AUF DES MESSERS SCHNEIDE UND HEEME

Zunächst ging es Richtung Süden, und gleich stand auch wieder Schurbelei an, denn das Schloss Augustusburg (erbaut 1568–1572) liegt weithin sichtbar auf einer Bergspitze. Hier finden zahlreiche Oldtimertreffen statt, zudem beherbergt das Schloss ein Motorradmuseum. Am Tag unseres Besuches war zwar keine Veranstaltung, aber auf dem Parkplatz standen doch ein paar historische Fahrzeuge.

Augustusburg

Sodann sind wir ins Erzgebirge eingestiegen. Über kleinste Sträßchen kamen wir zu dieser Holzbrücke von 1602 (in der heutigen Form 1832 erbaut):

Holzbrücke

Unterwegs kamen wir am ehemaligen MZ-Werk vorbei, und am Wolkensteiner Bahnhof steht ein „Salonwagen A“ aus dem „Staatszug der DDR„. In Cranzahl haben wir zum Abschluss des Tages auf ältere Verkehrstechnik umgesattelt: die FichtelbergBahn, und haben uns ganz entspannt nach Oberwiesenthal karren lassen.

FBBahn

Dort war gerade Marktplatzfest, auf dem unter anderem einige der erfolgreichen Wintersportler des Ortes geehrt wurden.

Oberwiesenthal

Die Nacht haben wir am Bahnhof Cranzahl verbracht, nach Ende des Fahrbetriebes war es dort wunderbar ruhig.

Tags darauf sind wir per Bulli auf den Fichtelberg (1215 m) gefahren, die höchste Erhebung des Erzgebirges auf deutscher Seite.

Fichtelberg

Von dort ging es immer an der tschechischen Grenze entlang Richtung Osten. Auf teils einsamsten Sträßchen, rechts war ein Tal mit Bach, und auf der anderen Seite Tschechien. Allerdings wurden unsere Routenpläne durch eine unfassbare Vielzahl von Straßensperrungen immer wieder zunichte gemacht.

Grenzfahrt

Grenzbach

Die Nacht haben wir bei Bekannten von Bekannten in Hohnstein verbracht (vielen Dank noch Mal), einer der geilsten Nachtplätze der ganzen Tour, schaut euch die Bilder an!

Burg Hohnstein

Hohnstein2

Von Hohnstein ist es nur ein Katzensprung zur Bastei, der Hauptattraktion des Elbsandsteingebirges. In den achtziger Jahren wurde die Höhenburg teilweise rekonstruiert, die dort vom 13. bis zum 15. Jahrhundert existierte. Kaum vorstellbar, wie Menschen auf diesen Felsnadeln gelebt haben.

Bastei

Die Höhenburg:

Hoehenburg

Durch das Kirnitzschtal, durch das auch eine Straßenbahn fährt,

Kirnitzschtal

sind wir weiter bis in den Kurort Oybin vorgestoßen. Mit dem Tankstopp in Zittau war der östlichste Punkt der Reise erreicht, von hier ging es Richtung Bautzen, wo wiederum eine Übernachtung bei Freunden möglich war.

Bautzen

Zwischen den Bundesstraßen durch sind wir wieder gen Westen gezogen, haben den Tharandter Wald durchkreuzt und noch einige schöne Strecken des Osterzgebirgs-Vorlandes mitgenommen bis wir wieder in Chemnitz angelangt sind.

Ja, und dann war er da: der letzte Tage dieser großen Tour. Nach dem Rezept „kürzeste Route/keine Autobahnen“ bin ich -wieder alleine- von Chemnitz in die Fläminger Heimat gefahren. Dabei ging es noch mal schön an der Mulde entlang, durch die Dübener Heide, an Trebitz vorbei 🙂 über Wittenberg nach Hause.

Fast zwei Monate, 11687 Kilometer fast ohne Panne. Abgesehen vom Radlager musst ich ein, zwei Mal die Kontakte der Verteilerkappe reinigen um wieder Leistung zu haben. Wieder zu Hause zu sein war die ersten paar Tage etwas gewöhnungsbedürftig, jetzt kribbelt’s schon wieder: Ich könnte schon wieder losfahren.

 

 

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WUNDER IN DEUTSCHLAND

Ab Freiberg/Breisgau stand zunächst die Schwarzwaldquerung an. Danach wollte ich mir das Phänomen der Donauversinkung oder -versickerung ansehen. Bei Immendingen gibt es einen schön gemachten Lehrpfad dazu. Hier versickert ein erheblicher Teil des Donauwassers im karstige Unterboden, tritt im 12 km entfernten Aachtopf wieder aus und fließt von dort in den Bodensee (und damit auch auf die andere Seite der europäischen Wasserscheide!).

Donauversinkung

Wenngleich dort die Donau an 155 Tagen im Jahr komplett versickert – als ich dort war, sorgten die Regengüssen der Vortage dafür, dass von einer (vollständigen) Versickerung keine Rede sein konnte.

Die Nacht durfte ich bei guten Freunden in der Nähe von Pfaffenhofen verbringen und am Folgetag ging es noch mal an die Donau, konkreter nach Kelheim und dort zur Befreiungshalle. Dieses imposante Bauwerk wurde im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern zum Gedenken an die Befreiungskriege 1813 – 1815 errichtet. Von dort bot sich ein beeindruckender Ausblick auf das Donautal.

Befreiungshalle

Sich von google maps die kürzeste Route ohne Autobahnen anzeigen zu lassen birgt oft schöne Überraschungen. So kam ich in der Oberpfalz an Orte und Stellen, die ich sonst vermutlich nie gesehen hätte.

wowardas

Tagesendziel war Chemnitz, wo ich meinen Interims-Reisepartner Andre als Spezialist für’s Erz- und Elbsandsteingebirge an Bord genommen habe. Nach einem Dusch- und Ruhetag ging es los.

GANZ NEUE (VERKEHRS-)WEGE…

Klar, das Schiffshebewerk in Niederfinow ist mir als Ex-Pankower wohlbekannt. Wasserstraßenkreuze à la Mittellandkanal/Weser sind auch kein Novum, doch Grotten, durch die eine Straße verläuft und Schifffahrtskanäle, die durch Tunnel verlaufen, waren für mich neu.

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L’Aveyron

Doch durch die Grotte du Mas-d’Azil fließt nicht nur der Fluss, auch die Landstraße führt hindurch. Eine weitere Neuigkeit war für mich der Canal Entre Champagne et Bourgogne, der in der Nähe von Vingeanne, wo ich nächtigte, in einem Tunnel verschwindet.

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Die Park4anight-App hatte einen Stellplatz am Fluss Lot empfohlen, „Für einen Van, nicht geeignet für CamperVans“. Und genau so war es: genau ein Stellplatz direkt am Ufer des Lot. Schön, still, romantisch.

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Tags darauf ging es am Massif Central entlang, an dem Cascade de Salins vorbei nach Gelles, wo das Volcs’en Cox- Treffen stattfand. Eine bunte Mischung aus Original und Tuning, Rat-Look und edel fand sich dort vereint, es war das 10. Treffen des Clubs und entsprechend gut besucht: der Campingplatz war bis auf den letzten Platz gefüllt-bis auf den vorletzten! Den ein Platz fand sich noch für mich, sodass ich dort von Sonntag zu Montag nächtigen (und duschen!) konnte.

gelles

Als letztes Highlight Frankreichs hatte ich Colmar auserkoren, wobei die Strecke durch die Vogesen und über den Col de la Schlucht durchaus auch charmant war.

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Das Venedig des Elsass ist auf jeden Fall einen Besuch wert, mit seine Sträßchen, Kanälen und Puppenhäusern erinnert es mich etwas an Amsterdam. Schwüle Hitze mit über 30 Grad machten die Stadttour allerdings nicht besonders erholsam.

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So bin ich am selben Nachmittag noch bis in den Breisgau gefahren und habe dort hinter einem Maisfeld einen ruhigen Platz gefunden.

WEITER GEHT’S

Es war eine Weile still – im Blog wie auch fahrtechnisch.

Das Radlager war ja nun bestellt, doch es tat sich nichts. Tag um Tag verstrich, GLS war mit dem Updaten der trackinginfo so sparsam wie Oma mit dem Heizen im Winter. Nach fünf Tagen Campingplatz war ich der Meinung, das Teil müsse langsam mal kommen und habe ausgecheckt. Leider kam weder an diesem noch am Folgetag das Teil. Auch trackingupdates gab es nicht. Am Tag 6 des Vorganges -es war Donnerstag, ein weiteres Wochenende stand drohend vor der Tür- habe ich den Mechaniker gefragt (genauer gesagt: ich habe bei google translate eingegeben und seine Frau hat übermittelt 😀 ), ob wir nicht doch die Variante des Ausmessens und aus dem Standard-Lagerkatalog-Bestellens probieren wollen. Der Mechaniker hatte das ursprünglich auch schon vorgeschlagen, aber man will ja immer alles besser machen und die definitiv richtigen Lager inklusive Simmerringe und weitere Kleinteile bestellen.

Das bedeutete, dass der Mechaniker noch am selben Abend die Lager demontieren musste, um sie rechtzeitig zu bestellen, sodass sie vor dem Wochenende da sind. So saß er dann bis nach 21 Uhr abends da um festzustellen, dass es eben keine 08/15-Lager sind. Andererseits wiesen die Lager keine sichtbaren Beschädigungen oder Schwergängigkeiten auf, und so war er der Meinung, mit neuem Fett würden die noch bis zu Hause reichen. Sein Wort in Gottes Ohr!

GLS hatte am nächsten Freitagmorgen die vielsagende Info zu bieten, dass die Sendung in „Spanien“ eingetroffen sei – na super. Zwei Tage zuvor hieß es, die Sendung sei in Barcelona!

Also bin ich in aller Frühe Richtung Heimat losgedüst. „Gezwungenermaßen“ musste ich noch einige Pässe mitnehmen, und die haben wieder Laune gemacht: den Foradada (1020 m), den Fadas (1470 m), den Espina (1407 m), den Creu de Perves (1350 m) und als Highlight den Port de la Bonaigua (2072 m), im Winter offenbar ein beliebtes Skigebiet.

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bonaigua4Die ganze Region scheint fürs Rafting bekannt zu sein, beeindruckend waren die Schluchten Congosto de Ventamillo und Congost de Collegats. Mindestens ebenso beeindruckend war, dass mir auf den schmalen Schlängelstrecken mehrfach Sattelschlepper und Hängerzüge entgegenkamen, gern auch mal in der Kurve….Es handelt sich hier um eine Querverbindung in den spanischen Pyrenäen, für die es keine vernünftig ausgebaute Alternative gibt…

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Für den Grenzübertritt hatte ich den Coll. del Portillón gewählt, eine schöne und ruhige Hinterlandstrecke, die in dem hübschen Städtchen Bagnères-de-Luchon endet. Dummerweise hatte ich nur den ersten Teil des Ortsnamens verinnerlicht, ausgeschildert war aber „Luchon“. Und ich wunderte mich, welches verflixte Kaff das sein soll…

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In „La Douce France“ wurde dann erst schön teuer getankt, und dann habe ich mal wieder die Abfahrt zum sorgsam ausgewählten Nachtplatz verpasst. So stehe ich wiederum in der Pampa, auf einer stillgelegten Außenkurve, aber leider ohne Toilette und fließend Wasser. Dafür sehr ruhig und landschaftlich schön.

Such den Bulli:

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WO BIN ICH EIGENTLICH?

ainsa5Aínsa ist ein kleines Städtchen mit gut 2000 Einwohnern in der Provinz Huesca im Aragón. Die Altstadt liegt auf einer Felsnase, die zwischen den Flüssen Cinca und Ara ins Tal hineinragt. Rückwärtig ist die Stadt durch eine Festung mit Graben gegen das Hinterland gesichert.

Die Altstadt ist von schmalen, steilen Gassen durchzogen, die Häuser sind regionaltypisch aus dunklen Quadern unterschiedlicher Größe gemauert. Die Kirche tritt überraschend beim Aufstieg durch die Stege ins Bild.

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Den Kirchturm kann man gegen eine kleine Spende besteigen. Das ist allerdings nichts für Menschen mit Platzangst 😉

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Um zwei weitere Ecken gebogen steht man auf dem Plaza Mayor, der überraschend weitläufig und beidseitig von Arkade gerahmt ist. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant, und da die Spanier gern ihr eigenes Land bereisen, ist hier ordentlich Trubel.

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Wenn man die Mauern der Festung besteigt, hat man einen fantastischen Ausblick sowohl auf das Städtchen als auf das Umland, nach Süden hin bis  zum Mediano-Stausee, der mit seinem türkisfarbenem Wasser in der Ferne glänzt.

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Blick nach Norden

Am Flussufer und vor allem am gegenüberliegenden Ufer befindet sich das moderne Aínsa.

 

SOL Y SONORAS

Die Sache mit den Geräuschen…ist das alles Einbildung? Hausgemachte Panikmache? Motorschaden: hatte ich schon: 1988 in der Türkei. Mehr schlecht als recht repariert in (damals) Jugoslawien. Motorbrand? Ende der 90er in Berlin. Ist ja nicht so, dass das nur Hirngespinste sind.

Nachdem die lose Mutter auf der Hinfahrt die „angenehmere Variante“ war, hat es mich jetzt doch erwischt. Das dumpf brummende Geräusch stellt sich als defektes Radlager der Hinterachse heraus. Und da man ein solch exklusives Auto wie einen T2 fährt, ist das Teil über den Teilehandel nicht mehr verfügbar. (Ja, OK, weil das Lager ab 8/70 geändert wurde, die „neue“ Variante gibt es noch überall). Aber da mal überall liebe Freunde hat, in diesem Fall das „Team Dakota“, ist ein Ersatz schnell beim Spezialisten in Deutschland aufgetrieben und für den Versand nach Spanien bestellt.

Davor hatte mich Frankreich so empfangen, wie es mich verabschiedet hatte: mit sintflutartigen Regenschauern. Die erste Pyrenäenquerung war ein Vorgeschmack auf die der folgenden Tage: in Spanien eitel Sonnenschein und in Frankreich Nebel, Regen und Gewitter.

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Gartenbaukunst am Rastplatz

Die Berge haben eben auch ihren Stolz. Sie zeigen nicht beim ersten Besuch all ihre Schönheiten. Man soll ja wieder kommen. Die erste Querung -da lag der Pass (Collado de Urkiaga, 890 m) noch auf der spanischen Seite, war wettertechnisch OK. In St-Jean-Pied-de-Port waren Gott und die Welt unterwegs…Pilgerfestival oder einfach Hochsaison? Zurück über den Puerto de Inbañeta (1057 m) ging auch noch. Das nächste Tal, Valle de Roncal, war insofern beeindruckend, das man ewig auf einem flachen Talboden „in die Berge“ hineingefahren ist, bis man quasi vor einer Wand stand, dann bog die Straße auf einmal ab und kletterte am Berghang hoch. Die absolut beeindruckende Welt des Col de la Pierre St Martin (1760 m), Col de Soudet (1540 m) und der „Route des Cols“

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nach Lées-Athas blieb leider vollkommen im Nebel verborgen. Auch, wieder nach Süden gewandt, der Col du Somport (1650 m), natürlich über die Passstraße, nicht durch den Tunnel, blieb in 50 shades of grey gehüllt. Da jedes Mal das Wetter in Spanien besser wurde und die Vorhersage Richtung Osten auch besser wurde, habe ich noch einen Versuch gewagt. Und tatsächlich: Am Col de Pourtalet (1794 m) blieb die Sonne zumindest bis dort oben erhalten. Kaum überraschend, dass die Passstrecke in Frankreich zwischen dem Col d‘ Aubisque (1709 m)

aubisqueund dem Col de Soulor (1474 m) wieder voll im Nebel verschwand. Dabei ist besonders diese Strecke ein absolutes landschaftliches Highlight – soweit ich sehen konnte. Unbedingt wiederholen!

Leider musste ich noch weiter in Frankreich verbleiben, denn die nächste Verbindung gen Süden war noch nicht erreicht. So waren erst noch der Col du Tourmalet (2115 m) und der Col d’Aspin (1489 m) zu bewältigen. Statt des letztgenannten habe ich mich jedoch für die Hourquette d’Ancizan (1538 m) entschieden, eine faszinierende Route durch eine abgeschiedenen Hochgebirgswelt, in der Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde und Esel frei herumlaufen. Leider auch hier viel Nebel.

ancizan

Erwartungsgemäß hat mich der Túnel de Bielsa dann wieder ins (spanische) Schönwetter gebracht. Am Nachtplatz „Salinas de Sin“ habe ich am Abend ein beeindruckendes Ensemble von Felsblöcken vor einer Brücke abgelichtet. Kurz dahinter hatten sich Jugendliche zu einem Badenachmittag am Flüsschen niedergelassen. In der darauffolgenden Nacht ging ein kräftiges Gewitter nieder. Die Geräuschkulisse morgens im Bus ließ vermuten, dass das lieblich plätschernde Bächlein inzwischen dramatisch andere Ausmaße angenommen hat. Und so war es auch: über die Felsbrocken stürzten sich braune Wassermassen tosend hinab, die Badestelle des Vortages war überflutet.

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Um noch etwas im sonnige Süden zu bleiben bin ich nochmal gen Westen gefahren, die N 260 nach Sabiñánigo, um dann von Lanave aus im Paralleltal wieder zurück zu fahren. Diese Strecke war genial: einsam und wild, unten immer dicht am Fluss (eingefleischte Overlander wussten das und haben dort ihren Nachtplatz gesucht 😉 ). Allerdings machte das unerwünschte Geräusch immer nachdrücklicher auf sich aufmerksam, so beschloss ich, in Aínsa einen asphaltierten Platz zu suchen, wo ich dem Problem nachgehen konnte, ohne mich im Dreck zu wälzen.

Da es nun dummerweise Wochenende war, musste ich etwas mehr Zeit auf dem Campingplatz von Aínsa verbringen. Dabei merke ich „mal wieder“, dass Stillstehen auf Reisen gar nicht mein Ding ist. Ich werde dann irgendwie hibbelig und nervös. Im Moment gibt es allerdings gerade keine andere Wahl.

NOBEL GEHT DIE WELT ZUGRUNDE

Die feinen Herren (und Damen) mit den Häusern auf Rädern haben natürlich allesamt eine (mehr oder weniger) schicke Nasszelle im Camper, doch im VW-Bus ist für so etwas kein Platz. Also heißt es: Katzenwäsche am Bergbach, baden im Meer und wenn es gar nicht anders geht: auf einen Campingplatz. Außer dieses Mal. Dieser Tag toppt jeden noch so geilen Strand, jeden top-gepflegten Campingplatz: Es ging in eine original römische Therme! Heiße Quellen mit knapp 50 Grad Wassertemperatur hatten die alte Römer angebohrt (oder einfach entdeckt?) und schöne Badebecken drumherum gebaut. Nach einer kühle Nacht betrug die Wassertemperatur im Becken perfekte 38 Grad…unglaublich herrlicher Badespaß!

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Diesen traumhaften Platz hat mir Isabelle verraten. Wir hatten uns in Messanges (Frankreich) kennengelernt und sind beide von dort geflüchtet – ob des schlechten Wetters. Isabelle, ihre Reisebegleitung Baffo und Hündin Nicol allerdings etwas langsamer als ich: Während ich schon wieder auf dem Rückweg von der Algarve war und auch Isabelles Tipp Afife schon besucht hatte, waren sie erst auf dem Weg dorthin.

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Ich hatte gehofft, es würde gegen Abend ruhiger werden an der Therme, doch im Gegenteil: Als ich schon im Bett lag (das ist meistens relativ früh), kamen immer mehr Autos mit jungen Leuten, die ausstiegen und dann irgendwo hin gingen, aber wo und wozu, erschloss sich nicht. Es war keine Musik zu hören, nicht mal eine Unterhaltung. Wenn sie losgegangen waren, war es mucksmäuschenstill. Irgendwann kamen sie zurück zu den Autos, stiegen ein und fuhren weg. Wieder Ruhe. Keine Ahnung, was das war. Am nächsten Morgen waren alle wieder weg, außer die vier Travellerbusse, die auch schon früher gekommen waren und sich in einer Gruppe zusammengestellt hatten.

Tags danach hieß es: ab Richtung Pyrenäen, denn sie sind eins der wenigen gesetzten Ziele dieser Reise. Bis Burgos war Kilometerfressen angesagt: die Landschaft ist leicht wellig, leicht trocken und die Straßen sind wie mit dem Lineal gezogen, es gibt nichts zu schurbeln. Hinter Burgos lockt die Sierra de la Demanda mit auf der Michelin-Karte grün markierten Strecken. Nachdem die von Isabelle als Nachtplatz empfohlene Eremita de Muño als Siestaplatz wegen des fehlenden Schattens nicht taugte, hatte ich zwei Stauseen in der Sierra als potentielle Zwischenstopps auserkoren. Am Embalse del Arlansón wurde ich fündig.

siesta

Nach der Siesta ging es weiter – und wie! Parallel zur Strecke lief eine ehemalige Erzbahn, die jetzt als Radwanderweg Dienst tut. Nach der Passhöhe (1240 m) folgte der Mansilla-Stausee, dessen Wasserstand so niedrig war, dass man die alten, normalerweise überschwemmten alten Dörfer wieder sehen konnte – samt Kirche. Danach folgte das Tal des Río Najerilla, wo dieser quasi zwischen Sierra de la Demanda und Sierra de Camero Nuevo durchbricht. Es ist ein wildromantischer Zick-Zack-Kurs, dem die Straße ebenso abenteuerlich folgt. Landschaftlich wie fahrerisch ein absoluter Hochgenuss (letzteres allerdings nur, bis irgendwo die Ausbaustrecke beginnt).

Stausee

Als Tagesabschluss habe ich mir eine Mini-Querverbindung über den Peña Hincada-Pass (1412 m) rausgesucht, die im Anstieg in karges Bergland führt und Steigungen bis 14% bietet. Hier kam auch schon mal der erste Gang zum Einsatz. An einem Holzplatz fand sich ein weiterführender Waldweg, der schon wenig weiter eine geschützte Stelle für die Nacht bot.

Nachtplatz_Peña Hincada

PORTUGAL – FINALE

Die vergangene Nacht war relativ unspektakulär an einem Stausee bei Vila Real, zwischen Autobahn, Schnellstraße und der großen Stadt. Als ich ankam, war dort recht viel Betrieb, doch abends fuhren die Portugiesen nach Hause und man war ganz alleine.

Am Folgetag stand der Norden des Landes auf dem Programm. Die Landschaft war wesentlich grüner geworden. Während im Süden die Bäume die einzigen grünen Tupfen waren, wuchs hier wieder einfach so Gras am Straßenrand. Hier war die Bergwelt auch welliger als im Süden oder in der Mitte. Ich hatte die Route durch den Nationalpark Gerês geplant, und das war goldrichtig. Hier wurde die Bergwelt überraschenderweise noch einmal richtig wild. Die kleinen Bergsträßchen waren einsam und in fast jedem Tal gab es einen Stausee.

Norden

Eigentlich wollte ich mir einen potentiellen Nachtplatz im Gerês ansehen, hatte dann aber -mal wieder- die Abfahrt verpasst, und so habe ich beschlossen, durchzufahren bis zu meinem letzten Nachtplatz in Portugal, den von Isabelle wärmstens empfohlenen Platz von Afife. Und ich muss sagen: Sie hat nicht zu viel versprochen. Man fährt vor dem offiziellen Strandparkplatz links weg und findet mehrere Gelegenheiten, direkt hinter, ja fast in den Dünen zu parken. Damit ist man wirklich in drei Schritten am Strand. Alternativ kann man noch direkt an einem Fließ stehen, dort ist auch Schatten, und zum Strand ist es auch nicht weiter. So habe ich die erste Nacht in den Dünen gestanden und somit einen wunderbaren Sonnenuntergang und Sonnenaufgang erlebt. Nach der Einkaufsfahrt am nächsten Morgen habe ich mich dann unter die Bäume gekuschelt. Ein ebenfalls wirklich traumhafter Platz.

Afife

afife

Doch wie immer zog es mich nach der zweiten Nacht vor Ort weiter. Es ging zurück nach Spanien, das Kap Finisterre stand auf dem Programm. Dort ist auch der Startpunkt des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela, und trotz der Hitze waren zahlreiche Pilger unterwegs, teils recht unromantisch entlang der Nationalstraße. Ob der Liebe Gott das so gewollt hat?

Es war mal wieder megastürmisch -Küste halt- und man konnte tatsächlich mit dem Auto bis zum Leuchtturm fahren. Nach der üblichen Knipserei am Leuchtturm bin ich umgesiedelt auf dem Wohnmobilstellplatz, der sogar auf Google Maps ausgewiesen war – wegen der genialen Lage an den Klippen. Allerdings wurde es dort abends auch entsprechend voll. Weitere Leute kamen, um mitzuerleben, wie die Sonne im atlantischen Ozean versinkt. Bei solch gutem Wetter schon ein sehenswertes Schauspiel.

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Kap Finisterre: Start…

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…oder Ende der Pilgerung.

Währen der Platz abends recht windgeschützt war, hat der Wind später offensichtlich gedreht, denn der Camper wurde die Nacht ordentlich durchgeschüttelt. Keine gute Nachtruhe. Morgens habe ich sofort die Flucht ergriffen und auf der anderen Seite der Landzunge in Ruhe und in der Morgensonne Frühstück gemacht. Dann ging es weiter zu einem weiteren Highlight dieser Reise, doch darüber im nächsten Beitrag mehr!

schwindelfrei

Welcher der Fahrer ist wohl nicht schwindelfrei?

HÖHENRAUSCH UND FEUER!

Portugal ist berühmt, wenn nicht gar berüchtigt für seine Waldbrände. Erst kurz vor meiner Abfahrt -da war Portugal höchstens eine vage Idee- hatte ein verheerendes Feuer im Osten des Landes gewütet, bei dem auch mehrere Autofahrer vom Feuer eingeschlossen wurden und verbrannt sind.

Waldbrand

Diese Bilder kommen unweigerlich hoch, wenn man durch eine solche, gerade vom Feuer in ein apokalyptisches Szenarium gewandelte Landschaft fährt. Als Feuerwehrmann schnuppert man dann doch etwas genauer, der Sommer hat schließlich gerade erst angefangen, und es ist saisontypisch heiß und trocken…doch die Luft ist rein.

In Unhais da Serra fand ich jedoch ein sicheres Plätzchen: in der Ortsmitte wurde neben der lokalen Flußbadestelle, wie es sie in vielen Dörfern gibt, gerade letztes Jahr ein Stellplatz für Wohnmobile eröffnet, mit Toilette, Freiluftdusche und: Löschschlauch!

Unhais

Spät am Abend hing doch Brandgeruch in der Luft. Nun stand ich direkt am Wasser, alle Pflanzen hier waren sattgrün und sowieso ist man in den Dörfern immer noch am sichersten. Allerdings: um halb zwölf nachts hielt ein Feuerwehrauto an dem Badestau und füllte offensichtlich Wasser nach…dann muss doch was im Busch sein.

Zunächst hieß es am nächsten Morgen ganz entspannt aufstehen (wenn man doch so alle Annehmlichkeiten am Ort hat-sogar das Bier hatte ich über Nacht im Gebirgsbach kühlen können), Ölstand kontrolliert und dann nicht zu spät los, denn es galt, die Morgenkühle zu nutzen für den Aufstieg auf Portugals Höchstes der Bergweltgefühle. 1993 Meter misst der Torre, für den alpenerprobten Bulli ein Klacks. Schon im ersten Aufstieg traf ich die Feuerwehr wieder, und es war auch deutlich zu sehen und zu riechen: Hier hatte es vor kurzen gebrannt. Wieso, weshalb, warum? Man weiß es nicht. Eine willkürliche Fläche in the middle of nowhere. Danke Bombeiros!

Bombeiros

Es gibt so Momente, wo man sich fragt: Bin ich hier richtig? Oder noch besser: Geht es hier überhaupt weiter? Wenn etwa die relativ großzügig gebaute Asphaltstraße…

Asphalt

an einem Wasserkraftwerk in eine staubige Knüppelpiste übergeht…,

Ende_Ausbau

man zudem offensichtlich in einen Talkessel hineinfährt, in dem zwar oben noch ein paar Hütten sind, doch geht es danach noch weiter?? Google hin oder her, es wäre nicht der erster Fehler. Diesmal geht es aber wie versprochen per Abkürzung zur offiziellen Auffahrt zu dem Torre.

In Portugal sind Gebirge irgendwie anders. Entweder ist die Landschaft leicht wellig oder eben bergig, dann aber auch richtig: mit steilen Hängen, tiefen Tälern und so. Aber es sind immer kleine Gebirgsketten. Bis auf den Torre. Das ist -nomen est omen- ein (Gebirgs-)Turm, der einsam in der Landschaft herumsteht. Weit höher, krasser und schöner als alles drumherum. Man schurbelt sich nach oben und schaut dann zu allen Seiten in weit tiefer liegendes Land.

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Diese Auffahrt…eine Bergwelt von unfassbarer Schönheit präsentiert sich nach jeder Kurve nochmal in neuem Gewand. Diese Landschaft kann locker mit den Highlights der Alpen mithalten, sie macht einfach sprachlos. Die Bergspitze an sich ist dann wieder ernüchternd; natürlich hat man einen Turm erbaut, der dient hauptsächlich den Sendeantennen, ansonsten enden hier die Skilifte und es ist etwas Touri-Schnick-Schnack. Also schnell wieder weiter, und auch die Nordabfahrt bietet wieder atemberaubende Szenarien…ein Mega-Tipp für jeden, der auch nur halbwegs in der Nähe ist. Ganz großes Kino!

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Torre3

Zum Torre werde ich eine Sonder-Bilderseite machen, sobald irgendwo freies WLAN zur Verfügung steht.

Am Vortag hatte ich eine Wasch- und Aufladeübernachtung auf dem Campingplatz Pomainho, der von einem Holländer betrieben wird, eingeplant. Dort war ich mit Frank aus Den Bosch ins Gespräch gekommen, denn vor seinem Zelt stand ein Mercedes 280 SE 3.5, für Kenner ein W 108 mit V8-Motor in wundervollem Zustand. Natürlich habe ich ihn sofort über den Wagen und vor allem seinen nicht ganz alltägliche Urlaubsfahrt (nur zwischen Paris und Biarritz hatten sie den Autoreisezug genommen) ausgefragt. Genau wie ich hat er auch bis zum letzten Tag vor der Abreise noch am Fahrzeug geschraubt…irgendwie muss das wohl so.

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ALGARVE, TAG 2, UND ALENTEJO

Wer rastet, der rostet, und das will ich meinem lieben Bulli natürlich nicht antun. Am nächsten Morgen war es am Praia das Furnas leider stark bewölkt, also wurde es nichts mit Sonnenaufgangsromantik, und so gab es keinen Grund, nicht früh loszudüsen. Einen Zickzackkurs hatte ich mir ausgesucht, kurz ins Inland über Monchique (Jugenderinnerungen), dann wieder an die Küste und schließlich über kleine und große Straßen nach Portalegre.

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Am Barragem de Póvoa gibt es ein Erholungsgebied, das für alle was zu bieten hat: von Picknickbänken über Grillstationen über Toilettenhäuschen bis hin zur (kalten) Dusche: es ist alles da. Und Campingfahrzeuge sind nicht verboten, wie sonst im Süden meist. Nach dem Gewaltritt (mit kurzen Zwischenstopps war ich um 22 Uhr dort) habe ich nur schnell noch ein überfälliges Update hochgeladen und dann ab in die Horizontale!

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Schließlich hatte ich beschlossen, einen ganzen Tag hier zu verbringen, es ist hier einfach sehr entspannt und es ist (fast) alles da. Es ist Sonntag, und die portugiesischen Familien kommen für ihren Tagesausflug. Doch am Abend sind wieder alle weg, sogar die große Gruppe junger Leute mit ihrem Barbecue hatte schon beizeiten zusammengepackt. Und so verbleibt etwas Weißware und das Plätschern der kleinen Seewellen.

Povoa

Das einzige, was auf diesem Platz fehlt, ist der Strom, und das wird langsam zu einem Problem. Dazu kommt, dass auch die Klamotten so langsam zur Neige gehen: ein Campingplatz ist gefragt. Die App Park4night nennt eine Platz, an dem ich schon vorbeigefahren sein müsste, nahe Portalegre, betrieben von einem Holländer. Ich bin gespannt!

Tags darauf noch schnell in Castelo Vide die Vorräte ergänzt, und schnell war ich auf dem Camping Pomarinho. Der Betreiber ist selbst ein weitgereister Mann. Mit einem 911er Kurzhauber war er bereits in Asien unterwegs. Jetzt betreibt er mit seiner Familie diesen hübschen kleinen, sauberen Platz – und gab mir Gelegenheit, Wäsche zu waschen und mal richtig Strom zu tanken.

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In Castelo Vide einmal „falsch“ abgebogen, und schon steht man da:

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ALGARVE – TAG 1

WEITER GEHT ES NICHT…

…zumindest nicht viel weiter. Ganz im Südwesten Europas bin ich angelangt. Wir schreiben jetzt auch eine Stunde früher.

Auf dem spanischen Hochland war es dann doch arg warm (irgendwas ist immer, oder?). Also ab an die Küste, diesmal war ihr kühler Wind erwünscht. Und ja: er ist wunderbar 🙂 Der Landstraßen-Grenzübergang, den ich gewählt hatte (Rosal de la Frontera) war für beide Seiten quasi das Ende der Welt, selbst in EU-Zeiten. Zwar waren die Fenster der Zollhäuschen auch hier zugemauert, aber das ganze Flair der Gegend war eben wie am A*** der Welt. So kam ich aber schön durch ein Hintertürchen nach Portugal und konnte gleich die kleinen Hinterland-Sträßchen kennen lernen. Die sind zwar in mäßiger Verfassung, aber landschaftlich und fahrerisch sehr reizvoll. Insbesondere die N2 zwischen Almodôvar und Barranco Velhoi ist ein Motorradfahrer-Paradies: Kurven bis der Arzt kommt! Achtung LKW-Traveller: Auf der Strecke ist eine Brückenbaustelle, die nur bis 3,5 t freigegeben ist. Sieht so aus, als ob  das noch eine Weile dauert.

Hinterland

Hinterland2

Etappenziel war ein Übernachtungs-Tipp von http://www.camper-news.com in Armação de Pêra: Parkplatz direkt am, oder genauer über dem Strand auf den Felsen. Hat was, wenn man dort auch direkt vor den Hotelburgen steht…Man hätte sogar ganz oben auf den Felsen stehen können, aber ich bevorzugte doch einen geschützteren Platz, fünf Schritte von der genialen Aussicht oben. Und wenn man die Betonklötzer im Rücken einfach ignoriert, ist’s schon OK.

Felsen

Fotoshooting direkt hinter dem Bulli:

Fotoshooting

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen war die Nacht erstaunlich ruhig, kein Lärm kam aus den Betonkolossen, nur Möwenschreie am Morgen. Beim Frühstücksspaziergang zeigte sich die ganze Schönheit der Klippen: die blühenden Agaven, die Möwen, die auf den obersten Spitzen saßen, aber auch die edlen Villen mit gepflegten Gärten, die in erster Reihe standen. Und unten die Sandbuchten.

Moewe

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Trotzdem hielt es mich nicht länger als eine Nacht hier, denn ein mindestens genauso schöner, aber ruhigerer Platz war ausgerufen: Barão de São João.

Barao

Hier war ein Picknick-/Grillplatz im Pinienwald gebaut worden, komplett mit Kinderspielplatz, Wasserzapfstelle und Toilettenhäuschen. Besser geht’s ja wohl nicht 🙂 Hier traf ich dann auch einige Langzeitreisende, wie Miriam, die mit ihrem T3 eigentlich hauptsächlich in den Ostblock wollte, jetzt aber durchaus auch gern mal in den Südwesten fährt. Leider ist sie wenige Stunden nach meiner Ankunft weitergereist. Gute Fahrt! Am Abend war hier Kinderfest: alle Reisenden aus der Umgebung oder die, die sich bereits hier niedergelassen haben, kamen, um einen schönen Tag zu verbringen, und die Kinder hatten mal so richtig viel Spielkumpanen.

Doch sonst war dort nicht viel los, und so zog es mich weiter, zu einem weiteren Highlight. Aber zuerst galt es, dem „ehemals“ westlichsten Punkt Europas einen Besuch abzustatten. Zu Kolumbus‘ Zeiten war hier tatsächlich die Welt zu Ende. Kaum vorzustellen, wie viel Mut damals dazu gehörte, sich auf die Reise gen Westen, in das Unbekannte, zu begeben. Man hatte schließlich keine Ahnung, was da war, ob da was war, wie weit es war. Wie viel Proviant würde man brauchen? Was kommt nach dem Wasser? Die, die gar keine Ahnung hatten, lieferten natürlich die besten Antworten (das ist heute immer noch so 😉 ).

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Nach dem Kap São Vicente, wo nicht sonderlich viel zu sehen war außer einem kleinen Leuchtturm auf beeindruckenden Felsen, habe ich mir noch die Festung von Sagres angesehen. Die machte schon mehr her. Auf jeden Fall aber die Angler, die auf der letzten Felsenklippe saßen mit ihrer Rute. Ich würde tausend Tode sterben…

Angler

Für die Nacht stand ein besonders schöner Strand an: der Praia das Furnas. Man kann mit dem Auto direkt bis an den Rand der Bucht fahren, der Strand ist sehr ruhig, mit feinstem Sand und klarem Wasser, nur ein paar Einheimische und ganz wenige Insider sind dort zu finden (aber mehr Parkplätze wären auch nicht da). Bei Ebbe erschließen sich weitere, kleine Sandbuchten. Einfach toll. Ich suche mir eine windgeschützte Ecke für die Nacht, denn ab morgen geht’s gen Norden – wohin sonst?

Furnas

GERÄUSCHE – DIE ZWEITE

Eigentlich wollte ich keinen Blog mit Serien über schlechtes Wetter und seltsame Geräusche schreiben, daher erst mal was Positives: der Morgen begann sonnig! Es war auch kein böser Förster vorbeigekommen, obwohl abends noch einige Autos den vermeintlich so ruhigen Waldweg langgefahren sind. Also Frühstück und wohlgemut gen Süden.

Doch was war das? Kaum auf der Hauptstraße, macht sich ein Tickern laut und deutlich bemerkbar. Nun bin ich ja meisterhaft kreativ im Ausmalen von Horrorszenarien. Da das Geräusch von der rechten Motorhälfte kam und der Klang recht hell war, könnten es die Pleuellager, ein abgerissenes Ventil oder vielleicht eine gebrochene Ventilfeder sein. Dachte ich mir so. Oder das Ventilspiel hat sich einfach verstellt. Also habe ich auf einer großzügig asphaltierten Grundstückseinfahrt gehalten und das Ventilspiel überprüft. Leider kein Befund. Dann bin ich erst mal weiter gefahren, wenigsten au diesem Nirvana heraus in den nächsten, größeren Ort. Dort am Bahnhof gab es einen sehr schönen, ruhigen und sauberen Parkplatz. Krisensitzung. Befreundete Bullifahrer angeschrieben. Der Schraubergott war nicht erreichbar – auf Rallye unterwegs. Von einem Bullikollegen kam der Tipp: überprüfe doch mal den Stand der Ventile (Danke Thomas!). Als ich den Ventildeckel abnahm, fiel mir eine Mutter entgegen! Die kam von der Kipphebelwelle. Warum die sich gelöst hat, das weiß nur der liebe Gott, aber sie hat die Geräusche verursacht. Kleine Ursache, große Wirkung: das Tickern war weg.

Jetzt konnte ich mich wieder wohlgemut den schönen Dingen des Lebens widmen, wie der Fahrt über den Urbasa-Paß, wo freilaufende Pferde und Kühe entlang der Straße standen. Überhaupt war da oben eine tolle Landschaft.

Urbas

weitsichten

Generell war es recht frisch unterwegs, was allerdings auch nicht verwunderlich war, da man sich fast generell auf 1000 m Höhe befand. Kurz vor Soria habe ich dann einen Feldweg gefunden. In einer Senke stand ich ungestört mitten zwischen den Feldern, deren Böden übrigens so karg und steinig sind, dass man sich wundert, dass dort überhaupt noch etwas wächst…eine wunderbar ruhige Nacht 🙂

ESPAÑA POR FAVOR!

Leider war auch die Nacht in Messanges von heftigem Sturm und Dauerregen gekennzeichnet, der auch am Tag anhielt. Laut Regenradar drehte sich das Schlechtwettergebiet immer schön um die eigene Achse und verblieb, wo es war. Also war ein deutlicher Standortwechsel angesagt: Ab Richtung Südwest! Bis fast Bilbao ging es auf der Küstenstraße, bestimmt sehr schön, aber nicht im Dauerregen. Dann ab ins Inland in der Hoffnung, dass die Bergketten das schlechte Wetter zurückhalten würden. Bis auf die Passhöhe war noch mal ordentlich Nebelsuppe angesagt, danach wurde es etwas lichter, und zumindest trocken.

kueste

Ich befand mich jetzt im Baskenland. Die baskische Sprache kommt aus einer gänzlich anderen Sprachfamilie, man erkennt kein einziges Wort. Zum Glück ist das meiste spanisch untertitelt, da kann man noch was erraten.

Fukoshima

Fukushima?

Automobile Anmerkungen: Frankreich wie auch Spanien scheinen wohl auch eine Abwrackprämie gehabt zu haben – man sieht so gut wie keine älteren Autos, nicht mal Youngtimer, höchstens mal einen W123er Mercedes. Das einzige, was man in Frankreich noch mit einer gewissen Regelmäßigkeit sieht, sind R4, auch als Fourgonette. Die seltenen 2CV hingegen, die ich sah, waren offensichtlich bereits in Liebhaberhänden. In Spanien auf der Autobahn überholten mich eine Ente und ein GS, beide in Top-Zustand.

Leider blieb mir auch im Baskenland der Dauerregen erhalten. Schade um die schöne Stadt San Sebastián. Vielleicht ein anderes Mal. Vielleicht versteh ich das unfassbar verschlungene Netz der Umgehungsstraßen und Autobahnen dann auch besser. Auch die Küstenstraße konnte unter diesen Umständen nicht wirklich begeistern, musste ich doch ob des Windes zudem um mein Hubdach fürchten. Meine Kalkulation, hinter der ersten oder spätestens zweiten Küstengebirgskette würde das Wetter besser, bewahrheitete sich, und so lockert es zum Abend endlich auf. In einer Nebenstraße einer Nebenstraße fand ich einen ruhigen Platz im Wald.

ATLANTIK – UND: WETTERKAPRIOLEN, DIE ZWEITE

Der Entschluss stand fest: doch noch schnell an die Küste, bevor der Sommerferien-Terror hier losgeht. Also Stoßrichtung West, Ziel: Mimizan-Plage. In der Region Les Landes hatte ich meinen allerersten „elternlosen“ Urlaub verbracht, mit drei Mädels und einem Bungalowzelt unterwegs in einem Sparkäfer.

Atlantik

Ziemlich willkürlich viel die Wahl auf Mimizan-Plage. Les Landes – das ist eine ziemlich flache Landschaft mir schnurgeraden Straßen, nur ab und zu überraschen fast canyonartige Flusstäler. Dazu endlose Wälder, in denen immer wieder riesige Stücken abgeholzt wurden. Verstehe diese Form der Forstwirtschaft nicht ganz, bin aber auch kein Förster 😉

Was auffällt: an der Küste scheinen Wohnmobile (zählt mein kleiner Bulli überhaupt dazu?) nicht besonders beliebt zu sein. An jedem Ortseingangsschild wird gleich darauf hingewiesen, was für diese alles verboten ist. Frei stehen? Vergiss es. Man wird allenthalben auf die „CampingCar“-Plätze verwiesen, wo man nicht selten für etwa € 9 pro Nacht (Nebensaison, sonst ca € 14). irgendwo in einer hässlichen Ecke, meist weit vom Strand stehen darf. Mit etwas Glück gibt es Strom (gegen Zuzahlung, ist klar) und mit noch mehr Glück auch Toiletten.

Ganz anders in Mimizan-Plage. Der Stellplatz ist zwar am Ortsrand, aber relativ nahe am Strand, er ist neu, sauber und – kostenlos! Für Nachfahrer: der Platz ist ab Mimizan-Plage gut ausgeschildert.

Sandverwehungen

Abends habe ich noch einen Blick aufs Meer geworfen – oben auf der Düne war es ganz schön stürmisch! Aber aus Holland bin ich ja einiges gewohnt. Zum Glück war der Stellplatz hinter der zweiten Dünenkette, entsprechend ruhig war es da. In der Nacht jedoch war die Ruhe vorbei: Windböen rüttelten wild am Bus, und sintflutartige Regengüsse hätten wohl alles geflutet, wäre nicht überall Sandboden gewesen. Alles in allem nicht besonders einladend, und da ich einen Stellplatztipp von 14qm für Messanges hatte, nur einen Steinwurf von Mimizan entfernt, zog ich schon früh los.

Der Platz ist leicht zu finden, Messanges-Plage besteht eigentlich nur aus drei Parkplätzen. Der Stellplatz ist tatsächlich gratis, allerdings nur, weil der eigentliche noch im Bau ist und man bis dahin auf dem PKW-Platz stehen darf, angeblich allerdings nur zwei Nächte pro Woche. Die Toiletten am Platz sind verschlossen, aber oben auf den Dünen sind offene.

Was auffällt: in Frankreich beginnen die Ferien bekanntermaßen am 1. Juli, ob der berüchtigte Trubel dann schlagartig losgeht, weiß ich nicht, allerdings war bis einschließlich 30. Juni noch überall absoluter Totentanz.

In Messanges stand ein deutscher Bulli auf den Platz, er gehörte zwei Jungs aus der Augsburger Gegend. Ein traumhaft schöner BW-Funkerbulli, den sie sich gerade ein wenig für die Reise ausgebaut hatten. Am selben Nachmittag sind sie losgefahren, wollten sich mit einer Freundin in San Sebastian treffen, um dann zusammen nach Portugal zu fahren. Na denn: Gute Fahrt!

Auf dem selben Platz ließen sich wenig später Isabelle, Baffo und Hund Nicole mit ihrem etwas älteren Hymer nieder. Isabelle ist schon seit drei Jahren unterwegs und berichtet auf www.camper-news.com von ihren Reisen und Erlebnissen, Baffo reist sogar schon seit den Siebzigern. Die drei wollten eigentlich einige Zeit in Frankreich verbringen, aber die Summe aus schlechtem Wetter, teuren Preisen und fehlenden Freistehmöglichkeiten ließ den Plan kippen – Portugal ist das neue Ziel! Auch Euch gute Fahrt! Lies hier, wie Isabelle unser Zusammentreffen beschreibt 🙂

GERÄUSCHE, DIE KEINER MAG

 

Ominöse Nebengeräusche, noch dazu -vermeintlich- von einem sicherheitsrelevanten Bauteil, können einen recht gut in den Wahnsinn treiben. Natürlich hatte sich solch ein Geräusch eingestellt. Da es beim Kurvenfahren auftrat, hatte ich das Radlager im Verdacht. Wo besser als auf einem Bullitreffen kann ich nach einer geeigneten Reparaturgelegenheit fragen? Michael, der in der Nähe wohnt, hatte sofort eine Idee und seinen Kollegen angerufen. Montag hatte dieser Zeit für mich. So haben wir Sonntag zu zweit den Losheimer See verlassen und ich stand bis Montag bei Michael auf’m Hof.

SLR

Tja, was soll ich sagen? Das ausgebaute Radlager präsentierte sich in einwandfreier Verfassung. Sven, der Mechaniker, sah eher in den Reifen den Übeltäter. Das Geräusch ist zumindest immer noch da, aber ich bin etwas beruhigter. An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, Michael für seine Gastfreundschaft und Sven (von SLR) für seine Hilfe zu danken. Wer mal technische Hilfe im nördlichen Saarland sucht: ich kann diese Adresse nur empfehlen. Sven ist übrigens auch als Mechaniker bei Rallyes aktiv.

Zum Abschied habe ich mir noch die Saarschleife angesehen. Was auffällt ist, dass wirklich überall fürs Parken bezahlt werden muss. Oft nur 1 € für eine oder gar zwei Stunden. Aber ohne Parkschein geht nirgends mehr was.

Saarschleife

Sodann stand der Grenzübertritt an. Wie an so vielen Stellen steht auch an der Straße nach Waldwisse (F) ein vereinsamtes Zollhäuschen aus alten Zeiten. Und dann: Bonjour la France. Als erstes fällt auf, dass nicht an jedem Waldweg „Einfahrt verboten“ steht. Sehr vorteilhaft, wenn man Nachtplätze sucht. Meinen habe ich mir abseits von abseits gesucht, so abgelegen, dass es nicht einmal Internet gab. Dafür war er sehr ruhig. Ein nächtliches Gewitter brachte endlich etwas Abkühlung.

Am Folgetag ging es dann etwas zügiger Richtung Südwest. Wer auch „analog“ reist, dem seien für Frankreich die Michelinkarten empfohlen. Da Michelin auch für die Aufstellung der Wegweiser verantwortlich zeichnet(e?), sind diese mit den auf den Karten hervorgehobenen Orten abgeglichen. Der Unterschied war nur zu deutlich, als ich von der ADAC-Karte „Vogesen“ auf Michelin wechselte. Zudem ist auf der Michelinkarte wirklich jede Straße auch mit einer Nummer versehen, diese wiederum finden sich auf den Wegweisern.

Loire

Das oben genannte Gewitter hatte nur wenig Abkühlung gebracht, im Laufe des Tages wurde es unerträglich schwül, und auf dem Weg nach Clermont-Ferrand entlud sich aus den inzwischen düsteren Wolken ein Gewittersturm, der es in sich hatte. Da ich gefühlt permanent exponiert auf Hügelrücken unterwegs war, habe ich mir ein ruhiges Seitensträßchen gesucht, denn die Blitzfront kam näher. Da auch aus dem Wind ein ausgewachsener Sturm wurde, galt es zudem, hohe Bäume zu meiden. Ein Blitz schlug in unmittelbarer Nähe ein, wie sich aus dem Knall erahnen ließ. Ich hatte eine Grundstückseinfahrt gefunden, wo eine Hecke sowie kleinere Bäume ziemlich guten Schutz vor den Sturmböen und dem Hagel boten. Es stürmte orkanartig und schüttete wie aus Kübeln. Als es ruhiger wurde und ich zur Hauptstraße zurückfuhr, lag tatsächlich ein ordentlicher Ast auf dem Weg, ich kam aber noch vorbei. Auch auf der Weiterfahrt lagen überall Zweige, Baustellenschilder, Holztafeln etc herum. Die Wetterlage beruhigte sich, aus dem Unwetter wurde ein Dauerregen, und am nächsten Nachtplatz gab es wieder kein Internet.

Unwetter

36 GRAD UND ES WIRD NOCH HEISSER

Am Morgen des „Tag 2“ habe ich mir zuerst die Elbbrücke von Barby angesehen. Auch von der Westseite war es nicht ganz einfach, dort heranzukommen. Die Brücke wird bereits seit vielen Jahren nicht mehr genutzt und soll abgerissen werden, doch jetzt kümmert sich ein Verein um den Erhalt als technisches Kulturgut.

 

Inzwischen verhinderten technische Probleme, dass ich auf diesem Blog Berichte hochladen konnte. Auch der extra angefahrene Vodafone-Shop in Bad Harzburg konnte nicht weiterhelfen. An der Kundenhotline hatte ich teilweise nach 15 Minuten Warteschleife immer noch keinen Gesprächspartner.

Meinen Geburtstag feierte ich dann relativ ruhig im Westerwald, hab‘ fast den ganzen Abend mit Freunden und Familie telefoniert.

Tags danach ging es zur Mosel. Bei Cochem stieg ich in das beeindruckende Flusstal ab. Hier lebt der Wein. Nicht nur auf den Hängen, alles dreht sich um den Traubensaft. Allerdings ist die Gegend recht touristisch, so wurden für einen Wohnmobilstellplatz 6 Euro verlangt, nur weil dort Strom (gegen Zuzahlung natürlich) verfügbar war. Außerdem durfte man die öffentliche Toilette benutzen, hurra!. Ich habe das Tal dann wieder verlassen und weiter oben einen schönen, ruhigen Wandererparkplatz gefunden. Vom nahe gelegenen Bauernhof krähte der Hahn herüber, Kühe muhten – alles wie zu Hause.

Am nächsten Tag wurde das Wetter noch heißer, und ohne Klimaanlage im Bus (ausstellbare Dreiecksfenster) machte die Fahrerei wenig Spaß. So hatte ich mir ein schnell erreichbares Etappenziel ausgesucht: einen See mit Badestelle und Campingplatz. Eigentlich wollte ich nur einen Tag dort verbringen, da aber der Folgetag noch heißer wurde und am Wochenende auf diesem Platz Bullitreffen war, bin ich kurzerhand etwas länger geblieben.

Es war ein Kampf…

…mit Vodafone, mit der Hardware und nicht zuletzt mit dem Newbie – mit mir. Vom heimischen PC mit LAN zum Laptop mit mobilem Router und Datenpaketen sind es eben doch ein paar Schritte mehr. Das dauert im Zweifel ein paar Tage länger. Denn unterwegs bin ich bereits seit Sonntag, dem 18.6.. Aber jetzt scheint tatsächlich alles zu funktionieren, daher ab jetzt Updates nicht nur über facebook, sondern auch hier!

Allee

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