Einen schönen guten Morgen!

Die persönliche Grundreinigung, die auf dem Camping Municipal (Gemeindeeigener Campingplatz) möglich war, war auch überfällig. Aber ich musste mich schick machen, denn ein ganz besonderer Termin stand heute an.

Wildgänse auf dem benachbarten Fußballplatz

Wildgänse auf dem benachbarten Fußballplatz

Doch erst einen Schritt zurück: Am Vorabend erreichte mich die Mitteilung, dass die Ausfahrt des S.A.M.R.C. am Sonntag nicht stattfinden würde, wegen des schlechten Wetters. Nun hatte ich schon etwas gegoogelt, da es ja so stürmisch war, und das bedeutet meist Wetterumschwung. Ja: es sollte etwas kühler werden, auch etwas Regen war möglich, aber deshalb eine Ausfahrt absagen? Bei Kachelmann sah ich dann später, dass ein recht heftiges Unwettergebiet gerade so an der besagten Region vorbeischrammte…Na toll – Ausfahrt also abgesagt 😦 . Aaaaber: ich bekam eine Einladung von Erik Verhaest, ihn stattdessen zum Lunch zu besuchen.

Erik und seine DS Cabriolet

Erik stammt aus Belgien, war 30 Jahre Directeur Public Relations bei Citroën Nederland in Amsterdam, wohnt jetzt im schönen Sainte-Alauzie in einer phantastisch restaurierten alten Scheune, vor allem aber ist Erik der Mann hinter „La Carte Postale du Jour“ auf Facebook. Jeden Tag veröffentlicht er auf seinem Account eine alte Ansichtskarte, die alle eins gemeinsam haben: es ist mindestens ein (inzwischen historisches) Automobil drauf. Denn die Karten datieren oft aus dem Fünfzigern und Sechzigern, manche aus den Siebzigern und ab und zu auch deutlich ältere. All diese Karten, meist aus Frankreich, aber auch vom Rest der Welt, strahlen eine längst verflogene Atmosphäre aus, den Geist einer Zeit, in der nicht alles von Hast und Eile, von DIN-Norm und Geradlinigkeit bestimmt wurde. Sie zeigen nicht nur die Entwicklung des Automobilbaus, sondern auch die Veränderung unserer Dorf- und Stadtumgebung. Wir sehen noch Masten voller Freileitungen quer durch die Ortschaften, Straßen ohne Bürgersteige, keine Parkplatznot, kleine Krämerläden – und in Frankreich immer einen tabac. Viele seiner Facebook-Abonnenten analysieren dann die abgebildeten Fahrzeuge äußerst sachkundig, oft postet auch jemand ein aktuelles Bild des selben Ortes (im Gegensatz zu Deutschland hat google street view in Frankreich so ziemlich jeden Winkel abgefilmt) und man sieht, wie sehr sich alles gewandelt hat. Nur in wenigen, seltenen Fällen hat sich der Charme einer Ansicht bis heute erhalten. Erik hatte zum Lunch geladen, dafür an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an seine Frau Yvonne und ihn. Und die Einladung hatte noch etwas Gutes: es goss nämlich die ganze Zeit in Strömen, während wir in Eriks gemütlichen Scheune saßen. Zur Kaffeezeit bin ich dann weiter gefahren, waren doch schon die ersten leisen Rufe des Goldenen Oktober zu hören. Das Nachtlager schlug ich an einem Grillplatz bei St-Pierre-Toirac, direkt am Lot auf. Bis auf etwas Nach-Regen eine herrlich ruhige Nacht.
Tags darauf ging es weiter flussaufwärts im schönen Lot-Tal, immer wieder über uralte, schmale Steinbrücken, und als ich der Quelle näher kam, stand auf einmal diese Chateau-Ruine mitten im Tal auf einem Felsen „im Weg“. Mega-strategisch platziert, war das Chateau Tournel bestimmt ein mal eine extrem wichtige Verteidigungsanlage. Heute kann man sie über einen ausgeschilderten Rundweg erwandern und auch fast alle Räumlichkeiten betreten. Nur nach oben auf den großen Turm gibt es leider keine Treppe. Trotzdem absolut lohnenswert.

Chateau ruine de Tournel

Tournel2

Tournel3

Ja und dann wollte ich eben so nah wie’s geht an die Lot-Quelle ran. Dazu hatte ich einen Außenschlenker anvisiert, der den jungen Fluss noch ein Mal queren sollte. Doch wie ich dort so fuhr, gab es überall links und rechts Abzweige ohne Verbotsschild, und dann hab ich mir bei maps mal die vermeintlich genaue Quelle anzeigen lassen – und die Route dahin. Nun – das war schon recht oktobrig, kann ich sagen! Die Quelle ist leider mehr zu erahnen, denn ausgeschildert ist vor Ort nichts (wohl aber der Wanderweg dorthin!).

auf der Suche nach der Quelle des Lot
auf der Suche nach der Quelle des Lot

Danach hab ich den auserwählten Nachtplatz ins Navi eingegeben…und dann ging‘ los. Hallelujah! Das war wirklich 1a Goldener Oktober. Schlammige, schmale Waldwege, Schotter, heftige Querrinnen, starke Gefälle -alles mit dabei. Ich sage mal: GO: ich habe geübt 😉

Es klappert hier gar nix, es gibt auch kein‘ Bach…

Doch, gibt es! Und ganz in der Nähe von Bach (der Ort heißt so) steht eine Mühle. Bei Mühlen denkt man -na klar- zuerst an Holland. Dann vielleicht noch an Spanien/Portugal. Und natürlich an die Bockwindmühlen bei uns im Fläming. Bei denen wird nicht die Turmhaube gedreht, sondern die ganze Mühle, die quasi auf ihrer eigenen Achse steht. Unsere Bockwindmühlen sind aus Holz (sonst wären sie auch zu schwer zum Drehen), denn Holz gab es immer genug im Fläming. Steine zum Bauen eher weniger, da musste man schon Ziegel brennen, denn der Boden besteht fast nur aus Sand. Ganz anders hier im Land zwischen Dordogne und Le Lot: früher, wo man für alles Holz brauchte: für Werkzeuge in Heim und Landwirtschaft, zum Heizen und zum Bauen (Dachstuhl), wurde, wenn es ging, Stein statt Holz verwendet. Denn davon gibt es hier reichlich. So ist die Mühle „Lo Molin de la Gaventa“ aus (Natur-) Steinen errichtet, die Dächer der Häuser waren früher mit Steinschindeln gedeckt, und so weiter.

spooky sunrise

Die vorliegende Mühle wurde gemäß Zahl auf dem Türsturz 1786 errichtet, lag danach aber sehr lange brach. Selbst die Großmutter des Besichtigungsführers, Jahrgang 1913, hat sie nie in Betrieb gesehen.

Türsturz

Die erste Instandsetzung der Mühle fand 1982 statt. Der Initiativnehmer hatte wohl allerdings mehr die daneben errichtete Ferienanlage im Blick. Als diese nicht mehr lief, verfiel sie und mit ihr die Mühle.

2007 hat ein englisches Ehepaar die Mühle erworben und sorgfältig restauriert. Besonders: trotz des wiederholten Verfalls befand sich der Mühlstein (zu 700 kg) noch oben im Turm. Während der Restaurierung wurde er behutsam angehoben, um die Balken rundherum zu erneuern.

Lo Molin de la Gaventa

am Fuße der Mühle

2016 vermachten die Engländer die Mühle der lokalen Gemeinde um sicher zu stellen, dass sie nie wieder privatwirtschaftlichen Interessen geopfert wird. Ein Freundeskreis kümmert sich inzwischen um das geschichtsträchtige Bauwerk, und drei Mal im Jahr kann man die Mühle in Betrieb sehen, denn sie ist wieder voll funktionsfähig!

Bei facebook: https://www.facebook.com/Amis-du-moulin-de-Saillagol-483617372052822/

Ach übrigens: Heute die allerersten T2 in Frankreich gesehen – und gleich zwei! In Fumel und in Carhors.

Am Folgetag galt es, in der Region zu bleiben, denn am Sonntag findet die Oldtimerausfahrt des SAMRC statt.

nichts für fette SUV

So war die erste Station der LeClerc in Villefranche: Wochenendeinkäufe. Merke: auch hier gibt es crushed ice. Danach hatte ich mir die Uferseite mit der kleinen Straße durch die Gorges de l’Aveyron ausgesucht. Weil grün markiert, hatte ich außerdem einen Schlenker über Cordes-sur-Ciel ausgewählt. Dort stand ein Tramperpärchen, und die habe ich spontan mitgenommen. So was mache ich fast nie, aber die beiden schienen sympathisch und wollten ja nur in kurzes Stück mit. Sie Portugiesin, er Österreicher, beide auf einem Freiwilligenjahr in Frankreich. Und dann gingen mir wieder die ganzen Gedanken durch den Kopf: was, wenn jetzt ein Unfall passiert? Der alte Bulli hat keine Gurte, und der Beifahrer fliegt bei ner Vollbremsung in hohem Bogen durch die Frontscheibe (insbesondere, wenn er nicht „mitfährt“, sondern meistens auf’s Handy starrt, wie sie). Auch er, hinten mittig sitzend, würde dezent zwischen Kühlschrank und Hochschrank durchsegeln…

Wie haltet ihr das: nehmt ihr Anhalter mit? Habt ihr keine Befürchtungen? Hatte überhaupt schon jemand schlechte Erfahrungen? Schreibt es doch mal in die Kommentare – bin sehr gespannt.

Nach dem Schlenker ging es wieder an l’Aveyron zurück, der noch mal mit irren Felswänden begeisterte, in denen sogar Leute hingen. Ich würde tausend Tode sterben…

Gorges de l'Aveyron

Zur Nacht lud der Camping Municipal de Caussade: hübsch, sauber, schattig und günstig. Ach ja: und Duschen gab es auch 😉 Was will man mehr?

Police Militaire und Bürgermeisterbegrüßung

Nochmal zurück zu Domblans von vorletzter Nacht: der Platz wurde hoch gelobt bei park4night. Gut, ’nem geschenkten Gaul…zudem gab es gratis Trinkwasser (plus Fäkalienentsorgung für die Wohnklos). Und wenn man den Blick in die richtige Richtung wendete, sah man ein burgähnlich auf einem Berg liegendes Dorf. Hübsch. Im Rücken – und direkt nebenan statt in weiter Ferne – lagen halb verfallene Gewerbehallen. Gleich daneben eine Fabrik unbekannter Güter, in der alle zwei Minuten das Geräusch einer anlaufenden Tischkreissäge ertönte. Nicht sehr laut, dafür die ganze Nacht.
Bevor ich mir jedoch den Ruf eines notorischen Nölpferds einhole: ich schreibe das nur, weil es auch Plätze gibt, die wirklich uneingeschränkt schön sind – und trotzdem nichts kosten. Oder nur minimal, wenn man Strom oder Wasser in Anspruch nimmt. Wie der heutige Nachtplatz hier in Laqueuille zum Beispiel. Oder der von letzter Nacht, in Les Noës: Zwar direkt an der Dorfstraße gelegen, aber mit einer dichten Koniferenhecke abgeschirmt, und nach 19 Uhr war hier quasi kein Verkehr mehr. Dafür gab es Toiletten und eine Spüle, und natürlich Wasser. Chapeau! So gegen halb acht morgens ging’s dann los: der Schulbus kam, eine Fahrgemeinschaft traf sich, und alle, die früh „unten in der Stadt“ arbeiten mussten, machten sich auf den Weg. Nach dem Morgenkaffee tat ich es ihnen gleich, allerdings nur bis zum Informationszentrum des Doppelstaudamms unweit des Dorfes. Hier war vor allem die 1891 fertiggestellte Mauer des Barrage du Chartrain interessant, wo man direkt unten am Damm langlaufen durfte (nach meinem Gefühl ist so was bei uns meist verboten…nicht?). Ist schon ein wenig ein mulmiges Gefühlt. Da hilft auch das Wissen nicht, dass der Stausee wegen der Trockenheit halb leer ist. Totaler Wassermangel auch hier.

Barrage

Unterwegs gen Westen und zur Dordogne fiel mit die Burg Chateau de Murol auf, hoch auf einem Berg thronend. 9,60 € Eintritt schienen mir etwas happig, im Nachhinein hat sich die Ausgabe aber gelohnt. Mit der Eintrittskarte gab es ein deutsches Faltblatt, dass die Stationen des ausgeschilderten Rundgangs beschrieb. Die verschiedenen Räumlichkeiten waren komplett ausgestattet mit dem, was man im 15. Jahrhundert eben in Küche, Salon, Esszimmer und Schlafgemach so hatte. Sehr schön und anschaulich gemacht. Und der Rundgang brachte den Besucher an jede Stelle, die man betreten durfte. Nichts verpasst!

Chateau de Murol

Chateau Gemach

Chateau Küche
Als nächstes galt es, einen veritablen Pass zu erklimmen. Stolze 1401 Meter wollten bezwungen werden. Für den Goldener – Oktober – Bulli war der Col de la Croix Morand natürlich kein Problem. Weil wir beide gerade so schön in der Stimmung waren, sind wir noch zur Talstation des Skigebiets am Puy de Sancy gefahren – da war aber noch nichts los.

Col de la croix Morand
Für die Nacht war Ziel, einen Platz zu finden, der Strom bietet, ohne dass man für über 20 € auf einen Campingplatz muss. Und so stehe ich nun hier in Laqueuille. Ohne Industrie und Gewerbe und Dreck, mit Aussicht, Strom für 4 €. Allerdings gibt es nur eine Steckdose, direkt an der Ver- und Entsorgungssäule. Als ich etwas ratlos um mich blicke, kommt eine Frau daher und stellt sich als die Bürgermeistergattin vor. Ich schildere mein Problem, und sie verspricht, sogleich mit dem Bürgermeister darüber zu sprechen. Und siehe da: schon nach fünf Minuten stellt sich der Ortschef persönlich vor und bestätigt, dass ich über Nacht auf der Entsorgungsstation stehen kann. Wer will schon nachts Schmutzwasser ablassen? So kann ich schön die Zweitbatterie und den Läppi nachladen. Alles neu hier, alles sauber. Top.

Laqueuille

Frühstück unterwegs

Am Tag acht entscheide ich mich für den Schlenker durch die Gorges d’Avèze. Ganz ehrlich: kann man sich schenken. Keine Ahnung, wer bei Michelin über grüne Linien für sehenswerte Strecken entscheidet und nach welchen Kriterien: Hier ging’s einfach nur kurvig durch den Wald runter und auf der anderen Seite genau so wieder hoch. Gähn. Interessanter war dann schon die Route des Ajustants weiter flussabwärts, an der Barrage de l’Aigle und schließlich an der Barrage du Chastang (Barrage = Staudamm). Der von park4night empfohlene Nachtplatz lag direkt unterhalb einer Kletterstrecke. Die musste ich natürlich auch gleich antesten, aber wenig überraschend (ich bin so gar nicht schwindelfrei) war schon nach fünf Metern Schluss…

Später am Abend kam ein junges Pärchen mit einem alten Transit mit Camperaufbau dazu, deren erste Frage war, ob ich bei der Police Militaire sei oder war (Kennzeichen PM). Nachdem das geklärt war, haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten (soweit mein Französisch das hergab, denn die beiden sprachen keinerlei Fremdsprachen), und sie gaben mir einen Tipp, wo ich crushed ice bekommen könnte. Mein letztes Kühl-Eis stammte noch von einem Intermarché mit Frischfisch-Abteilung und hatte sich inzwischen vollkommen in Wasser aufgelöst. Eigentlich braucht meine „Kühlbox“ alle zwei Tage frisches Eis.

Dann ging es weiter flussabwärts an der Dordogne entlang. Inzwischen war ein stattliches Gewässer aus ihr geworden, auf der viel Kanu gefahren wird. Am Ufer links und rechts finden sich zahlreiche Chateaus. Sehenswert laut Michelin wären außerdem die Gärten von Marqueyssac, immerhin mit drei Sternen ausgezeichnet. Aber 9,40 € für ne hübsche Parklandschaft war mir dann doch zu happig. What a surprise: Mehr als die Hälfte der Besucher kam offensichtlich aus England…

Danach habe ich noch einen Abstecher zu den Gouffres de Padirac gemacht, ein gigantisches Höhlensystem, das ich in meiner Jugend schon mal besucht hatte, hier hat mich allerdings die Warteschlange abgeschreckt und ja, irgendwann hat man auch genug Höhlen gesehen.

Zum Abschluss gab es noch etwas Strecke mit geilen Felsüberhängen und ein gigantisches Eisenbahnviadukt. Damit habe ich mich von der Dordogne verabschiedet, jetzt wechsle ich rüber zu Le Lot.

bei Gluges2

bei Souillac
Nachtplatz ist auf halber Strecke zwischen beiden Flüssen, in wiederum unfassbarer Einsamkeit und Stille…

Schöne Landschaft geht auch ohne Google Maps

Es wäre ja auch zu einfach, wenn alles immer so läuft, wie man sich das vorstellt.

Nachdem ich beim letzten Urlaub alle paar Tage 200 MB Datenvolumen (teuer) nachladen musste, hatte ich diesmal vorab auf 1 GB Standardvolumen erhöht und dachte Wunder, wie weit ich damit komme. Zumal ich in Frankreich free.fr nutzen wollte, doch ob/wie das funktioniert, wird sich erst morgen zeigen. Das Elend begann damit, dass Google Maps seit der Überquerung des Vogesenkamms schlicht nicht funktionieren wollte. Zu schlechtes Netz, angeblich. Aber nicht nur in den einsamen Bergtälern, sondern auch mitten in der (Klein-)Stadt. Und hey: wir sind nicht in Deutschland, wo so was normal ist! Aber ich hatte ja noch here als Navi-App auf’m Handy, und siehe da: die läuft. Warum auch immer. Aaaaaaber: Beim Check heute Abend stelle ich fest, dass here für einen Tag so viele Daten gefressen hat wie Google für vier Tage 😦 Geht gar nicht! Außerdem kann man bei here keine Zwischenstopps einfügen. Und here zeigt nicht die verbleibende Fahrzeit & Kilometer an. Dafür aber die aktuell zulässige Höchstgeschwindigkeit (hat auch was). Wenn Google morgen immer noch nicht geht, muss maps.me ran.

Nun aber zur Strecke: morgens in den Vogesen war ich noch vor den Motorradfahrern losgekommen, schade eigentlich. Über den Col de la Schlucht (dieser Name!…Den Pass hatte ich vor zwei Jahren schon von West nach Ost überquert, nun von Nord nach Süd) ging es östlich von Besançon über Kleinststraßen durch leicht hügeliges Land, immer wieder unterbrochen von steilen Abstiegen, Stadt, Fluss, Brücke, steiler Aufstieg und dann wieder leicht hügeliges Land.

Laissey

Überall erhalte ich übrigens ein freundliches Lächeln, und es grüßen sogar Porsche- und Rolls-Royce-Fahrer. Und man sieht Kurioses. Wie die schon etwas ältere Ente (Alu-Grill…60er Jahre?), besetzt mit fünf (!) Erwachsenen und entsprechend in den Federn hängend schnattert sie mühsam den Berg hoch. Auch eine Ausfahrt eher hochpreisiger Sportwagen kreuzte meine Route – allerdings nur für wenige Kilometer. Leider kann man als Alleinfahrer von all diesen spontanen Unterwegs-Begegnungen keine Bilder machen. Jetzt bin ich irgendwo in was man wohl die französische Pampa nennt, die kleine Kommune Domblans hat freundlicherweise einen gratis Stellplatz mit Wasserversorgung eingerichtet – das hat doch auch was.

Am Morgen danach habe ich die Gunst der Stunde genutzt und den Wasserkanister aufgefüllt – viel war nicht mehr drin, und hier gab es zumindest sicheres Leitungswasser und dazu frisches Brot vom lokalen Boulanger.

Weiter ging der Ritt – heute auch mal etwas schneller über die Routes Nationales. Gegen Mittag kreutzte mein Weg die majestätisch dahinströmende Saône, und schnell ging es wieder auf kleine, kurvige Straßen und somit durch den romanisch-verschwiegenen Ort La Clayette mit seinem See und seinem Schloss.

La Clayette

Und diese abgefahrene Kirche mit dem Mosaik-Dach in La Bénisson-Dieu.

Mosaikkirche
Dann noch mal eben die Loire überquert um zu probieren, in Renaison die heiß ersehnte französische SIM-Karte zu erwerben. Wie ich schon gelesen hatte, muss die SIM mit Kreditkarte bezahlt werden. Leider hat meine (neue) Kreditkarte bereits sechs Mal versagt, dies wurde dann das siebte Mal. Also Alarm-Mail an meine „neue“ Bank und sowahr: die (persönliche) Antwort kam binnen Minuten. Allerdings erst mal mit Rückfragen und Dingen, die ich überprüfen sollte, aber immerhin. Nun bin ich gespannt, ob die das hinkriegen.

Renaison
Zur Nacht bin ich ein paar Kilometer in die Berge gefahren, dort war ein ruhiger Stellplatz mit WC angekündigt – auch mal nett!

Ach so – zu Google Maps: Keine Ahnung wie, aber der Standortzugriff war auf einmal abgeschaltet. Das hat Maps mir aber erst mitgeteilt, als ich Maps komplett deaktivieren wollte. Der Play Store ging übrigens auch nicht. Den Zusammenhang verstehe ich immer noch nicht…aber jetzt läuft’s wieder.

Von den deutschen Bergen in die französischen Berge

Die Nacht am Speicher war ruhig – und doch nicht so frisch wie befürchtet. So, noch ein wenig Thüringer Wald genossen, und dann Strecke machen. Auf geht’s, nach Sinsheim! Wobei sich mir nicht erschließt, warum neben Sinsheim auch in Speyer, also in unmittelbarer Nähe, ein Technikmuseum existiert, wie es sonst kaum welche gibt in Deutschland.

die russische Concorde

Das Museum ist ein Riesending. Man ist sich nie sicher, ob man schon alles gesehen hat, alle Gänge und Hallen (und Freiluftexponate!) abgegrast hat. Immerhin gibt es einiges zu sehen: von Nähmaschinen und Kettensägen über Moppeds und KFZ bis hin zu LKW, Panzer, Lokomotiven und Flugzeugen. Keine Schiffe :D, aber immerhin Schiffsmotoren. Wahnsinn. Wer in der Nähe ist: unbedingt hinfahren!

Brutus

Ein Mercedes 4x6

Kübel

Das Museum bietet auch Camper-Stellplätze (allerdings ohne jegliche Versorgung), und da ich recht fertig war, hab ich das Angebot gern genutzt.

Burg Steinsberg

Am Folgetag stand Frankreich als Endziel auf dem Plan, doch nicht ohne einen großen Bogen durch den wunderschönen Schwarzwald. Aber zu aller erst: Frühstücken auf dem WoMo-Parkplatz des Technikmuseums? Och nö. Dann lieber kurz rausfahren, so groß ist Sinsheim nicht. Aus Versehen unterwegs noch die Burg Steinsberg mit einem Besuch beglückt. War aber keiner da, der sich darüber gefreut hat. Einen schönen Platz in der Morgensonne gab’s dort auch nicht, also weiter. Irgendwo dort in der Ecke hab ich dann ein kuscheliges Plätzchen gefunden und den Morgenkaffee zu mir genommen. Ach nee Quatsch – stimmt ja gar nicht: Der Energy-Drink musste weg. Denn das sind Pfandbüchsen, und die werde ich ab heute Mittag nicht mehr los. Also rinn innen Kopp! Weiter ging’s zick-zack durch den Schwarzwald, eine Region mit vielen Flößergeschichten und uralter Papierindustrie.

Druckleitungen und Zahnradbahn bei Forbach

Vor der Grenze noch schnell tanken und einkaufen (Pfand zurück!) und dann über die Maginot-Linie. In Marckolsheim gibt es dazu einen Bunker, in dem ein Museum eingerichtet ist. Klein aber fein und einen Besuch wert.

Kasematte von Marckolsheim

Jetzt ging es in die Vogesen. Natürlich hatte ich mir die kleinen Sträßchen ausgesucht, alles andere ist doch langweilig!?

Über Ribeauvillé -wo aus unbekanntem Grund Himmel und Menschen unterwegs waren- und Ste-Marie-aux-Mines und über den Col du Bonhomme schurberlte ich mich zum Nachtplatz. Zum Feierabend ein wunderschöner Ort, um in der Abendsonne die geilsten Motorräder, eine Horde Peugeot 205 GTi aus den Niederlanden und einen Renault 5 Alpine-Turbo-was-weiß-ich vorbeidonnern zu sehen und zu hören. Und für den Rest der Nacht: ohrenbetäubende Stille 😀

Nachtplatz südlich des Col du Bonhomme

Buchbesprechung „Mit dem Bulli „Otto“ durch das Meer ohne Wasser“

War lange still hier. Leider ist es mir nicht vergönnt, ganzjährig herumzutouren. So muss man zwischenzeitlich mit anderen Reisenden mitträumen. Wie zum Beispiel mit Gerhard Witt. Er fährt VW-Bus T2 und er liebt die Wüste. Er ist MEIN Mann 🙂 Das Buch habe ich dann auch in einem Zug ausgelesen…

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Ist das nicht ein Traum? Mit dem geliebten T2 in die Wüste…an Orte, wo noch keiner war…? Na gut: Das ist schon ganz schön retro. Heute, mit den ganzen High-Tech-Expeditionsmobilen mit 4×4, 6×6 und noch mehr ist es wohl eher eine Form masochistischen Minimalismusses.

Gerhard Witt hat es trotzdem gemacht. In einer Zeit, in der der afrikanische Kontinent noch nicht vollständig von Kriegen und Revolutionen überzogen war. Angefangen hat alles mit einem T1, „mal eben“ nach Kapstadt und zurück. Dabei wurde er vom Afrika-Virus erfasst, und in der Folge unternahm er zahlreiche weitere Reisen dorthin – immer mit dem Bulli.

1978 hatte er sich einen nagelneuen Kastenbulli mit Hubdach gekauft, den er komplett nach eigenen Vorstellungen ausgebaut und im Laufe der Jahre immer weiter optimiert hat. Als 10 Jahre später Ghaddafi erstmals Europäern die (private) Einreise erlaubt, ist Gerhard Witt einer der Ersten, die ein Visum ergatterten.

Und selbst Monate nach dieser Öffnung war Gerhard Witt an der libysch-algerischen Grenze wohl der erste „Tourist“, der dort einreiste, nach der ebenso überraschten wie unbeholfenen Abfertigung durch die Grenzer zu urteilen.

Trotz – oder gerade wegen der jahrzehntelangen Abschottung erfuhr er vor allem in den abgelegenen Gebieten eine Offenheit und Hilfsbereitschaft der lokalen Bevölkerung, die ihn immer wieder sprachlos machte. Im Buch „Mit dem Bulli „Otto“ durch das Meer ohne Wasser“ dokumentiert er das Land in prächtigen Bildern. Zwischen den Erlebnissen lässt er immer wieder Bemerkungen zur Fahrzeugtechnik einfließen, die von potentiellen Nachahmern dankend entgegen genommen werden dürften.

Highlight seiner Reise (und eins der Traumziele eines jeden Saharafahrers) war Wau-en-Namus, jene mondähnliche Oase weit im Südosten Libyens. Dort, wo die Seen bunt und der Wüstensand schwarz sind – aber leider auch abertausende von Mücken den Aufenthalt zur Hölle machen. Nicht nur für Fotografen ein absolutes Highlight.

Eigentlich hatte Gerhard Witt nur im Clubforum der IG T2 über seine Reisen berichtet, doch nach zahlreichen Ermutigungen ließ er sich überreden, ein Buch daraus zu machen. Inzwischen ist es wieder äußerst riskant, nach Libyen zu reisen, dafür können wir in 133 Fotos und Abbildungen schwelgen.

Das 102-seitige Werk ist zwar bei Amazon gelistet, aber nicht bestellbar. Problemlos gibt es das Buch im Clubshop der IG T2 – auch für Nicht-Mitglieder – für €24,90 zzgl Versand. http://shop.bulli.org/

PS: Dies ist keine Werbung, ich habe das Buch ordnungdgemäß gekauft und bezahlt.

 

 

Im Schwabenländle und an die Saar

Die Bundesstraße auf der anderen Seite des Sees hatte nachts auch ordentlich Verkehr, das war eher suboptimal.

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Am nächsten Morgen geht es, nach ausführlicher Nutzung der sanitären Anlagen, zunächst hauptsächlich auf gut ausgebauten Bundesstraßen gen Nordwesten. Nach der weit gefassten Umrundung von München kommen auch mal kleine Landstraßen mit ins Programm.

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Unterwegs sehe ich immer wieder Bilderbuch-Bauernhöfe, mit vielen bunten Blumen in den Fenstern und im Garten, gemütlichen Sitzecken unter uralten Bäumen. Wie man sich den Süden Deutschlands eben so vorstellt.

Zum Abend wird’s sportlich: Mein Nachtplatz liegt an einem Fußballplatz. Dort wird heute Abend die Damenmannschaft spielen. Da schaumermal 🙂

An die Saar

Die Gästedamen haben haushoch verloren, 0 – 6, meine ich. Dafür bin ich mit ein paar netten Leuten ins Gespräch gekommen, die Bar hatte geöffnet, damit gab es auch Toiletten – was will man mehr?

Den Michael hatte ich letztes Jahr beim VW-Bus-Treffen Saar am Losheimer See kennengelernt. Und wenngleich er den Wolfsburgern untreu geworden ist und jetzt einen mehr als doppelt so großen Düdo fährt, hatte er noch ein paar VW-Bus-Teile für mich, die ich endlich abholen wollte. Natürlich hat er mir bei der Gelegenheit ausführlich seinen „Neuen“ gezeigt, und beim Durchsehen von Weltreisendentreffen-Bildern haben wir zusammen von neuen Reisen in unbekannte Länder geträumt. Gepennt habe ich wie letztes Mal bei ihm auf’m Hof.