mal eine Unterhaltung. Wenn sie losgegangen waren, war es mucksmäuschenstill. Irgendwann kamen sie zurück zu den Autos, stiegen ein und fuhren weg. Wieder Ruhe. Keine Ahnung, was das war. Am nächsten Morgen waren alle wieder weg, außer die vier Travellerbusse, die auch schon früher gekommen waren und sich in einer Gruppe zusammengestellt hatten.

Tags danach hieß es: ab Richtung Pyrenäen, denn sie sind eins der wenigen gesetzten Ziele dieser Reise. Bis Burgos war Kilometerfressen angesagt: die Landschaft ist leicht wellig, leicht trocken und die Straßen sind wie mit dem Lineal gezogen, es gibt nichts zu schurbeln. Hinter Burgos lockt die Sierra de la Demanda mit auf der Michelin-Karte grün markierten Strecken. Nachdem die von Isabelle als Nachtplatz empfohlene Eremita de Muño als Siestaplatz wegen des fehlenden Schattens nicht taugte, hatte ich zwei Stauseen in der Sierra als potentielle Zwischenstopps auserkoren. Am Embalse del Arlansón wurde ich fündig.

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Nach der Siesta ging es weiter – und wie! Parallel zur Strecke lief eine ehemalige Erzbahn, die jetzt als Radwanderweg Dienst tut. Nach der Passhöhe (1240 m) folgte der Mansilla-Stausee, dessen Wasserstand so niedrig war, dass man die alten, normalerweise überschwemmten alten Dörfer wieder sehen konnte – samt Kirche. Danach folgte das Tal des Río Najerilla, wo dieser quasi zwischen Sierra de la Demanda und Sierra de Camero Nuevo durchbricht. Es ist ein wildromantischer Zick-Zack-Kurs, dem die Straße ebenso abenteuerlich folgt. Landschaftlich wie fahrerisch ein absoluter Hochgenuss (letzteres allerdings nur, bis irgendwo die Ausbaustrecke beginnt).

Stausee

Als Tagesabschluss habe ich mir eine Mini-Querverbindung über den Peña Hincada-Pass (1412 m) rausgesucht, die im Anstieg in karges Bergland führt und Steigungen bis 14% bietet. Hier kam auch schon mal der erste Gang zum Einsatz. An einem Holzplatz fand sich ein weiterführender Waldweg, der schon wenig weiter eine geschützte Stelle für die Nacht bot.

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PORTUGAL – FINALE

Die vergangene Nacht war relativ unspektakulär an einem Stausee bei Vila Real, zwischen Autobahn, Schnellstraße und der großen Stadt. Als ich ankam, war dort recht viel Betrieb, doch abends fuhren die Portugiesen nach Hause und man war ganz alleine.

Am Folgetag stand der Norden des Landes auf dem Programm. Die Landschaft war wesentlich grüner geworden. Während im Süden die Bäume die einzigen grünen Tupfen waren, wuchs hier wieder einfach so Gras am Straßenrand. Hier war die Bergwelt auch welliger als im Süden oder in der Mitte. Ich hatte die Route durch den Nationalpark Gerês geplant, und das war goldrichtig. Hier wurde die Bergwelt überraschenderweise noch einmal richtig wild. Die kleinen Bergsträßchen waren einsam und in fast jedem Tal gab es einen Stausee.

Norden

Eigentlich wollte ich mir einen potentiellen Nachtplatz im Gerês ansehen, hatte dann aber -mal wieder- die Abfahrt verpasst, und so habe ich beschlossen, durchzufahren bis zu meinem letzten Nachtplatz in Portugal, den von Isabelle wärmstens empfohlenen Platz von Afife. Und ich muss sagen: Sie hat nicht zu viel versprochen. Man fährt vor dem offiziellen Strandparkplatz links weg und findet mehrere Gelegenheiten, direkt hinter, ja fast in den Dünen zu parken. Damit ist man wirklich in drei Schritten am Strand. Alternativ kann man noch direkt an einem Fließ stehen, dort ist auch Schatten, und zum Strand ist es auch nicht weiter. So habe ich die erste Nacht in den Dünen gestanden und somit einen wunderbaren Sonnenuntergang und Sonnenaufgang erlebt. Nach der Einkaufsfahrt am nächsten Morgen habe ich mich dann unter die Bäume gekuschelt. Ein ebenfalls wirklich traumhafter Platz.

Afife

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Doch wie immer zog es mich nach der zweiten Nacht vor Ort weiter. Es ging zurück nach Spanien, das Kap Finisterre stand auf dem Programm. Dort ist auch der Startpunkt des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela, und trotz der Hitze waren zahlreiche Pilger unterwegs, teils recht unromantisch entlang der Nationalstraße. Ob der Liebe Gott das so gewollt hat?

Es war mal wieder megastürmisch -Küste halt- und man konnte tatsächlich mit dem Auto bis zum Leuchtturm fahren. Nach der üblichen Knipserei am Leuchtturm bin ich umgesiedelt auf dem Wohnmobilstellplatz, der sogar auf Google Maps ausgewiesen war – wegen der genialen Lage an den Klippen. Allerdings wurde es dort abends auch entsprechend voll. Weitere Leute kamen, um mitzuerleben, wie die Sonne im atlantischen Ozean versinkt. Bei solch gutem Wetter schon ein sehenswertes Schauspiel.

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Kap Finisterre: Start…

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…oder Ende der Pilgerung.

Währen der Platz abends recht windgeschützt war, hat der Wind später offensichtlich gedreht, denn der Camper wurde die Nacht ordentlich durchgeschüttelt. Keine gute Nachtruhe. Morgens habe ich sofort die Flucht ergriffen und auf der anderen Seite der Landzunge in Ruhe und in der Morgensonne Frühstück gemacht. Dann ging es weiter zu einem weiteren Highlight dieser Reise, doch darüber im nächsten Beitrag mehr!

schwindelfrei

Welcher der Fahrer ist wohl nicht schwindelfrei?

HÖHENRAUSCH UND FEUER!

Portugal ist berühmt, wenn nicht gar berüchtigt für seine Waldbrände. Erst kurz vor meiner Abfahrt -da war Portugal höchstens eine vage Idee- hatte ein verheerendes Feuer im Osten des Landes gewütet, bei dem auch mehrere Autofahrer vom Feuer eingeschlossen wurden und verbrannt sind.

Waldbrand

Diese Bilder kommen unweigerlich hoch, wenn man durch eine solche, gerade vom Feuer in ein apokalyptisches Szenarium gewandelte Landschaft fährt. Als Feuerwehrmann schnuppert man dann doch etwas genauer, der Sommer hat schließlich gerade erst angefangen, und es ist saisontypisch heiß und trocken…doch die Luft ist rein.

In Unhais da Serra fand ich jedoch ein sicheres Plätzchen: in der Ortsmitte wurde neben der lokalen Flußbadestelle, wie es sie in vielen Dörfern gibt, gerade letztes Jahr ein Stellplatz für Wohnmobile eröffnet, mit Toilette, Freiluftdusche und: Löschschlauch!

Unhais

Spät am Abend hing doch Brandgeruch in der Luft. Nun stand ich direkt am Wasser, alle Pflanzen hier waren sattgrün und sowieso ist man in den Dörfern immer noch am sichersten. Allerdings: um halb zwölf nachts hielt ein Feuerwehrauto an dem Badestau und füllte offensichtlich Wasser nach…dann muss doch was im Busch sein.

Zunächst hieß es am nächsten Morgen ganz entspannt aufstehen (wenn man doch so alle Annehmlichkeiten am Ort hat-sogar das Bier hatte ich über Nacht im Gebirgsbach kühlen können), Ölstand kontrolliert und dann nicht zu spät los, denn es galt, die Morgenkühle zu nutzen für den Aufstieg auf Portugals Höchstes der Bergweltgefühle. 1993 Meter misst der Torre, für den alpenerprobten Bulli ein Klacks. Schon im ersten Aufstieg traf ich die Feuerwehr wieder, und es war auch deutlich zu sehen und zu riechen: Hier hatte es vor kurzen gebrannt. Wieso, weshalb, warum? Man weiß es nicht. Eine willkürliche Fläche in the middle of nowhere. Danke Bombeiros!

Bombeiros

Es gibt so Momente, wo man sich fragt: Bin ich hier richtig? Oder noch besser: Geht es hier überhaupt weiter? Wenn etwa die relativ großzügig gebaute Asphaltstraße…

Asphalt

an einem Wasserkraftwerk in eine staubige Knüppelpiste übergeht…,

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man zudem offensichtlich in einen Talkessel hineinfährt, in dem zwar oben noch ein paar Hütten sind, doch geht es danach noch weiter?? Google hin oder her, es wäre nicht der erster Fehler. Diesmal geht es aber wie versprochen per Abkürzung zur offiziellen Auffahrt zu dem Torre.

In Portugal sind Gebirge irgendwie anders. Entweder ist die Landschaft leicht wellig oder eben bergig, dann aber auch richtig: mit steilen Hängen, tiefen Tälern und so. Aber es sind immer kleine Gebirgsketten. Bis auf den Torre. Das ist -nomen est omen- ein (Gebirgs-)Turm, der einsam in der Landschaft herumsteht. Weit höher, krasser und schöner als alles drumherum. Man schurbelt sich nach oben und schaut dann zu allen Seiten in weit tiefer liegendes Land.

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Diese Auffahrt…eine Bergwelt von unfassbarer Schönheit präsentiert sich nach jeder Kurve nochmal in neuem Gewand. Diese Landschaft kann locker mit den Highlights der Alpen mithalten, sie macht einfach sprachlos. Die Bergspitze an sich ist dann wieder ernüchternd; natürlich hat man einen Turm erbaut, der dient hauptsächlich den Sendeantennen, ansonsten enden hier die Skilifte und es ist etwas Touri-Schnick-Schnack. Also schnell wieder weiter, und auch die Nordabfahrt bietet wieder atemberaubende Szenarien…ein Mega-Tipp für jeden, der auch nur halbwegs in der Nähe ist. Ganz großes Kino!

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Zum Torre werde ich eine Sonder-Bilderseite machen, sobald irgendwo freies WLAN zur Verfügung steht.

Am Vortag hatte ich eine Wasch- und Aufladeübernachtung auf dem Campingplatz Pomainho, der von einem Holländer betrieben wird, eingeplant. Dort war ich mit Frank aus Den Bosch ins Gespräch gekommen, denn vor seinem Zelt stand ein Mercedes 280 SE 3.5, für Kenner ein W 108 mit V8-Motor in wundervollem Zustand. Natürlich habe ich ihn sofort über den Wagen und vor allem seinen nicht ganz alltägliche Urlaubsfahrt (nur zwischen Paris und Biarritz hatten sie den Autoreisezug genommen) ausgefragt. Genau wie ich hat er auch bis zum letzten Tag vor der Abreise noch am Fahrzeug geschraubt…irgendwie muss das wohl so.

w108

ALGARVE, TAG 2, UND ALENTEJO

Wer rastet, der rostet, und das will ich meinem lieben Bulli natürlich nicht antun. Am nächsten Morgen war es am Praia das Furnas leider stark bewölkt, also wurde es nichts mit Sonnenaufgangsromantik, und so gab es keinen Grund, nicht früh loszudüsen. Einen Zickzackkurs hatte ich mir ausgesucht, kurz ins Inland über Monchique (Jugenderinnerungen), dann wieder an die Küste und schließlich über kleine und große Straßen nach Portalegre.

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Am Barragem de Póvoa gibt es ein Erholungsgebied, das für alle was zu bieten hat: von Picknickbänken über Grillstationen über Toilettenhäuschen bis hin zur (kalten) Dusche: es ist alles da. Und Campingfahrzeuge sind nicht verboten, wie sonst im Süden meist. Nach dem Gewaltritt (mit kurzen Zwischenstopps war ich um 22 Uhr dort) habe ich nur schnell noch ein überfälliges Update hochgeladen und dann ab in die Horizontale!

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Schließlich hatte ich beschlossen, einen ganzen Tag hier zu verbringen, es ist hier einfach sehr entspannt und es ist (fast) alles da. Es ist Sonntag, und die portugiesischen Familien kommen für ihren Tagesausflug. Doch am Abend sind wieder alle weg, sogar die große Gruppe junger Leute mit ihrem Barbecue hatte schon beizeiten zusammengepackt. Und so verbleibt etwas Weißware und das Plätschern der kleinen Seewellen.

Povoa

Das einzige, was auf diesem Platz fehlt, ist der Strom, und das wird langsam zu einem Problem. Dazu kommt, dass auch die Klamotten so langsam zur Neige gehen: ein Campingplatz ist gefragt. Die App Park4night nennt eine Platz, an dem ich schon vorbeigefahren sein müsste, nahe Portalegre, betrieben von einem Holländer. Ich bin gespannt!

Tags darauf noch schnell in Castelo Vide die Vorräte ergänzt, und schnell war ich auf dem Camping Pomarinho. Der Betreiber ist selbst ein weitgereister Mann. Mit einem 911er Kurzhauber war er bereits in Asien unterwegs. Jetzt betreibt er mit seiner Familie diesen hübschen kleinen, sauberen Platz – und gab mir Gelegenheit, Wäsche zu waschen und mal richtig Strom zu tanken.

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In Castelo Vide einmal „falsch“ abgebogen, und schon steht man da:

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ALGARVE – TAG 1

WEITER GEHT ES NICHT…

…zumindest nicht viel weiter. Ganz im Südwesten Europas bin ich angelangt. Wir schreiben jetzt auch eine Stunde früher.

Auf dem spanischen Hochland war es dann doch arg warm (irgendwas ist immer, oder?). Also ab an die Küste, diesmal war ihr kühler Wind erwünscht. Und ja: er ist wunderbar 🙂 Der Landstraßen-Grenzübergang, den ich gewählt hatte (Rosal de la Frontera) war für beide Seiten quasi das Ende der Welt, selbst in EU-Zeiten. Zwar waren die Fenster der Zollhäuschen auch hier zugemauert, aber das ganze Flair der Gegend war eben wie am A*** der Welt. So kam ich aber schön durch ein Hintertürchen nach Portugal und konnte gleich die kleinen Hinterland-Sträßchen kennen lernen. Die sind zwar in mäßiger Verfassung, aber landschaftlich und fahrerisch sehr reizvoll. Insbesondere die N2 zwischen Almodôvar und Barranco Velhoi ist ein Motorradfahrer-Paradies: Kurven bis der Arzt kommt! Achtung LKW-Traveller: Auf der Strecke ist eine Brückenbaustelle, die nur bis 3,5 t freigegeben ist. Sieht so aus, als ob  das noch eine Weile dauert.

Hinterland

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Etappenziel war ein Übernachtungs-Tipp von http://www.camper-news.com in Armação de Pêra: Parkplatz direkt am, oder genauer über dem Strand auf den Felsen. Hat was, wenn man dort auch direkt vor den Hotelburgen steht…Man hätte sogar ganz oben auf den Felsen stehen können, aber ich bevorzugte doch einen geschützteren Platz, fünf Schritte von der genialen Aussicht oben. Und wenn man die Betonklötzer im Rücken einfach ignoriert, ist’s schon OK.

Felsen

Fotoshooting direkt hinter dem Bulli:

Fotoshooting

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen war die Nacht erstaunlich ruhig, kein Lärm kam aus den Betonkolossen, nur Möwenschreie am Morgen. Beim Frühstücksspaziergang zeigte sich die ganze Schönheit der Klippen: die blühenden Agaven, die Möwen, die auf den obersten Spitzen saßen, aber auch die edlen Villen mit gepflegten Gärten, die in erster Reihe standen. Und unten die Sandbuchten.

Moewe

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Trotzdem hielt es mich nicht länger als eine Nacht hier, denn ein mindestens genauso schöner, aber ruhigerer Platz war ausgerufen: Barão de São João.

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Hier war ein Picknick-/Grillplatz im Pinienwald gebaut worden, komplett mit Kinderspielplatz, Wasserzapfstelle und Toilettenhäuschen. Besser geht’s ja wohl nicht 🙂 Hier traf ich dann auch einige Langzeitreisende, wie Miriam, die mit ihrem T3 eigentlich hauptsächlich in den Ostblock wollte, jetzt aber durchaus auch gern mal in den Südwesten fährt. Leider ist sie wenige Stunden nach meiner Ankunft weitergereist. Gute Fahrt! Am Abend war hier Kinderfest: alle Reisenden aus der Umgebung oder die, die sich bereits hier niedergelassen haben, kamen, um einen schönen Tag zu verbringen, und die Kinder hatten mal so richtig viel Spielkumpanen.

Doch sonst war dort nicht viel los, und so zog es mich weiter, zu einem weiteren Highlight. Aber zuerst galt es, dem „ehemals“ westlichsten Punkt Europas einen Besuch abzustatten. Zu Kolumbus‘ Zeiten war hier tatsächlich die Welt zu Ende. Kaum vorzustellen, wie viel Mut damals dazu gehörte, sich auf die Reise gen Westen, in das Unbekannte, zu begeben. Man hatte schließlich keine Ahnung, was da war, ob da was war, wie weit es war. Wie viel Proviant würde man brauchen? Was kommt nach dem Wasser? Die, die gar keine Ahnung hatten, lieferten natürlich die besten Antworten (das ist heute immer noch so 😉 ).

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Nach dem Kap São Vicente, wo nicht sonderlich viel zu sehen war außer einem kleinen Leuchtturm auf beeindruckenden Felsen, habe ich mir noch die Festung von Sagres angesehen. Die machte schon mehr her. Auf jeden Fall aber die Angler, die auf der letzten Felsenklippe saßen mit ihrer Rute. Ich würde tausend Tode sterben…

Angler

Für die Nacht stand ein besonders schöner Strand an: der Praia das Furnas. Man kann mit dem Auto direkt bis an den Rand der Bucht fahren, der Strand ist sehr ruhig, mit feinstem Sand und klarem Wasser, nur ein paar Einheimische und ganz wenige Insider sind dort zu finden (aber mehr Parkplätze wären auch nicht da). Bei Ebbe erschließen sich weitere, kleine Sandbuchten. Einfach toll. Ich suche mir eine windgeschützte Ecke für die Nacht, denn ab morgen geht’s gen Norden – wohin sonst?

Furnas

GERÄUSCHE – DIE ZWEITE

Eigentlich wollte ich keinen Blog mit Serien über schlechtes Wetter und seltsame Geräusche schreiben, daher erst mal was Positives: der Morgen begann sonnig! Es war auch kein böser Förster vorbeigekommen, obwohl abends noch einige Autos den vermeintlich so ruhigen Waldweg langgefahren sind. Also Frühstück und wohlgemut gen Süden.

Doch was war das? Kaum auf der Hauptstraße, macht sich ein Tickern laut und deutlich bemerkbar. Nun bin ich ja meisterhaft kreativ im Ausmalen von Horrorszenarien. Da das Geräusch von der rechten Motorhälfte kam und der Klang recht hell war, könnten es die Pleuellager, ein abgerissenes Ventil oder vielleicht eine gebrochene Ventilfeder sein. Dachte ich mir so. Oder das Ventilspiel hat sich einfach verstellt. Also habe ich auf einer großzügig asphaltierten Grundstückseinfahrt gehalten und das Ventilspiel überprüft. Leider kein Befund. Dann bin ich erst mal weiter gefahren, wenigsten au diesem Nirvana heraus in den nächsten, größeren Ort. Dort am Bahnhof gab es einen sehr schönen, ruhigen und sauberen Parkplatz. Krisensitzung. Befreundete Bullifahrer angeschrieben. Der Schraubergott war nicht erreichbar – auf Rallye unterwegs. Von einem Bullikollegen kam der Tipp: überprüfe doch mal den Stand der Ventile (Danke Thomas!). Als ich den Ventildeckel abnahm, fiel mir eine Mutter entgegen! Die kam von der Kipphebelwelle. Warum die sich gelöst hat, das weiß nur der liebe Gott, aber sie hat die Geräusche verursacht. Kleine Ursache, große Wirkung: das Tickern war weg.

Jetzt konnte ich mich wieder wohlgemut den schönen Dingen des Lebens widmen, wie der Fahrt über den Urbasa-Paß, wo freilaufende Pferde und Kühe entlang der Straße standen. Überhaupt war da oben eine tolle Landschaft.

Urbas

weitsichten

Generell war es recht frisch unterwegs, was allerdings auch nicht verwunderlich war, da man sich fast generell auf 1000 m Höhe befand. Kurz vor Soria habe ich dann einen Feldweg gefunden. In einer Senke stand ich ungestört mitten zwischen den Feldern, deren Böden übrigens so karg und steinig sind, dass man sich wundert, dass dort überhaupt noch etwas wächst…eine wunderbar ruhige Nacht 🙂

ESPAÑA POR FAVOR!

Leider war auch die Nacht in Messanges von heftigem Sturm und Dauerregen gekennzeichnet, der auch am Tag anhielt. Laut Regenradar drehte sich das Schlechtwettergebiet immer schön um die eigene Achse und verblieb, wo es war. Also war ein deutlicher Standortwechsel angesagt: Ab Richtung Südwest! Bis fast Bilbao ging es auf der Küstenstraße, bestimmt sehr schön, aber nicht im Dauerregen. Dann ab ins Inland in der Hoffnung, dass die Bergketten das schlechte Wetter zurückhalten würden. Bis auf die Passhöhe war noch mal ordentlich Nebelsuppe angesagt, danach wurde es etwas lichter, und zumindest trocken.

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Ich befand mich jetzt im Baskenland. Die baskische Sprache kommt aus einer gänzlich anderen Sprachfamilie, man erkennt kein einziges Wort. Zum Glück ist das meiste spanisch untertitelt, da kann man noch was erraten.

Fukoshima

Fukushima?

Automobile Anmerkungen: Frankreich wie auch Spanien scheinen wohl auch eine Abwrackprämie gehabt zu haben – man sieht so gut wie keine älteren Autos, nicht mal Youngtimer, höchstens mal einen W123er Mercedes. Das einzige, was man in Frankreich noch mit einer gewissen Regelmäßigkeit sieht, sind R4, auch als Fourgonette. Die seltenen 2CV hingegen, die ich sah, waren offensichtlich bereits in Liebhaberhänden. In Spanien auf der Autobahn überholten mich eine Ente und ein GS, beide in Top-Zustand.

Leider blieb mir auch im Baskenland der Dauerregen erhalten. Schade um die schöne Stadt San Sebastián. Vielleicht ein anderes Mal. Vielleicht versteh ich das unfassbar verschlungene Netz der Umgehungsstraßen und Autobahnen dann auch besser. Auch die Küstenstraße konnte unter diesen Umständen nicht wirklich begeistern, musste ich doch ob des Windes zudem um mein Hubdach fürchten. Meine Kalkulation, hinter der ersten oder spätestens zweiten Küstengebirgskette würde das Wetter besser, bewahrheitete sich, und so lockert es zum Abend endlich auf. In einer Nebenstraße einer Nebenstraße fand ich einen ruhigen Platz im Wald.

ATLANTIK – UND: WETTERKAPRIOLEN, DIE ZWEITE

Der Entschluss stand fest: doch noch schnell an die Küste, bevor der Sommerferien-Terror hier losgeht. Also Stoßrichtung West, Ziel: Mimizan-Plage. In der Region Les Landes hatte ich meinen allerersten „elternlosen“ Urlaub verbracht, mit drei Mädels und einem Bungalowzelt unterwegs in einem Sparkäfer.

Atlantik

Ziemlich willkürlich viel die Wahl auf Mimizan-Plage. Les Landes – das ist eine ziemlich flache Landschaft mir schnurgeraden Straßen, nur ab und zu überraschen fast canyonartige Flusstäler. Dazu endlose Wälder, in denen immer wieder riesige Stücken abgeholzt wurden. Verstehe diese Form der Forstwirtschaft nicht ganz, bin aber auch kein Förster 😉

Was auffällt: an der Küste scheinen Wohnmobile (zählt mein kleiner Bulli überhaupt dazu?) nicht besonders beliebt zu sein. An jedem Ortseingangsschild wird gleich darauf hingewiesen, was für diese alles verboten ist. Frei stehen? Vergiss es. Man wird allenthalben auf die „CampingCar“-Plätze verwiesen, wo man nicht selten für etwa € 9 pro Nacht (Nebensaison, sonst ca € 14). irgendwo in einer hässlichen Ecke, meist weit vom Strand stehen darf. Mit etwas Glück gibt es Strom (gegen Zuzahlung, ist klar) und mit noch mehr Glück auch Toiletten.

Ganz anders in Mimizan-Plage. Der Stellplatz ist zwar am Ortsrand, aber relativ nahe am Strand, er ist neu, sauber und – kostenlos! Für Nachfahrer: der Platz ist ab Mimizan-Plage gut ausgeschildert.

Sandverwehungen

Abends habe ich noch einen Blick aufs Meer geworfen – oben auf der Düne war es ganz schön stürmisch! Aber aus Holland bin ich ja einiges gewohnt. Zum Glück war der Stellplatz hinter der zweiten Dünenkette, entsprechend ruhig war es da. In der Nacht jedoch war die Ruhe vorbei: Windböen rüttelten wild am Bus, und sintflutartige Regengüsse hätten wohl alles geflutet, wäre nicht überall Sandboden gewesen. Alles in allem nicht besonders einladend, und da ich einen Stellplatztipp von 14qm für Messanges hatte, nur einen Steinwurf von Mimizan entfernt, zog ich schon früh los.

Der Platz ist leicht zu finden, Messanges-Plage besteht eigentlich nur aus drei Parkplätzen. Der Stellplatz ist tatsächlich gratis, allerdings nur, weil der eigentliche noch im Bau ist und man bis dahin auf dem PKW-Platz stehen darf, angeblich allerdings nur zwei Nächte pro Woche. Die Toiletten am Platz sind verschlossen, aber oben auf den Dünen sind offene.

Was auffällt: in Frankreich beginnen die Ferien bekanntermaßen am 1. Juli, ob der berüchtigte Trubel dann schlagartig losgeht, weiß ich nicht, allerdings war bis einschließlich 30. Juni noch überall absoluter Totentanz.

In Messanges stand ein deutscher Bulli auf den Platz, er gehörte zwei Jungs aus der Augsburger Gegend. Ein traumhaft schöner BW-Funkerbulli, den sie sich gerade ein wenig für die Reise ausgebaut hatten. Am selben Nachmittag sind sie losgefahren, wollten sich mit einer Freundin in San Sebastian treffen, um dann zusammen nach Portugal zu fahren. Na denn: Gute Fahrt!

Auf dem selben Platz ließen sich wenig später Isabelle, Baffo und Hund Nicole mit ihrem etwas älteren Hymer nieder. Isabelle ist schon seit drei Jahren unterwegs und berichtet auf www.camper-news.com von ihren Reisen und Erlebnissen, Baffo reist sogar schon seit den Siebzigern. Die drei wollten eigentlich einige Zeit in Frankreich verbringen, aber die Summe aus schlechtem Wetter, teuren Preisen und fehlenden Freistehmöglichkeiten ließ den Plan kippen – Portugal ist das neue Ziel! Auch Euch gute Fahrt! Lies hier, wie Isabelle unser Zusammentreffen beschreibt 🙂

GERÄUSCHE, DIE KEINER MAG

 

Ominöse Nebengeräusche, noch dazu -vermeintlich- von einem sicherheitsrelevanten Bauteil, können einen recht gut in den Wahnsinn treiben. Natürlich hatte sich solch ein Geräusch eingestellt. Da es beim Kurvenfahren auftrat, hatte ich das Radlager im Verdacht. Wo besser als auf einem Bullitreffen kann ich nach einer geeigneten Reparaturgelegenheit fragen? Michael, der in der Nähe wohnt, hatte sofort eine Idee und seinen Kollegen angerufen. Montag hatte dieser Zeit für mich. So haben wir Sonntag zu zweit den Losheimer See verlassen und ich stand bis Montag bei Michael auf’m Hof.

SLR

Tja, was soll ich sagen? Das ausgebaute Radlager präsentierte sich in einwandfreier Verfassung. Sven, der Mechaniker, sah eher in den Reifen den Übeltäter. Das Geräusch ist zumindest immer noch da, aber ich bin etwas beruhigter. An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, Michael für seine Gastfreundschaft und Sven (von SLR) für seine Hilfe zu danken. Wer mal technische Hilfe im nördlichen Saarland sucht: ich kann diese Adresse nur empfehlen. Sven ist übrigens auch als Mechaniker bei Rallyes aktiv.

Zum Abschied habe ich mir noch die Saarschleife angesehen. Was auffällt ist, dass wirklich überall fürs Parken bezahlt werden muss. Oft nur 1 € für eine oder gar zwei Stunden. Aber ohne Parkschein geht nirgends mehr was.

Saarschleife

Sodann stand der Grenzübertritt an. Wie an so vielen Stellen steht auch an der Straße nach Waldwisse (F) ein vereinsamtes Zollhäuschen aus alten Zeiten. Und dann: Bonjour la France. Als erstes fällt auf, dass nicht an jedem Waldweg „Einfahrt verboten“ steht. Sehr vorteilhaft, wenn man Nachtplätze sucht. Meinen habe ich mir abseits von abseits gesucht, so abgelegen, dass es nicht einmal Internet gab. Dafür war er sehr ruhig. Ein nächtliches Gewitter brachte endlich etwas Abkühlung.

Am Folgetag ging es dann etwas zügiger Richtung Südwest. Wer auch „analog“ reist, dem seien für Frankreich die Michelinkarten empfohlen. Da Michelin auch für die Aufstellung der Wegweiser verantwortlich zeichnet(e?), sind diese mit den auf den Karten hervorgehobenen Orten abgeglichen. Der Unterschied war nur zu deutlich, als ich von der ADAC-Karte „Vogesen“ auf Michelin wechselte. Zudem ist auf der Michelinkarte wirklich jede Straße auch mit einer Nummer versehen, diese wiederum finden sich auf den Wegweisern.

Loire

Das oben genannte Gewitter hatte nur wenig Abkühlung gebracht, im Laufe des Tages wurde es unerträglich schwül, und auf dem Weg nach Clermont-Ferrand entlud sich aus den inzwischen düsteren Wolken ein Gewittersturm, der es in sich hatte. Da ich gefühlt permanent exponiert auf Hügelrücken unterwegs war, habe ich mir ein ruhiges Seitensträßchen gesucht, denn die Blitzfront kam näher. Da auch aus dem Wind ein ausgewachsener Sturm wurde, galt es zudem, hohe Bäume zu meiden. Ein Blitz schlug in unmittelbarer Nähe ein, wie sich aus dem Knall erahnen ließ. Ich hatte eine Grundstückseinfahrt gefunden, wo eine Hecke sowie kleinere Bäume ziemlich guten Schutz vor den Sturmböen und dem Hagel boten. Es stürmte orkanartig und schüttete wie aus Kübeln. Als es ruhiger wurde und ich zur Hauptstraße zurückfuhr, lag tatsächlich ein ordentlicher Ast auf dem Weg, ich kam aber noch vorbei. Auch auf der Weiterfahrt lagen überall Zweige, Baustellenschilder, Holztafeln etc herum. Die Wetterlage beruhigte sich, aus dem Unwetter wurde ein Dauerregen, und am nächsten Nachtplatz gab es wieder kein Internet.

Unwetter

36 GRAD UND ES WIRD NOCH HEISSER

Am Morgen des „Tag 2“ habe ich mir zuerst die Elbbrücke von Barby angesehen. Auch von der Westseite war es nicht ganz einfach, dort heranzukommen. Die Brücke wird bereits seit vielen Jahren nicht mehr genutzt und soll abgerissen werden, doch jetzt kümmert sich ein Verein um den Erhalt als technisches Kulturgut.

 

Inzwischen verhinderten technische Probleme, dass ich auf diesem Blog Berichte hochladen konnte. Auch der extra angefahrene Vodafone-Shop in Bad Harzburg konnte nicht weiterhelfen. An der Kundenhotline hatte ich teilweise nach 15 Minuten Warteschleife immer noch keinen Gesprächspartner.

Meinen Geburtstag feierte ich dann relativ ruhig im Westerwald, hab‘ fast den ganzen Abend mit Freunden und Familie telefoniert.

Tags danach ging es zur Mosel. Bei Cochem stieg ich in das beeindruckende Flusstal ab. Hier lebt der Wein. Nicht nur auf den Hängen, alles dreht sich um den Traubensaft. Allerdings ist die Gegend recht touristisch, so wurden für einen Wohnmobilstellplatz 6 Euro verlangt, nur weil dort Strom (gegen Zuzahlung natürlich) verfügbar war. Außerdem durfte man die öffentliche Toilette benutzen, hurra!. Ich habe das Tal dann wieder verlassen und weiter oben einen schönen, ruhigen Wandererparkplatz gefunden. Vom nahe gelegenen Bauernhof krähte der Hahn herüber, Kühe muhten – alles wie zu Hause.

Am nächsten Tag wurde das Wetter noch heißer, und ohne Klimaanlage im Bus (ausstellbare Dreiecksfenster) machte die Fahrerei wenig Spaß. So hatte ich mir ein schnell erreichbares Etappenziel ausgesucht: einen See mit Badestelle und Campingplatz. Eigentlich wollte ich nur einen Tag dort verbringen, da aber der Folgetag noch heißer wurde und am Wochenende auf diesem Platz Bullitreffen war, bin ich kurzerhand etwas länger geblieben.

Es war ein Kampf…

…mit Vodafone, mit der Hardware und nicht zuletzt mit dem Newbie – mit mir. Vom heimischen PC mit LAN zum Laptop mit mobilem Router und Datenpaketen sind es eben doch ein paar Schritte mehr. Das dauert im Zweifel ein paar Tage länger. Denn unterwegs bin ich bereits seit Sonntag, dem 18.6.. Aber jetzt scheint tatsächlich alles zu funktionieren, daher ab jetzt Updates nicht nur über facebook, sondern auch hier!

Allee

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Hol doch mal den Wagen – eine nicht ganz optimal gelaufene Rückführung aus Südspanien

Es gibt Sätze, die man am liebsten nie in seinem Leben hören möchte. Wie zum Beispiel im Personalgespräch: „Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass…“. Oder, wenn man gerade mit einem One-Way-Ticket nach Südspanien geflogen ist um ein Auto nach Deutschland zu holen, dort am Mietparkplatz: „There is a problem with your car“.

Das Problemkind gehört meiner Tante. Die hatte bis vor zwei Jahren ein wunderschönes Haus mit unverbaubarem Meerblick, zwei Orte weit von Benidorm. Leider ist mein Onkel viel zu früh verstorben, und für sie alleine war das Haus mehr ein Klotz am Bein als eine Oase der Erholung. Also Haus verkauft und – ja und dann stand da noch der Polo, den sie extra für dort angeschafft hatten. Weil man ja mit dem Flieger kommt – in drei Stunden ist man da – und dann auch vor Ort mobil sein möchte.

Das Haus war also weg und der kleine Polo stand da am Flughafen von Alicante auf dem bewachten Parkplatz „Victoria“. Zwei Jahre schon hatte sich keiner um den Wagen gekümmert, zwei Jahre waren Steuern und Versicherung bezahlt – für ein „Stehzeug“. Daher kam mein Auftrag: „Hol dir den Wagen.“

Wetter in Berlin
Wetter in Berlin

Wetter in Alicante
Wetter in Alicante

Kurz durchgerechnet, günstigen Flug gebucht, kann doch nicht so schwer sein. Dachte ich. Da ich nicht wußte, wie weit ich pro Tag komme, konnte ich die Übernachtungen nicht planen. Aber da ich größtenteils durch eine touristisch voll erschlossene Region fahren würde, habe ich keine Probleme erwartet. Außerdem gibt es google maps, here und trip advisor, also für den modernen Mensch kein Problem.

Bis der besagte Satz kam. Den mitgebrachten Werkzeugkoffer -„haben ist besser als brauchen“- hab ich gerade so durch die Handgepäckkontrolle bekommen – und nun brauchte ich ihn leider doch. 

so stand er da die letzten 2 Jahre
so stand er da, die letzten 2 Jahre

Beim Polo war die Benzinpumpe kaputt. Startversuche ohne und mit Starterspray hatten das ergeben. Alptraum! Der Flieger war um 12:10h gelandet, um 13:00h war ich auf dem Parking, ich wollte an diesem Tag noch mindestens bis Nordspanien, idealerweise sogar über die französische Grenze kommen.

Stattdessen baue ich mit dem Mechaniker die Spritpumpe aus, sauge das alte Benzin ab, 

Sprit absaugen
Sprit absaugen

das auch noch die Gummidichtung aufgelöst hat, lausche ihm, wie er rumtelefoniert, um eine neue –oder noch besser gebrauchte- Pumpe zu finden. Allerdings –und daran gibts nichts zu rütteln- ist in Spanien bis 16 Uhr Siesta. Da geht gar nichts. Also fahren wir erst mal in seinen Heimatort direkt neben dem Flughafen, er dropt mich in einem Restaurant und fährt selbst zu seiner Familie zum Mittagessen. Inzwischen bekomme ich ein 3-Gänge-Menü, was wohl der örtliche Mittagstisch ist, bestehend aus Salat, gebratenen Mini-Tintenfischen und einer Mini-Paella. Wunderbar!

Mittagstisch im Restaurante Avenida 1
Mittagstisch im Avenida1

Um 16 Uhr sind wir wieder in seiner Werkstatt, und es gibt gute Neuigkeiten: sein Kumpel hat tatsächlich die richtige Kraftstofffördereinheit, also das ganze Gerödel mit Pumpe und Tankgeber, gebraucht da. Mit Dichtung. Also rangeholt und eingebaut. Nur nebenbei sei angemerkt, dass die Batterie natürlich auch komplett tot war, 

Batterie tot
Batterie tot

also musste hier auch noch Ersatz beschafft werden. Aber dann: der kleine rote Torero sprang an! Also alles zusammengefrickelt, sämtliche Rechnungen beglichen und fürs Trinkgeld bekam ich noch ne Fahrt durch die Waschanlage spendiert. Nur war es inzwischen 18 Uhr, und um diese Uhrzeit ist es selbst dort langsam dunkel. Und ich wollte eigentlich schon in Grenznähe sein.

fast startklar
fast startklar

Egal, jetzt zählt jeder Kilometer, denn ich hatte nur zweieinhalb Tage Zeit für die Rückfahrt, und den ersten halben Tag hatten wir gerade in der Werkstatt verbracht. Über die spanische Mautautobahn fährt sich das ganz entspannt, vor allem abends. Doch dann kam das Thema „Hotel suchen – ganz spontan“. Während man hier allüberall an den Ausfallstraßen die Neonreklame von Motel1, Ibis und wie sie alle heißen sieht, war dort – nichts! Gar nichts. Also erst mal runter von der Mautautobahn und rein in der erstbesten Urlaubsort, der einem bekannt in den Ohren klang, in diesem Fall Cambrils. Auch an der Ausfallstraße – nichts. Und auf einen Schlag war man im Stadtzentrum (gefühlt zumindest). Und es gab Hotels! Nur keine Parkplätze. Alles voll – ohne Pardon. Von Häuserblock zu Häuserblock, nicht ein Platz. Und wo dann endlich Platz war, waren die Hotels in weiter Ferne. Also weiter, irgendwie auf der Landstraße. Dann ein Hotelschild…auf die Schnellstraße…und da stand es dann: „Golf Hotel Mas Galau“, romantisch gelegen direkt an der Autovia del Mediterrani, aber – vier Sterne! Ich begehrte Einlass und beim Nachtwächter, der vorgab, kein Englisch zu sprechen, sicherheitshalber erst mal nach dem Preis gefragt: 75 EUR. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit –es war nach Mitternacht- und meiner durch Erfolglosigkeit gekrönten Hotelsuche im Touristenparadies akzeptierte ich das Zimmer. Meine Bleibe für diese Nacht verdiente durchaus die Bezeichnung Suite!  Riesig groß, Terrasse, immenser Spiegelschrank, zwei große Betten und das Bad: ein Salon für sich. Die Waschtischanlage größer als meine Küchenanrichte, ein Sitz-Dusch-Bad von mindestens 4 m², Bidet (is klar ;) ). Einfach irre. Dazu Garten, Pool, aber das brauchte ich ja alles nicht. Wenn man bedenkt, dass manche dieser Autobahnhotels 89 EUR für ein Zimmer nehmen…Nur das Frühstücksbüffet, das passte nicht so richtig zu den Sternen: eher kompakt, mit schrumpeligen Tomaten und auch sonst wenig Besonderes. Und der Nachtwächterkauz, der saß am Morgen immer noch da.

Golf Hotel Mas Galau
Golf Hotel Mas Galau

Golf Hotel Mas Galau
Golf Hotel Mas Galau

Tag 2, heute hieß es klotzen, nicht kleckern. Zum Wachwerden bin ich in den Berufsverkehr von Barcelona reingerasselt. Die Mautautobahnen sind in den Agglomerationen gebührenfrei – und damit auch zugestaut. Aber gut, irgendwann war man da auch durch. Und dann hieß es: Vive la France! Nur wie würden die Franzosen auf einen Deutschen mit einem spanischen Auto auf abweichenden Halter reagieren? Die Lage war nach den Anschlägen in Paris etwas angespannt…schon weit vor der Grenze warnten Leuchttafeln auf der Autobahn. „An der Grenze wird kontrolliert“ – na super! Und so war es dann auch: von drei Spuren auf eine, LKW separat und auf der PKW-Durchfahrt mit Schikane standen reichlich Soldaten, das MG geschultert. Aber durchgewunken haben sie mich trotzdem. Puh!

Perpignan, Montpellier, Nîmes, Nebel am Mittelmeer. Trotzdem: wie gern hätte ich hier –und auch schon in Spanien- mal angehalten, wäre mal an den Strand gefahren. Aber leider war dafür keine Zeit. Wiederum galt es, Kilometer zu fressen. Als Tagesziel kristallisierte sich Mulhouse heraus, und nachdem Sochaux (Usines Peugeot!) passiert war, hieß es wieder: nach Hotels Ausschau halten. Während unterwegs die Rastplätze durchaus auch Übernachtungen angeboten hatten – hier natürlich nicht. In letzter Not die Abfahrt Mulhouse-Centre genommen, doch entlang des Zubringers alles finster, dann ein Mal abbiegen – und voll im Zentrum: Cinemax, Pizzeria, aber natürlich wieder kein Hotel. Weiter Richtung Zentrum zu fahren machte ob der Parksituation keinen Sinn, also gewendet und schwuppdiwupp war ich auch schon wieder raus- und fuhr durch die umliegenden Landgemeinden. Leider war auch hier nirgends ein Hotel zu finden, also fuhr ich wieder auf die Autobahn und rüber nach Deutschland. Auch hier wieder übelste Kontrollen seitens der Franzosen, Richtung Deutschland jedoch: nichts.

In Deutschland wollte ich dann die erste Abfahrt nehmen und entlang der Bundesstraße suchen – und tatsächlich: Schon im ersten Ort, das war Neuenburg am Rhein, links UND rechts am Ortseingang die Leuchtreklame „Hotel“. Die Qual der Wahl! Ich entscheide mich für das Hotel Touristik, klein, fein und sauber. Dazu WLAN und morgens ein wunderbares Frühstücksbüffet. Was will man mehr?

Am nächsten Morgen war zeitiges Aufstehen angesagt, denn jetzt standen noch 800 km quer durch Deutschland an, und während die spanischen und französischen Autobahnen bis auf die Rush-Hour in Barcelona und Lyon freie Fahrt gewährleistet hatten, drohte in Deutschland allüberall Stau. Doch toitoitoi bis auf etwas Geschiebe um Nürnberg und eine Baustelle vor Leipzig lief es flüssig. Und so rollte ich um 16 Uhr bei mir auf’n Hof.

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10 Jahre Goldener Oktober – Tag 5 & 6: homeward bound

Am Vortag war es grau und etwas nieselig gewesen, doch als ich am Morgen durch die Gardinen blickte, traute ich meinen Augen nicht: alles war weiß! Nicht nur etwas Schneegriesel auf den Scheibenwischern, wie beide Male am Sommeiller. Nein, richtig weiß: die Bäume, der Boden, die Bullis. Auch die *mit* Heizung ;). Das hatte es noch nie gegeben beim Goldenen Oktober!

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Nun, dann wieder das Stövchen angemacht, Kaffee gekocht und langsam aufgetaut. Auch die anderen Oktoberer –die alten Hasen wie auch die Neulinge- waren ganz aus dem Häuschen. Da die Temperatur um den Gefrierpunkt lag, gab es hinsichtlich Glätte kein Problem, wenngleich auf dem noch zu erklimmenden Col du Mont Cenis doch etwas Schnee auf der Fahrbahn lag. Leider war es dort ziemlich neblig, denn der Paß mit dem gleichnamigen See muß sehr schön sein. Auch vorgemerkt für eine zukünftige Tour.

Über den bereits bekannten Col de l’Iseran ging es am ebenfalls bekannten Lac de Roselend vorbei und auf schnellen Straßen bis kurz vor die Schweizer Grenze.20151002_103423Auf einem alten Teilstück der unbegradigten Paßstraße des Col des Montets schlagen wir unser Nachtlager auf.

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Am Folgetag steht die Querung der Schweiz auf dem Plan. Während Torsten eine bestimmt spannende und unterhaltsame Route geplant hat, beschließe ich, die wegen der Anreise notwendig gewordene Mautplakette noch etwas zu nutzen und schnellen Reifens gen Nachtplatz im deutschen Herten (bei Lörrach) zu düsen. Schließlich erwartet mich am letzten Tag ein Gewaltritt vom äußersten Südwesten der Republik bis (fast) nach Berlin, da am Montag wieder gearbeitet werden muß.

Schönster Sonnenschein begleitet mich auf den Schweizer Autobahnen, und schon am frühen Nachmittag treffe ich am Rockfood Restaurant am Flugplatz Herten ein, lange vor allen anderen. Ich denke, schlau zu sein und will die Zeit nutzen, um meine Vorräte aufzufüllen sowie günstigen deutschen Sprit zu tanken. Doch alle Supermärkte in den Dörfern sind geschlossen – und das an einem Samstag???

Wenigstens finde ich irgendwann eine Tankstelle, und in dem Moment fällt mir ein, dass wir Samstag, den 3. Oktober haben!

In der besagten Gaststätte lassen wir mit allen Oktoberern die Tour gemütlich ausklingen, und am nächsten Morgen mache ich mich sehr zeitig auf den langen Heimweg Richtung Berlin.

Es war mir eine Ehre.

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 4: Kampf mit den (Wetter-) Gewalten

Das Dach der Welt – zumindest der Alpenwelt – stand heute auf dem Programm: der Colle Sommeiller, ein altes Skigebied, das nach dem Abschmelzen des Gletschers und einer Lawine, die das Hotel zerstörte, aufgegeben wurde. Auch wurde nie die französische Zufahrt zum Paß gebaut, und so ist die Strecke heutzutage ziemlich einsam – und der höchste legal mit zweispurigen Fahrzeugen anfahrbare Punkt der Alpen!

Fahrerisch ist die Auffahrt anspruchsvoll, Kategorie 4 nach Denzel: Enge Kehren mit starken Auswaschungen, alles Naturbelag, bei feuchter Witterung glitschig, im oberen Bereich sehr steinig.

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Morgenstund hatte für uns nur Nebel im Mund, mit dem letzten Funken Hoffnung wollten wir wenigstens bis zum Rifugio am Beginn der Steilstrecke fahren, und tatsächlich war dort gute Sicht. Doch in kürzester Zeit war der Nebel hochgezogen und sämtliche Sicht dahin. Da außerdem seit Tagen die Witterung feucht war, sahen wir von der Befahrung ab – das Risiko war zu groß. Ich selbst war bei der vorigen Befahrung in einer Kehre hängengeblieben. Mußte eigentlich zurücksetzen, doch ein Hinterrad hing in der Luft, und so bin ich einen Fingerbreit vor dem Abgrund um die Kurve gerollt.

Aber es stand ja noch ein weiteres Highlight auf dem Tagesprogramm: die Assietta-Kammstraße. Bei der vorigen Befahrung waren wir von Osten eingestiegen, diesmal verließen wir in Sestriere den Asphalt. Das Wetter war weiterhin eklig: leicht neblig, Nieselregen und eine gute Portion Wind. In der Anfahrt zum Colle Basset –den eigentlichen Beginnpunkt der Kammstraße- ging der Niesel in Schnee über und blieb schließlich auch links und rechts der Piste liegen. Das wurde mehr, und irgendwann war dann selbst die Piste weiß. Nun hatten wir alle Winter- oder Allwetterreifen, und auch die von Torsten stets geforderten Schneeketten fingen an, Sinn zu machen. Am Colle-Basset-Abzweig scharf rechts blickten wir in ein Grau-in-Grau aus Schnee und Nebel. Keinerlei Struktur, der Verlauf der Piste war kaum auszumachen. Zudem schneite es inzwischen kräftig, und der Wind bließ ordentlich. Das war definitiv der Moment, die Vernunft über die Abenteuerlust siegen zu lassen.

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20151001_121845So schurbelten wir uns wieder gen Tal um dann in großem Westbogen Richtung Susa zu fahren und von dort den Col du Mont Cenis zu erklimmen. Links der Straße fanden sich immer wieder Überreste der Mont Cenis Eisenbahn: 1868 in Betrieb genommen und 1871 bereits wieder stillgelegt. Tja, Geld mit vollen Händen aus’m Fenster schmeißen konnten manche Leute damals schon. Unser Nachtplatz war kurz hinter den Resten eines Bahnhofs dieser Bahn, dort haben wir noch etwas rumgestreunert. Später gab es eine Geräuschkulisse, die ich anfangs nicht einordnen konnte. Es waren gefühlt Hunderte von Kuhglocken, die meisten so groß wie Wassereimer. Almabtrieb!

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10 Jahre Goldener Oktober – Tag 3: irre Tunnelstrecke und Grenzhopping

…und die Nacht war frrrrrostig. Da der Stellplatz am Campo Base inklusive Strom war, konnte ich meinen Elektro-Heizlüfter zum Einsatz bringen. Eine campingfreundliche 500-W-Version (die Elektroanschlüsse auf den Plätzen sind oft auf 1000 Watt begrenzt) hatte ich mir an Land gezogen, so wurde meine Nacht zumindest nicht allzu eisig. Sodann gab es am Morgen strahlenden Sonnenschein – und eingezuckerte Berghänge…au weia. Auch auf dem Platz hatte sich Raureif breit gemacht. Na, das kann ja was werden.

Zunächst fuhren wir ein kleines Stück zurück, dann folgte der vermeintlich gesperrte Abzweig ins Tal nach Elva. Nachdem wir die Abbiegung fast verpasst hätten, können wir keinerlei Verbotsschilder entdecken und steuern ins Tal hinein. Diese Straße ist wirklich der Hammer! Tunnel an Tunnel schmiegen, ja bohren sich in die steile Bergwand, wirklich atemberaubend. Wer dort ist: unbedingt hochfahren!IMG_2371Auch der weitere Anstieg zum Colle di Sampeyre geht über schmalste Straßen mit phantastischen Ausblicken und ja: Es gibt Schnee am Wegesrand.IMG_2385Doch das ist nur der Vorgeschmack auf das, was uns später erwartet. Erst kämpfen wir ab dem Colle mit ganz anderen Widrigkeiten: unser Ausflug zum Colle Bicocca über die Varaita-Maira-Kammstraße gerät zu einem dermaßen schlammig-glitschigen Event, dass wir nach wenigen Kilometern entnervt abbrechen und (mühevoll) umkehren.20150930_110637Später hören wir, dass selbst die Hardcore- und Syncro-Fraktion um Matze und Werner, denen wir auf dem „Rückzug“ begegnet sind, abgebrochen hat.20150930_112631

IMG_2393Von hier geht es kurzzeitig bergab, bevor wir uns immer weiter in den Schnee und auf den sonnenbeschienenen aber frostigen Colle dell‘Agnello schrauben.20150930_131555Hier ist mal wieder Staatsgrenze, auf französischer Seiten rollen wir über Château Queyras und den bereits bekannten Col d’Izoard wiederum gen Briançon. Über den Col de l’Echelle geht es wieder nach Bella Italia, denn in Bardonècchia beginnt die Anfahrt zum Colle Sommellier. Dieser Punkt ist ein „must have“ aller Alpenfahrer: Der höchste, mit zweispurigen Fahrzeugen legal anfahrbare Punkt in den gesamten Alpen! 2011 waren wir dort emporgeklommen, bei Kaiserwetter, heute haben wir erstmal unsere „Zelte“ oberhalb des Lago di Rochemolles aufgeschlagen – an der selben Stelle wie 2011.20150930_183252

 

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 2: Weltrekordstunnel und chillen

Am nächsten Morgen war die Nebelsuppe noch genauso dicht, aber immerhin war’s hell 😉 Der Plan war, zur Mautstelle zurückzufahren, da dies ein unmißverständlicher Fixpunkt war, um bei Torsten Instruktionen von dort aus anzufordern. Doch an der zweiten Liftstation treffen wir bereits auf ein ganzes Rudel Oktoberer: die Flachlandtiroler hatten sich mit Nik und Walter, dem Büchel und einem T3 mit besten Nebelscheinwerfern zusammengetan, sich durch die Strecke gekämpft und auf der Fläche der zweiten Liftstation übernachtet. Büchels Navi zeigt uns dann, dass wir trotz allem richtig sind, einfach nur weiter talwärts fahren müssen, und tatsächlich erreichen wir kurz danach das Fort Central, wo der Schneesturm noch stärker tobt.20150929_091117Unser Nachtplatz war dann doch nicht so schlecht gewesen. Nach kurzem Hallo mit den anderen fahren wir weiter hinab, denn im Fort ist es extrem ungemütlich. Wir schurbeln uns gen Tal, teilweise ist die Fahrbahn noch reichlich ausgewaschen und zwingt uns, umsichtig die Stufen hinabzufahren.

Wir kommen direkt am Nordende des Tendatunnels raus, aufgrund des Tunnelneubaus herrscht Ampelregelung. Der alte Tunnel stammt aus dem Jahr 1882 und war damals mit 3182 Metern der längste Tunnel der Welt. Das wollen wir natürlich genauer sehen, also stellen wir uns an der Ampel an. Und dann geht es ewig durch eine enge Röhre, die tatsächlich Fahrbahnmarkierungen für Gegenverkehr enthält. Wir stellen uns vor wie es wäre, hier einem LKW zu begegnen. Oder gar, wenn sich zwei LKW begegnen. Das geht doch gar nicht?? Irgendwie spannend und beklemmend zugleich.20150929_100356Am Ende des Tunnels gewendet und nochmals an der Baustellenampel angestellt, denn schließlich müssen wir gen Norden. Letztendlich kommen wir wieder in die zivilisierte Welt – denn Einkaufen ist angesagt!

Nun waren wir schon einer der letzten, die am Fort Central abgefahren sind. Dann haben wir uns noch hin und zurück durch die Tunnelbaustelle am Tenda gewurstelt, so waren wir also reichlich im Zeit-Defizit, und da das Wetter weiterhin schlecht war, haben wir etwas gemogelt und sind statt über den Colle Valcavera bequem über die P 422 ins Mairatal gefahren. Zwar haben wir einige Pässe verpasst, dafür konnten wir beizeiten im „Camp Base“ chillen, mit warmen Duschen und WLAN. Und mit prächtigem Panorama. In der Bar gab es dann lecker Essen und ganz feines Bier aus der Region…so wurde es dann noch sehr gemütlich.IMG_2357

 

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 1: Almost lost at the Ligurische Grenzkammstraße

Anmerkung: ich fange jetzt wieder an mit Tag 1 und bin damit synchron zum Roadbook

Seit vielen, vielen Jahren steht sie -heimlich oder ganz offiziell- auf der Wunschliste der Oktoberer ganz oben. Die Mutter der Militärstraßen. Die Göttin der Kammstraßen. Die ultima carretera. Doch immer waren wir zu spät. Die Wintersperre der Ligurischen Grenzkammstraße geht unwiderruflich am 1. Oktober ein, und bis zu diesem Datum haben wir es -getreu der GO-Maxime, dass auch in der Anfahrt der Weg das Ziel ist- nie geschafft. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Goldenen Oktobers hat Torsten jedoch eine zweiwöchige Tour herausgearbeitet. Die Vorab-Tour führte die Teilnehmer größtenteils entlang der Seealpen-Tour von 2008 nach Menton, und damit startete die eigentliche Tour am Mittelmeer, wodurch die Ligurische Grenzkammstraße gleich an Tag 1 -und damit vor der Winterschließung- angegangen werden konnte.

Eine beachtliche Gruppe hatte sich bereits für die Vortour angemeldet und traf am 27. September auf dem Camping Municipal in Menton auf den Rest der Truppe, um zusammen die Tour der Touren zu fahren. Torsten hatte weder Kosten noch Mühen gescheut und für den kniffligsten Teil der Tour drei Optionen vorbereitet: die Weicheier-Tour (Zitat!), die reguläre und die „Harten-im-Garten“-Tour. Als GO-Veteran bin ich natürlich die Garten-Tour gefahren und das ging gleich gut los: „an der zweiten Verzweigung halten wir uns unter Außerachtlassung der Sperrung rechtsgeradeaus Richtung Molini da Triora (…) entsprechend der italienischen Mentalität stellt die Straßensperre einen Haftungsausschluss dar, (…) ist mit dem Bus knapp passierbar“. Ja von wegen! Aktuell war hier eine RICHTIGE Baustelle, Fahrbahnbreit wurde dort gebaut, keine Chance, vorbeizukommen. Also auf 5m² gewendet und zurück. Der Umweg war zwar sehr weit, aber auch sehr, sehr schön!IMG_2304Letztendlich kamen wir aber doch zum Colle Melosa. Hier endete die Zivilisation. Es begann nicht nur eine grobschotterige Strecke, es folgten auch Querrinnen, die das Todesurteil jeglicher Unterflurinstallationen bedeutet hätten.IMG_2344Ein ums andere Mal mussten Aufschüttungen genommen werden, die wohl dem Abfluss von Regen- oder Schmelzwasser dienen sollten, die aber dermaßen gewaltig ausgelegt waren, dass sich selbst T2b mit Vorbau (Reserverad oder Gasflasche) äußerst vorsichtig nähern mussten.IMG_2313So kämpfen wir uns empor bis zum Col Bertrand (1779 m ) -dort gab es auch noch einen Bunker im Berg zu entdecken- und dann wieder hinab zur Baisse de Sanson, wo uns Torsten und das fehlende Drittel des „Team Dakota“ schon erwarteten.IMG_2335 Mit Matze und Werner beschließe ich, den Abstecher zum Monte Saccarello zu machen. Das Sträßchen hat es in sich, und am Gedenkstein hat die „Wendestelle“ eine so starke Neigung, dass ich fürchte, mein Bus kippt um. Macht er aber doch nicht.20150928_160235Die zweite Gabel des Abstechers führt zum Fort. In einer Kehre beiße ich mich an einer Steinstufe fest und komme kaum vor oder zurück. Nach einem heftigen Aufsetzer mit Stoßstange und Kennzeichen bin ich wieder flott. Matze ist geschickter und schafft es bis ganz oben, muß von dort jedoch ein ganzes Stück rückwärts fahren, da oben absolut keine Wendemöglichkeit ist. Wieder auf der Hauptstrecke gabeln wir die „Flachlandtiroler“ um Georg auf und passieren zusammen die Mautstation der nördlichen Sektion der Ligurischen. 15 Euro kassiert der umtriebige Italiener pro Bus, bevor er die Kette losmacht und uns den Weg frei macht. Schon bald schieben wir uns an gigantischen Hängen entlang, leider kommt auch der Nebel immer näher.20150928_175402Die fotogensten Punkte der LGKS versinken für uns leider komplett in der grauen Suppe,20150928_180955trotzdem läßt sich die Schönheit der Strecke um den Col de la Boaire erahnen.20150928_182021Der Nebel wird immer dicker, es wird langsam dunkel und wir zählen die Kilometersteine am Wegesrand, die hoffentlich zum Ende der Hardcorestrecke herunterzählen (Anmerkung: fahrtechnisch ist vor allem der Südteil anspruchsvoll. Der Nordteil ist saniert und von der Fahrbahn her problemlos. Spannend ist die komplett fehlende Randsicherung, insbesondere bei Nebel oder Dunkelheit – oder beidem). Irgendwann erreichen wir die End-Mautstation der Strecke, dort ist auch eine Liftstation, doch dieser markante Punkt findet keine Erwähnung im Roadbook. Inzwischen ist es finster, neblig, es stürmt und schneit. Abzweigende Wege sind kaum zu erkennen, geschweige denn, dass man erkennen kann, ob es sich nur um eine Zufahrt zu einer Weide oder einen wichtigen Abzweig handelt. An der Liftstation hatten wir Wegweiser nach Limone und Limonette gesichtet, die Richtung stimmte also erst mal. Ans Erreichen des Nachtplatzes Fort Central, im Roadbook beschrieben als „…rücken uns das mächtige Fort Central (…) und die alte Tendastraße ins Blickfeld“ war nicht zu denken, denn ins Blickfeld rückte gar nichts außer Nebel. Wir tasten uns voran, eine weitere Liftstation umrunden wir. Als nun ein Wegweiser auftauchte, der Limonette in unsere Fahrtrichtung und Limone gegen unsere Fahrtrichtung anzeigte, war ich mir sicher, dass wir falsch waren: Limonette war ein Sacktal. Jetzt galt es nur, irgendwie runter zu kommen, um besser vor Sturm und Schnee geschützt zu sein. Solange der Weg bergabging: OK. Als es wieder bergauf ging (und man aufgrund von Nebel und Dunkelheit nicht sehen konnte, ob das nur ein kurzes Stück war oder nicht), haben Matze und ich beschlossen, uns eine geschützte Ecke am Wegesrand zu suchen und auf besseres Wetter am nächsten Morgen zu hoffen. Schnell noch eine Statusmeldung an Torsten abgesetzt, dass sich keiner Sorgen machen muß, ein Süppchen gekocht und ab in die Federn.

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 7: Zwischen-Finale und Badetag

Am Ende der heutigen Tour werden wir auf die Teilnehmer der Haupttour treffen, die nicht an der Vortour teilnehmen konnten. Doch bevor wir unsere Füße im Mittelmeer baden, steht noch mal ein spannender Fahrtag an. Natürlich fahren wir keine Autobahn,IMG_2247

 

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sondern suchen die schönsten, also kleinsten Paßsträßchen nach Menton. Zunächst geht es über Lantosque zum Col de Turini. Auch hier findet eine Rallye überteuerter Sportwagen statt.IMG_2255Wir entscheiden uns für den Ausflug über den Pointe des Trois Communes. Diese Ringstraße führt uns an mehreren Forts vorbei, zum Fort des Trois Communes, dort wandern wir hinauf, durch ein Loch in der Gittertür kann man sich hineinmogeln und mit etwas Geschick auch in das erste OG klettern – dann ist Feierabend. Ein paar Bilder gemacht und dann geht’s weiter auf die Strecke.IMG_2261Über weitere Pässe biegen wir am Col de Braus nochmal auf eine Route durch die Pampa ein. Schließlich erreichen wir Ste Agnès,IMG_2281ein wirklich malerisches Bergdörfchen. Wir erklimmen die Festung, von wo aus wir Menton und das Mittelmeer schon gut sehen können.IMG_2289Von dort geht es meerwärts und durch das Stadtgewirr zum Camping Municipal, auf dem wir 2008 schon genächtigt haben, heute mit free WLAN und -ja!- endlich duschen mit warmen Wasser!

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Hier endet die Vortour und beginnt die eigentliche Jubiläumstour. Insgesamt reihen sich beim Goldenen Oktober 2015 sämtliche Höhepunkte der Westalpen wie an einer Perlenschnur auf…stay tuned 😉

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 6: Vollgas bis zum Mittelmeer

Kaum unterwegs, wuseln Horden von Ferraris um uns. In deren Begleitung fahren wir über den Col de Larche und den Colle Lombarda durch die Retortensiedlung Isola 2000.
20150926_110030In Roquebillière verlassen wir wieder die Hauptstraße und schrauben uns durch den Wald Richtung Col d’Andrion empor. Ein lokaler Endurofahrer beobachtet uns verdutzt, überholt uns wenig später, kurze Zeit danach sehen wir ihn an einer Berghütte stehen. Sein Blick ist immer noch ungläubig 😉

An der höchsten Stelle steht eine einsame, verfallene Kirche im Wald, ab hier gibt’s wieder Asphalt.
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Über den Col de l’Abeille geht es nach La Tour, dem Ort mit der „Waschmaschine“. Hierbei handelt es sich offensichtlich um eine Kombination aus Wassermühle, Wasch- und Tränkstation und wer weiß noch was alles. Schön gebaut auf jeden Fall.IMG_2210Jetzt geht es nochmal asphaltiert aber schmal und steil Richtung Utelle und von dort über die Stichstraße auf das Plateau von La Madone d’Utelle.IMG_2204Hier befinden sich eine Wallfahrtskirche, ein Orientierungstempel und aus neuerer Zeit eine Sendeanlage. Alles mit gigantischer Rundumsicht. Wir suchen uns eine halbwegs geschützte Stelle auf diesem Plateau, denn ein Unwetter zieht auf. Düstere Wolken und heftige Windböen…Blitze. Doch wir haben Glück: vom Unwetter bleibt uns nur ein Regenbogen.IMG_2227Und am nächsten Morgen blinzelt die Morgensonne durch die Campergardinen.IMG_2234Von solch einem genialen Nachtplatz mag man sich gar nicht losreißen, wäre nicht das Mittelmeer von dort schon zu sehen gewesen! Also los zum letzten Tag der Vortour: Tag 7

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 5: Bonette und Seealpen-Col-Hopping

Tja, und da hatten die Franzosen -mal eben zwischen Vorbereitung und der tatsächlichen Tour- ein Verbotsschild in die Botanik gepflanzt. Und wenn das auch einen Local mit seinem Renault nicht interessiert hat – wir als brave Bürger haben uns natürlich daran gehalten und sind nicht wie im Roadbook beschrieben bergan nach Braux gefahren. Auch auf die von mir vorgeschlagene Variante über Aurent –ich war am Vortage aus Langeweile 🙂 schon ein Stück in die Richtung gefahren- wollte Torsten sich nicht einlassen. So daddelten wir wieder über Castellet-les-Sausses talwärts und dort erstmal wieder gen Westen und dann über den Col de Laval, Col du Trébuchet und La Penne wieder ins selbe Tal hinabzuschurbeln. Die eingeplante D26 nach Beuil durch die Gorges du Cians war leider gesperrt, so nahmen wir die nächstbeste, das war die D26, sehr malerisch über Tournefort zum Zwischenziel St.-Sauveur-sur-Tinée. Von dort im Schweinegalopp nach St.-Etienne-de-Tinée, vor uns ein Sattelschlepper, der ohne Rücksicht auf Gegenverkehr vor den Kurven immer weit auf die linke Spur ausscherte…

Vor Pont Haut sind wir auf die „Außenkurve“ über St.-Dalmas-le-Selvage und den Col de la Moutière abgebogen – schließlich waren uns Bunker versprochen. In dem Ort fehlte uns eine Routenanweisung, wodurch wir ins verwinkelte Ortszentrum fuhren, wo es bald nur im Rückwärtsgang raus ging. Danach ging es auf einer traumhaften, einsamen –fast verwunschenen- Strecke bergan.

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Am Col haben wir den Bunker ausführlich durchkämmt, man konnte da ganz gut rein. Nur die Etagen über den Hintereingang waren mangels Leiter nicht erreichbar. Jetzt begann der Schotterabschnitt. Inzwischen war auch die Vegetation reduziert auf Gräser und Moose.

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Schließlich trafen wir auf die Asphaltstraße zum Col de la Bonette. Der Paß liegt auf 2715 Meter und gilt als höchste, durchgängig befahrbare Transitpaßstrecke der Alpen, eine Ringstraße um den Cime de la Bonette erreicht 2805 Meter, der Cime an sich hat 2860 Meter, ist per Trampelpfad erreichbar und bietet eine gigantische Aussicht über die gesamte umliegende Bergwelt.

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Nach diesem „impression overflow“ segelten wir hinab ins Ubaye-Tal, um dort an einer Kanu-Einstiegstelle unser Nachlager aufzustellen.

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 4: Höhenkoller am Parpaillon

Heute steht einer der unbestrittenen Höhepunkte jeder Seealpenfahrt auf dem Programm: Der Tunnel du Parpaillon (2643m). Dieser 500m lange, unbeleuchtete und einspurige Tunnel mit Naturbelag, gebaut im Jahre 1891, ist beidseitig über ein 10 km lange Schotterpiste erreichbar. Vor allem die Süd-/Ostrampe hat es streckenweise in sich.zoly4pen

Doch zunächst geht es vom sonnengebadeten Nachtplatz talwärts nach Crévoux. Hier zweigt die Paßstraße ab, und schon nach kurzem beginnt der Schotter. Durch ein Hochtal, schon weit über der Baumgrenze, kommt der Parpaillon in Sicht, mit einer dünnen Schneeschicht überzuckert.

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Oben ist eine kleine Parkfläche, und das Tunnelportal bietet die Möglichkeit, schöne Bilder zu machen. Auf den Stahltüren der Tunnelpforte findet sich tatsächlich noch der Aufkleber vom Goldenen Oktober 2008, der natürlich umgehend um das aktuelle Exemplar ergänzt wird. Im Tunnel: viele Pfützen (Naturbelag!), Eiszapfen hängen von der Decke – doch trotzdem kommen selbst die Hochdachbullis problemlos durch. Auch ein kleiner Felssturz läßt noch genug Platz für unsere Bullis. Am anderen Ende machen wir noch ein paar Fotos, ein paar Faxen mit den Eiszapfen und dann geht es weiter. Nachdem das Gröbste geschafft ist, machen wir erst mal Mittagspause. Immerhin habe ich beim Abstieg dann auch endlich Murmeltiere gesehen!

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Über die „Villas Mexicaines“-Stadt Barcelonnette fahren wir Richtung Col de la Cayolle (2327m). Auch hier fasziniert wieder die einsame, karge Gebirgswelt.

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Von dort geht es talwärts durch die Gorges de Daluis, entlang einer tiefen Schucht aus roten Felsen mit teilweise bizarren Gesteinsformationen. Wir wundern uns, dass die talwärts führende Fahrbahn viel mehr und viel höhere Tunnel hat als die Gegenseite. Und lernen später, dass dies die Trasse einer alten Eisenbahnlinie war – daher!

Ab Castellet-les-Sausses zweigen wir ab Richtung Col de Fa, unterwegs entdecken wir einen prächtigen Renault Caravelle. Auf den letzten, etwas knifflige Höhenmetern – es ist schon wieder Schotter- ist ein Tourteilnehmer beim Ausweichen in den Grashang gerutscht und konnte sich -aufgrund der Schräglage und des nassen Grases- nicht mehr selbst befreien. In Nullkommanichts haben die nachfolgenden Bullifahrer den Havarierten mithilfe eines Schleppseils aus seiner mißlichen Lage befreit. Das ist Teamwork – das ist der Goldene Oktober. Oben auf dem Fa-Paß –eigentlich mehr ein Sattel– stieß der Herr Generalintendent Büchel zu uns. Mit prächtiger Aussicht nach beiden Seiten genießen wir den Sonnenuntergang, bis Zug um Zug jeder in seine Koje kriecht.

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10 Jahre Goldener Oktober – Tag 3: Col de l’Izoard und Galibier

Eigentlich stand heute der höchste Punkt der (An-)Reise auf dem Programm, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. So geht dieser Preis an den morgigen Tag.

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Schon in der Anfahrt warnen uns Schilder „Col du Galibier fermé“, dass wir wohl den Scheiteltunnel (2556m) nehmen müssen. Weiter oben sehen wir dann den Grund: Heftiges Schneetreiben hat dafür gesorgt, dass die Straßendienste alle Hände voll zu tun haben, um die Tunnelzufahrt frei zu halten – auf dem Paß (2645m) an sich keine Chance.

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Nun denken wir ja von uns, wir sind mit unseren T2-Bussen schon ziemlich hardcore unterwegs, doch völlig in den Schatten gestellt wurde wir von dem, was uns aus dem Tunnel (einspurig, Ampelregelung) entgegenkam: ein englischer Vorkriegs-Sportwagen, ohne Verdeck – ist klar! Gut bemützt und bebrillt stürzt sich das mutige Duo in die Paß-Abfahrt.

Nach dem Galibier ging es Richtung Briançon -dort konnten sämtliche Vorräte für Mensch und Maschine aufgefüllt werden- und danach weiter Richtung Col d’Izoard (2361m).

9ae565kpDort oben hatten wir dank des inzwischen wieder klaren Wetters eine prächtige Fernsicht in alle Richtungen. Direkt südlich des Cols beginnt die Casse Déserte, eine Erosionslandschaft – man wähnt sich auf einem anderen Planeten. Über Guillestre ging es nach Risoul, einem Wintersportort, der bei unserer Durchfahrt noch einer Geisterstadt glich. Durch ein Wirrwarr von bedingten oder absoluten Einbahnstraßen haben wir uns alle irgendwie zu dem nicht leicht zu findenden Einstiegspunkt des Aufstiegs zum Col de Valbelle (2381m) gemogelt. Gleich am Ortsende begann die Schotterstrecke, die uns bis zu unserem Nachtplatz am Chalet de la Coche (1791m) begleitete.

Doch vorher stand noch ein Abstecher zum Clot de l’Alpe (2361m) auf dem Programm. Das Natursträßchen war schmal und ausgewaschen und hatte einige knifflige Passagen, aber letztendlich standen wir dort, wo die Lifte enden: Am Belvédère de l’Homme, zwischen Sendemast und Liftstation, mit phantastischem Rundblick.                                                  wbfm4zvt

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Zurück zur Hauptstrecke trennen uns nur wenige 100 Meter vom Col de Valbelle.

fvkscwk6Über einen Weiderost und durch eine Weideschranke geht es über mehrere Bachfurten hinab zum Nachtplatz. Kurz vorher kommt uns ein Container-LKW mit Anhänger entgegen – ist uns schleierhaft, was der da oben will, wie/wo der wieder runterfährt oder wie der wendet. Aber man muß ja auch nicht alles verstehen…

Am Nachtplatz gibt es fließend Wasser, eine Grillstelle und am nächsten Morgen herrlichen Sonnenschein – was will man mehr? Wie’s dann weitergeht, steht bei Tag 4 😉

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 2: Col de la Madelaine und die Serpentinen von Montvernier

aemr52kiAm nächsten Morgen geht es über die Staumauer desselben Lac de Roselend und über kleinste Sträßchen über den Col du Pré, an der Barrage de St.-Guérin vorbei, Richtung Cormet d’Arèches.

z3gw0e14Jetzt folgen Schotter und eine tiefe Betonfurt, bevor wir uns wieder in karger aber schöner Berglandschaft nach Aime herunterschrauben.

osmv00ydNach kurzer Fahrt im Tal nehmen wir den nächsten Paß in Angriff: Den Col de la Madelaine. Langsam aber stetig erklimmt die schmale Straße den 2000 m hohen Paß.

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Oben befindet sich ein geräumiger Parkplatz mit gigantischer Fernsicht in beide Richtungen. Und es pfeift ein ausgesprochen frischer Wind. Ein idealer Platz um am roten Kastenbulli die vorderen Radbremszylinder zu tauschen 😉 Irgendwie war da was undicht und die ganze Bremse siffig geworden. Nun ist Torsten ja nicht zimperlich, dafür aber ausgesprochen sachkundig, also war die Operation ruck-zuck über die Bühne.

o7xy5ufeUnter imposanten Felsüberhängen fuhren wir weiter über fast vergessene Straßen zum berühmten Abstieg von Montvernier. Diese Serpentinenstrecke gehört definitiv zu den Pflichtveranstaltungen eines jeden Alpenfahrers. Auch die Tour de France kam hier schon vorbei. Aus dem Tal betrachtet sehen die engen, steil übereinander liegenden Serpentinen aus wie Treppenstufen in der Felswand. Die Straße ist fast ausnahmslos einspurig, talseitig geht es fast immer senkrecht hinunter und die Kehren sind weit ausgemauert. Ein atemberaubendes Stück Straße! Vorsichtig tasten wir uns von Kehre zu Kehre – gottseidank haben wir wenig Gegenverkehr, denn Ausweichstellen sind rar.

u1kgp0h5Unten im Tal geht es entspannt weiter, dann folgen wir bereits der Beschilderung zum Col du Galibier, doch der steht erst für den nächsten Tag auf dem Programm. Vorher müssen wir noch ein Mal schlafen – auf dem Col du Télégraphe. Der angepeilte, etwas zurückliegende Holzplatz steht uns leider nicht zur Verfügung, da gerade umfangreiche Forstarbeiten durchgeführt werden, so nächtigen wir direkt an der D902. Dafür entschädigt uns das Fort du Télégraphe -bis heute militärisches Gebiet- mit einer phantastischen Fernsicht in das Arc-Tal.  e9njmrc4 lfhvrfnm

10 Jahre Goldener Oktober – Tag 1: Aufwärmen am St. Bernhard

10 Jahre Goldener Oktober – und die elfte Tour. Zum Jubiläum stand auf dem Plan, was wir vorher -zeitbedingt- nie geschafft haben: Die berühmt-berüchtigte Ligurische Grenzkammstraße. Sie gilt als Königin der Militärstraßen in den Alpen, ist jedoch meist ab dem 1. Oktober gesperrt. Anlässlich des Jubiläums wurde der Goldene Oktober auf zwei Wochen erweitert: Woche eins basierte größtenteils auf der legendären Seealpentour aus dem Jahre 2008, und der zweite Teil schraubte sich vom Startpunkt in Menton an der Côte d’Azur Richtung Norden über so ziemlich jedes Highlight, welches die Westalpen zu bieten haben.

Umständehalber konnte ich erst ab dem Nachtplatz Sonntagabend einsteigen. Der Nachtplatz unter der Seilbahn bei Ovronnaz (Südschweiz) -witzig: dort war ich vor fünf Monaten noch beruflich mit einem nagelneuen Audi Q7 unterwegs gewesen- bot laut Torsten weit weniger Sicht auf die umliegenden Bergketten: die Tannen waren in den vergangenen sieben Jahren dermaßen gewachsen, dass sie das Panorama fast komplett verdeckten.

viip7jjmAm -für mich- ersten echten Fahrtag wählten wir die „Außenkurve“ über den Pas du Lin/Lein (eigentlich war es eine Abkürzung), da ich 2008 bereits die -durchaus auch schöne- Route durchs Dranse-Tal gefahren war.

nc0pxettDie Außenkurve und insbesondere der Col du Tronc (vormerken als Nachtplatz für eine kommende Tour!) hat sich sehr gelohnt und auf den Geschmack gekommen, haben wir die zweite Außenkurve über den Champexsattel auch ins Visier genommen.
zu9h7826Am wunderschönen See von Champex haben wir noch unsere Mittagspause abgehalten, aber am Ortsende war dann leider Feierabend. Man sollte eben Straßensperrungsschilder doch nicht komplett ignorieren. Also zurück und auf die Hauptroute und über den Großen Sankt Bernhard Pass. Über Aosta geht es linea recta zum Kleinen Sankt Bernhard Pass und von dort zum altbekannten Nachtplatz am Lac de Roseland. Dort waren tatsächlich noch andere Reisende anzutreffen, unter anderem ein scheinbar lebloses Mega-Wohnmobil, welches unsere Ankunft jedoch mit panischem Warnblinkanlagen-Geblinke kommentierte. Der Strobo-Terror endete erst in den frühen Morgenstunden. Irgendwann schaute dann ein schläfriges Gesicht aus der Türluke – wortlos.

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Der T2 Allrad Prototyp – Interview mit dem Entwickler Henning Duckstein

FÜR ALLRAD IN DEN KNAST

Eigentlich war das alles schon mal da. Allrad im VW. Nur war das in sehr dunklen Jahren. Seitdem war jegliche Rückbesinnung auf diese Zeit tabu.

Zeitsprung.

Wer Anfang der siebziger Jahre von Allrad sprach, meinte LandRover. Ansonsten gab es nur Mauerblümchen à la Haflinger, Unimog und Co. Im PKW- oder gar Transportbereich sprach niemand über Allrad.

Nur ein paar Globetrotter liebäugelten schon lange Zeit mit dem Konzept. Die Tondoks waren 1971-1974 mit einem T2a ein Mal um die Welt gefahren und lobten den Bus über alles. Nur der Allrad – Antrieb: das wäre das Sahnehäubchen. Auch Expeditionsspezialist Därr („Durch die Sahara“) aus München konnte sich nicht entscheiden zwischen dem Komfort und Platz des VW-Bus und der Geländegängigkeit eines LandRover. Doch nichts dergleichen war in Sicht. Nur ein Mann mit diesem Wunsch saß an geeigneter Position: Der passionierte Sahara-Fahrer Gustav Mayer war Transporter-Entwicklungschef bei VW.

SAURE GURKEN FÜR DIE WÜSTE

der handgefertigte Achsschenkel (Schwenkarm)

der handgefertigte Achsschenkel (Schwenkarm)

Die Zeit: 1973, die Ölkrise hat der Autoindustrie den Schwung genommen, Kurzarbeit und Entlassungen drohten überall. Kein gutes Umfeld für Experimente. Doch die Absatzflaute hat auch was Gutes: Die Entwicklungsabteilung hat Kapazitäten frei, und anstatt seine Leute rumstehen zu lassen oder gar deren Entlassung in die Hand zu spielen, beauftragt Gustav Mayer sie mit der Entwicklung eines Allradkonzepts für den T2. Budget gab’s natürlich keins, so mussten sich die Ingenieure im Teilelager von VW bedienen: das Frontgetriebe war ein umgedrehtes reguläres, die Kreuzgelenke stammten aus dem LKW-Bereich.

Die letzte Herausforderung war der Schwenkarm, gemeinhin auch Achsschenkel genannt: im gesamten Konzern war nichts zu finden, was auch nur ansatzweise passte. So haben Gustav Mayer und sein Team das Teil kurzerhand aus dem Vollen gefräst. Damit kommt ihr nicht mal aus Deutschland raus, prophezeiten die Konstrukteure, letztendlich hat es das Testfahrzeug überlebt. Ein weiteres Bauteil kam aus dem Automatikkäfer: der Wandler. Damit konnte das Drehmoment fast verdoppelt werden. In schwierigem Gelände von unschätzbarer Bedeutung.

TESTFAHRTEN IM KLÄRSCHLAMM

der erste Prototyp, noch mit 50 PS, auf dem "Testgelände" neben der Entwicklunsgabteilung

der erste Prototyp, noch mit 50 PS, auf dem „Testgelände“ neben der Entwicklunsgabteilung

Als Testgelände fungierte ein Stück Brachland neben dem Entwicklungszentrum, auf dem Schwemmsand aus einem benachbarten Becken abgeladen wurde. Dieser rundkörnige Sand ist extrem schwierig befahrbar, doch der Bulli hatte keine Probleme, wie ein 8-Millimeter-Film aus der Zeit belegt.

Ende 1975 taten sich Mayer und Duckstein mit Bekannten aus Wien, passionierten LandRover-Fahrern, zusammen. Es ging ab in die Sahara: von Tunis durch den Chott el-Dscherid und entlang der algerischen Ostgrenze gen Süden. Dort liegt der Grand Erg Oriental, das größte zusammenhängende Stück Sandwüste der Sahara. Eine ideale Spielweise für die Landies – doch wie würde sich der T2 schlagen?

Wie die Pioniere es schon erwartet hatten: der Allrad-Bulli machte sich phantastisch. Einmal konnte der Transporter die Dünenkämme mit dem notwendigen Schwung nehmen. Bei den herkömmlichen Allradlern mit Frontmotor besteht hier die Gefahr einer Kopfrolle, oder zumindest einer harten Frontlandung. Nicht umsonst nahmen die Landy-Fahrer eine ganze Sammlung von Lenkhebeln (sie liegen im Aufschlagbereich) mit.

Andermal war gerade aus dem VW-Bus heraus der Blick auf die Fahrbahn – und damit die Reaktion auf gefährliche Situationen – aufgrund der fehlenden Motorhaube viel besser möglich. Kritische Weichsandstellen oder im Sand verborgene spitze Steine waren besser zu sehen.

VERHAFTET IN HASSI MESSAOUD

Allerdings war der Benzinverbrauch im Sand extrem, bis zu 40 Liter auf 100 Kilometer waren es. So musste die Reisegruppe die Südrichtung aufgeben und nach Westen abbiegen, um im Erdölcamp Hassi Messaoud nachzutanken. Nun war es die Zeit der kleine Grenzkriege mit Marokko, und dabei ging es um die Erdölfelder. So waren sämtliche Felder Sperrgebiet. Die Mini-Expedition wusste das nicht, kam wüstenseitig in das Camp, fuhr zur Tankstelle – und wurde umgehend festgenommen. Da sie nicht über die regulären Zufahrtswege gekommen war, hielt man sie für marokkanische Spione. Nach drei Tagen Haft ließ man sie dann doch ziehen, wie aufgetragen fuhren die drei Fahrzeuge auf der Straße gen Norden, doch kaum außer Sichtweite, steuerten sie in den Sand um auf die ursprüngliche Route zurückzukehren.

ERKENNTNISSE AUS DER FAHRT

höher gesetzte Stoßstange > größerer Böschungswinkel

höher gesetzte Stoßstange > größerer Böschungswinkel

Der 50-PS-Motor war für diesen Zweck zu schwach. Glücklicherweise wurde in der Zwischenzeit ein stärkeres Triebwerk entwickelt. Der Transporter an sich glänzte mit PKW-ähnlichen Fahreigenschaften, in den siebziger Jahren eine Besonderheit. Im Allrad waren sie durch die Fahrwerksanpassungen nur geringfügig „ruppiger“. Zum Unmut der Landy-Piloten wechselten die Beifahrerinnen nur allzu gerne in den komfortableren Bulli. Weiterer Vorteil: das Platzangebot, das einen reisegerechten Ausbau ermöglicht.

Nach dieser Testfahrt gab es tatsächlich das offizielle Go von der Geschäftsleitung, allerdings ohne Budget. So wurden –weiterhin aus dem Teileregal des Konzerns- fünf Prototypen gebaut. Immerhin stand inzwischen der 2-Liter-Motor mit 70 PS zur Verfügung. Diese Testfahrzeuge wurden der Bundeswehr, der Polizei, dem BGS sowie Journalisten zur Verfügung gestellt. Die Reaktionen der Journalisten waren euphorisch: So schreibt Hermann Rest in der Ausgabe 3/79: „GUTE FAHRT fuhr soeben nördlich Würzburg im amerikanischen Reforger-Manöver mit, Ergebnis: Wo Panzer durchkommen – da auch der Allrad-Bus.“

„Der Allrad-Bus kann mit den meisten etablierten Geländeautos locker mithalten, er ist Dank seiner Differentialsperren und wegen der enorm leistungsfähigen Michelin-Reifen sogar manchen Kollegen überlegen.“ ( Clauspeter Becker in der 6/79er Ausgabe von AutoMotorSport-Magazin).

DER KUNDE BUNDESWEHR

Volkswagens Verhältnis zum Militär ist historisch schwer belastet, daher wahrt man seitdem eine respektvolle Distanz. Nach dem Auslaufen des DKW Munga war VW nur als Zwischenlösung mit dem 2-Rad-getriebenen VW 181 in die Bresche gesprungen. Mit dem T2 Allrad hatte man jetzt ein starkes Argument. Doch wenngleich der VW Transporter Allrad den Bundeswehr-Verantwortlichen gut gefallen hat und laut Duckstein auch favorisiert wurde, die Konzernleitung schob den parallel von Audi entwickelten Iltis aus konzernpolitischen Gründen nach vorn.

Mit dem T3 steckte VW seine Fühler wiederum Richtung Streitkräfte aus – lag dort doch ein umfangreicher Bedarf vor. So wurde der 16“-Syncro speziell mit Blick auf das Militär entwickelt – inklusive einer luftlandefähigen Version. Diese Anforderung der Armee erforderte ein leicht abgesenktes Dach um eine gewissen Maximumhöhe nicht zu überschreiten. Doch diesmal ging der Pokal an den Wolf von Mercedes.

GEIL – UND DOCH NICHT GEBAUT?

Ja und nein. Der Vertrieb, der bei solchen Entscheidungen ein gehöriges Wort mitzusprechen hat, war gerade mit der Markteinführung des T3 vollkommen ausgelastet, und die Entwicklung arbeitete schon am T4. So dauerte es noch ein paar Jahre, bis der Syncro-Antrieb, dessen Lamellentechnik auf die Pumpen von Erdölleitungen in Alaska basiert, 1985 im T3 debütierte. Markenname für das Antriebskonzept war ursprünglich Tetra, aber die Analogie zu den Milchpackungen fand man letztendlich doch nicht optimal, und obwohl die Markenzeichen schon an den Autos klebten, änderte man es auf Syncro.

WO SIND SIE GEBLIEBEN?

auf Testfahrt im Grand Erg Oriental in Algerien (Video)

auf Testfahrt im Grand Erg Oriental in Algerien (Video)

Der rot-weiße Testwagen von 1975 wurde von einer Kollegin auf dem „Testgelände“ neben der Entwicklungsabteilung „zerlegt“. Die `79er Prototypen wurden laut Duckstein verschrottet, nachdem sie auf dem Gelände der Entwicklungsabteilung „im Weg standen“. Allerdings soll Gustav Mayer einen Prototyp an einen Privatmann verkauft haben, inklusive der Reste aus dem Teileregal. Duckstein bestätigt das widerwillig. „Prototypen sind keine ausgereiften Fahrzeuge. Sie gehören nicht in Privathand“.

verwendete Quellen:

Eigenes Interview mit Henning Duckstein auf dem Berliner VW-Bus-Festival

8mm-Film von den Testfahrten von Mayer und Duckstein

GUTE FAHRT 3/79

AutoMotorSport Magazin 6/79